2.09.2018 18:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Stallwettbewerb (6/6)
Grossgruppen vereinfachen Integration
Neunzig Pferde geniessen im Stall Happy ihr Herdenleben. Jedes Pferd hat einen implantierten Chip, um sich bedarfsgerecht an den Fütterungsstationen bedienen zu können. Roland Hugentobler nennt sich Herdenmanager.

Drei Mal dreissig Pferde. So sieht der aktuelle Pferdebestand im Stall Happy im thurgauischen Hosenruck aus. Die Pferde leben in drei Grossgruppen. «Das Management und die Integration in eine gut funktionierende Herde ist einfacher, als wenn man Kleingruppen von fünf bis zehn Tieren hat», ist Betriebsleiter Hugentobler überzeugt.

Neue Pferde würden in einer grossen Gruppe eher jemanden finden, mit dem sie gut auskommen. Im 2000 habe er mit seinen 35 Milchkühen aufgehört und 2001 mit den Altersweiden begonnen. Zuvor seien auf dem Betrieb bereits rund 25 Pensionspferde gehalten worden. Heute seien über zwei Drittel der Pferde auf dem Betrieb pensioniert und würden nicht mehr genutzt.

Futter via Computer

Der Betrieb habe sich in all den Jahren stetig gewandelt und sei an die Bedürfnisse der Pferde angepasst worden. So setzt Hugentobler auf eine computergesteuerte Fütterung, nicht nur beim Kraftfutter, sondern auch beim Heu. «Damit können wir die Pferde bedarfsgerecht füttern und haben das Gewicht  der Tiere im Griff», erklärt er.

Chip unter der Haut

Zu Beginn hätten sie den Pferde die Sensoren, welche für das Bedienen der Futterstationen gebraucht werden, in die Mähne geflochten. Diese seien aber regelmässig abgescheuert worden und verloren gegangen. «Jetzt trägt jedes Pferd den Chip als Implantat unter der Haut»,  sagt Hugentobler.

Diese Taktik funktioniert einwandfrei. Neben den vorgegebenen Rationen haben die Pferde jederzeit Stroh zur freien Verfügung. Wenn möglich Weizen-, ab und zu auch Gerstenstroh, und davon viel.

Rund 180 Tonnen Stroh werden im  Stall Happy  jährlich gestreut. Hugentobler bezieht das Stroh von einem Kollegen. Seine 24,5ha werden als Weiden und für die Heuproduktion genutzt.   Die täglichen Arbeiten erledigt er mit zwei polnischen Arbeitskräften und einem Hofmitarbeiter. Die grossen Auslaufflächen werden mit Putzmaschinen gereinigt und der Mist mit dem Hoflader zum Miststock geführt.

Doch wie schafft man es, sich um die neunzig als Heimtiere eingetragenen Pferde zu kümmern und jedem gerecht zu werden? «Ich sehe mich als Herdenmanager», so Hugentobler. Eine in sich harmonische Herde sei nicht so schwer zu führen. «Das Wichtigste ist das regelmässige Kontrollieren der Tiere», äussert Hugentobler. «Man muss sehen und erkennen, wenn ein Pferd anders ist als sonst und dann auch reagieren», fährt er fort.

Viele Pferde heisst auch viele Besitzer. «Die meisten Pferdebesitzer besuchen ihre Pferde am Wochenende», berichtet der Thurgauer. Am Anfang seien die Besuche häufiger, dann  unregelmässig, und wenn es dann langsam gegen den Schluss geht, würden die Besitzer wieder vermehrt kommen, um Abschied zu nehmen. 

In Gruppe euthanasieren

Eine wichtige Thematik beim Führen einer Altersweide  ist  der Tod des Pferdes. «Wir hatten in all den Jahren einige wenige Fälle, in denen die Tiere ganz natürlich gestorben sind, in den meisten Fällen aber muss man ab einem gewissen Zeitpunkt die Entscheidung fällen,  das Pferd euthanisieren zu lassen», so Hugentobler.

Meist seien die Pferde mehrere Jahre auf dem Betrieb, daher kenne er die Tiere sehr gut und sehe auch, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um ein Pferd gehen zu lassen. Dann informiere er die Besitzer  und auch seinen Tierarzt.   Das Pferd werde in der Gruppe euthanisiert und bleibe eine kurze Zeit dort, damit die Herdenmitglieder Abschied nehmen können. 

Einfühlungsvermögen

Für die Besitzer sei der Abschied sehr schwer. «Leute, die ihren Pferden noch einige schöne Jahre auf einer Altersweide ermöglichen, hängen oft sehr an ihren Tieren», so Hugentobler. «Oft erfährt man erst ganz am Schluss was für einen emotionalen Wert das Pferd für die Besitzer hatte und welche Geschichten damit verknüpft sind». Das sei nicht immer leicht und verlange Einfühlungsvermögen.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter:  Roland Hugentobler
Standort: Hosenruck TG
LN: 24,5 ha

Anzahl Pferde
: 90
Betriebszweige: Altersweide und Pensionsstall.

Arbeitskräfte:  Roland Hugentobler, zwei polnische Mitarbeiter, ein Hofmitarbeiter
Haltungsform: Grossgruppen-Auslaufstall

Pensionspreis: 450  Fr./M. bzw. 500 Fr./M. mit Kraftfutter
Dienstleistung: Misten, Füttern, Weide, Organisation von Hufschmied, Entwurmen, Zahnarzt,Impfungen, Organisation Sterbehilfe
Zusatzleistungen: Für den Pensionsstall werden 650 Fr./M. bez. 750 Fr./M. mit Reithalle verlangt. 

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