22.07.2018 17:55
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Stallwettbewerb (3/6)
Hauptsache voller Futtertrog
Bei Manuela Niklaus aus Unterlangenegg BE stehen die Pferde im Zentrum. Trotz zahlreicher Rückschläge hat sie den Traum vom eigenen Pensionsstall realisiert. Nun soll das Bestehende optimiert werden.

Glück in der Liebe – Glück im Stall. Für die frisch Verheiratete ist der neue Name noch etwas ungewohnt. Hat sie doch die Auszeichnung des Stallwettbewerbs als Mühlethaler gewonnen. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt  für die junge Frau, die gekämpft hat, um den Traum vom eigenen Pferdehof zu realisieren.

Erschwerter Bau

Immer wieder stand Familie Niklaus vor langwidrigen Baubewilligungsverfahren. Im 2014 änderte das Raumplanungsgesetz, was Auswirkungen auf die  Pferdehaltung in der Landwirtschaftszone zur Folge hatte. Bauliche Massnahmen dürfen an Aussenanlagen zur Beschäftigung von Tieren nur vorgenommen werden, wenn diese betrieblich genutzt werden. «Und dafür hatte unser 6-ha-Betrieb mit sechs Mutterkühen zu wenig Standardarbeitskraft(SAK)-Einheiten.

Die einzige Möglichkeit den Reitplatz zu realisieren, war eine Betriebszweig-Gemeinschaft. Ohne die Hilfe von  Fritz Reusser, der nicht weit von uns einen Landwirtschaftsbetrieb führt, wäre es nicht möglich gewesen, den Stall und den Reitplatz zu bauen», erklärt die gelernte Tierarztassistentin dankbar. Seit Sommer 2017 steht der 1632m grosse Springplatz mit verlegtem Kunstrasen und Quarzsand mit Textilschnitzeln nun allen Pensionären zur Verfügung.

Aufs Pferd ausgerichtet

«Unser Stall ist mit den dazugekommenen Pferden gewachsen. Nun geht es darum, Vorhandenes zu perfektionieren», verdeutlicht Niklaus mit Blick in die Zukunft. Angestrebt sei eine computergesteuerte Fütterung. Diese soll es ermöglichen, den individuellen Nährstoffbedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Aktuell erhalten Niklaus’ Rösser einmal am Tag Kraftfutter. Hafer und Heucaps dürfen durch die Pensionäre jederzeit hinzugefüttert werden.

Zudem haben die Pferde ganztags freien Zugang zu den Weiden. Im rund 700m2 grossen Paddock befinden sich zwei mit Heu gefüllte Raufutterstationen. Daran angeschlossen sind drei gedeckte Liegeflächen, zwei davon mit Waldboden. Ein zweites mit Stroh eingestreutes Gebäude ist vom Allwetterplatz über einen breiten Kiesweg erreichbar.

In allen Eingangsbereichen schützen Wasserbestäubungsanlagen vor Insekten. «Bei uns ist alles auf die Pferde ausgerichtet, ohne grossen Schnickschnack. Unser Stall ist für alle Rösser geeignet, nicht jedoch für alle Besitzer. Wir sprechen daher eher unkomplizierte Pensionäre an», so die 29-Jährige, der gegenseitiger Respekt ganz nach dem Motto «Leben und leben lassen» wichtig ist.

Grosse Eigenleistung

Nebst der Ausbildung von Pferden bietet die gelernte Bereiterin Reitstunden für Kinder an. Dafür hält sie im alten Kuhstall mit eingezäuntem Vorplatz drei Ponys. Der Viehstall sei ein weiteres ihrer anvisierten Projekte. «Dafür müsste die Mutter aber ihren Garten opfern», gesteht Manuela Niklaus und schmunzelt. In Niklaus’ noch namenlosen Stall steckt viel Eigenleistung. 

Stephan Niklaus unterstützt seine Partnerin, wo er kann. «Manuela lebt für die Pferde. Hauptsache, sie haben es schön, auch wenn der Kühlschrank leer bleibt» meint der gelernte Maurer und Bauführer, während  er seine Ehefrau neckisch lachend umarmt.  

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Manuela Niklaus
Standort: Unterlangenegg BE
LN: 6 ha, davon 2 ha Weidefläche
Anzahl Pferde: 14
Betriebszweige: Pensionspferdehaltung,  Futterbau.

Arbeitskräfte:  Manuela Niklaus, Schwester Fränzi Mühlethaler.
Haltungsform: Gruppenhaltung in Kleingruppen
Pensionspreis: 650 Franken/Monat, bei Mithilfe im Stall 550 Franken/Monat. 
Dienstleistung: Einmal täglich füttern (Kraftfutter: Hafer), misten,   Kraftfutter in Selbstbedienung, Weidegang, Benützung des Reitplatzes, Sattelkammer.

Zusatzleistungen:  Pferdeausbildung, Bewegung der  Pferde, Reitunterricht. 

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