19.08.2017 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Bern
Grosser Handel nach dem Kauf
Der Verkauf der Kesselring-Pferde lockte über 2000 Interessierte in den Sand Schönbühl BE. Verkauft wurde für Schnäppchenpreise, und einige Pferde wechselten an diesem Tag nicht nur einmal den Besitzer.

Private, Händler und Organisationen staunten nicht schlecht, als die Verkaufskonditionen bekannt gegeben wurden. Der Maximalpreis pro Tier setzte sich nämlich aus dem Schatzungspreis, der zuvor von zwei privaten Experten aufgrund des Gewichts, der Grösse, dem Exterieur, dem Nährzustand und dem Verhalten im Umgang gemacht wurde, plus maximal 500 Franken, zusammen.

Interessierten sich mehrere Leute für dasselbe Tier und waren bereit, den Maximalpreis zu zahlen, dann wurde ausgelost. Schnell wurde klar: Alleine ist es schwierig an ein Pferd zu kommen.

Gleiche Chance für alle

Die Preise lagen zwischen 100 bis 2900 Franken. Es sei bewusst auf eine Auktion verzichtet worden, weil man nicht wolle, dass die Preise in die Höhe schnellten. Jeder müsse die Chance haben, um ein Pferd ersteigern zu können und nicht nur die Leute mit einem dicken Portemonnaie, heisst es vom Kantonalen Veterinäramt Thurgau.

Zudem habe man die Tiere in Würde verkaufen wollen. Das Interesse für die Tiere war riesig, und nur, wer sich gut organisiert hatte, sprich genügend Leute zum Händehochstrecken organisiert und das Glück auf seiner Seite hatte, kam an eines der Pferde. Während dem zu Begin noch eine überschaubare Anzahl Leute an der Verlosung teilnahmen, boten sich innerhalb kurzer Zeit bis zu 80 Leute ein Stell-dich-ein bei der Losziehung.

Hinter den Kulissen

Vor allem bei abgemagerten Tieren war die Nachfrage sehr gross. Der Grossteil der versteigerten Tiere befand sich wieder allen Erwartungen in einem guten Nährzustand, waren halfterführig und menschenbezogen.

Jedes der 80 Tiere fand während dem Verkauf einen neuen Besitzer. Manche von ihnen nach der offiziellen Vertragsunterzeichnung gleich den nächsten, denn hinter den Kulissen ging der Handel rege weiter. 

 

Kommentar

Mitleid ist gefährlich


Ein komplexes Kontrollsystem soll dafür sorgen, dass Vorschriften minutiös eingehalten werden. Währenddem man die Boxengrössen abmisst, übersieht man vermutlich aber die vernächlässigten Tiere darin. Als Landwirtin und Steuerzahlerin frage ich mich, wieso es zuerst private Tierschützer braucht, bis die verantwortlichen Behörden, die notabene von uns dafür bezahlt werden, zum Rechten zu sehen, aktiv werden?

Ich frage mich auch, wieso die grösstenteils gut genährten und zutraulichen Tiere unter ihrem Marktwert verschachert wurden?Schnäppchenpreise regen zu Mitleidskäufen und zu dubiosen Geschäften an. Bei beiden ist schlussendlich wieder das Tier leidtragend.

Mitleid, gepaart mit Unwissenheit, kann genauso viel Schaden anrichten wie Überforderung.  Wie viele Pferde tatsächlich mit dem offiziellen Käufer nach Hause gingen, ist genauso schleierhaft wie die Preise beim regen Handel hinter den Kulissen.

Den Pferden wünsche ich den best möglichen Lebensplatz, mit Menschen, welche die Bedürfnisse von Pferden kennen und ihnen gerecht werden können.  

Von den Behörden erwarte ich ein detaillierte  Auflistung  über die Verwendung des Verkaufserlöses.  Die Pferde wurden gerettet und gleichzeitig die Existenz eines Menschen zerstört. Lasst uns das nicht vergessen.

Anja Tschannen

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