15.05.2017 14:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Freiberger
«Ich bin stolz auf die Fribi-Familie»
Der Schweizer Freibergerverband (SFV) feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Im Interview erzählt Geschäftsführer Stéphane Klopfenstein, wie sich der Verband entwickelt hat und welche Herausforderungen künftig warten.

«Schweizer Bauer»: Der SFV feiert sein 20-jähriges Bestehen. Was sind die Meilensteine  in diesen  20 Jahren?
Stéphane Klopfenstein:
1997: SFV wird eigenständiger Verband und löst sich vom Dachverband, dem vorher die Pferderassen in der Schweiz untergeordnet waren.
2000: National FM wird zum ersten Mal durchgeführt; ab 2006, National FM zusammen und am gleichen Wochenende mit dem Finale Sport & Freizeitprüfungen
2010: letzter erfolgreicher Kampf gegen die Schliessung des Nationalgestütes
2011: CLF-Krankheit bei FM wird erkannt und Bekämpfungsmassnahmen eingeführt
2011: Genehmigung der Strategie SFV 2020 durch die Delegierte SFV
2013: Revision der Statuten und Reglemente SFV
2016: Vereinbarung mit der Freiberger Pferde Stiftung (Zusammenarbeit, um die Förderung für das FM-Pferd zu intensivieren)

Wie hat sich der SFV in diesen 20 Jahren entwickelt?
Der SFV ist sozusagen erwachsen geworden und konnte in diesen 20 Jahren Erfahrungen als eigenständiger Verband machen. Er ist ein wichtiger Partner für den Bund, die Politik, Organisationen und für das Ausland geworden und setzt sich stark für  spezifische  Freiberger Themen, die im Bund diskutiert werden, ein.  Besonders wichtig: Im Ausland ist man als Verband einer Rasse gleichzeitig auch deren Inhaber. Wir werden international von unseren Partnern, insbesondere in Deutschland, Frankreich und Holland, als Inhaber der FM- Rasse anerkannt.

Worauf ist der SVF besonders stolz?
Auf die Entwicklung des Freibergers im Ausland. Der Freiberger wird im Ausland immer beliebter und bekannter. Als zweiten Punkt möchte ich den Stationstest hervorheben. Bei keiner anderen Pferderasse wird für die Auswahl der besten Zuchthengste ein vergleichbares Verfahren angewendet. Wir sind stolz darauf und denken der Test hat einen positiven Einfluss auf die Rasse .Und als dritten Punkt möchte ich die Marke FM nennen. Die Marke mit dem FM-Logo sieht man mittlerweile an jeder Veranstaltung mit Pferden, sei es als Kleber auf einem Auto oder auf einer Jacke.  Die FM-Marke bewegt, man sieht sie heute überall an Pferdeveranstaltungen, und es hat sich eine richtige FM-Familie gebildet. Darauf sind wir stolz.

Der Freibergerverband  in Kürze

Der SFV wurde 1997 an der Gründerversammlung in Bern gegründet und zählt heute 63 Mitglieder (Organisationen). Davon kommen drei aus dem  Ausland (Frankreich, Belgien und Holland).  Zurzeit sind 3200 Stuten und 170 Zuchthengste im Herdenbuch registriert. Jährlich werden 2000 Fohlen geboren.

Der SFV hat folgende Kernaufgaben:
- Führung des Herdebuchs
- Dienstleistungen für die Züchter (erstellen von Pässen, Papieren)
- Werbung für die Rasse (Präsenz an Ausstellungen)
- Lobbyingarbeiten (Interessenvertretung)
- Veranstaltungen organisieren (FM National, Hengstkörung, etc.)
- Herausgeben des Magazins FM  als Kommunikationsorgan


Wo liegen die Herausforderungen des SFV in der Zukunft?
Eine der Hauptherausforderungen bleibt die Erhaltung der Rasse. Nach wie vor sind die Geburten rückläufig. Wir möchten diese zumindest stabilisieren oder besser noch wieder steigern. Dann darf man auch die Problematik der Inzucht nicht aus den Augen lassen. Als weitere Herausforderung sehen wir das Image des FM in der Schweiz. Im Ausland geniesst unser FM bereits einen ausgezeichneten Ruf, in der Schweiz  muss sich dies aber speziell noch verbessern. Im Bereich der Vermarktung und  Rahmenbedingungen muss gehandelt werden. Vor allem  bei den Exportbedingungen. Hier spreche ich vor allem den Import und Export an. Nach wie vor herrscht dort eine riesige Diskrepanz.

Jährlich können 3820 Pferde zu einer Importgebühr von 120 Franken in die Schweiz Importiert werden. Will aber ein FM-Züchter seine Tiere im Ausland verkaufen, so muss er bi zu 40 Prozent des Verkaufspreises am Zoll zurücklassen. Der Import/Export muss auf beiden Seiten liberal sein.
Als letzte Herausforderung möchte ich die Beibehaltung des Gestütes nennen. Zurzeit bin ich zuversichtlich, da es gesetzlich noch verankert ist. Trotzdem gibt es aber aus dem privaten Milieu nach wie vor Leute die gegen den Erhalt des Gestüts sind.

Wie hat sich die Freiberger Pferderasse in den letzten 20 Jahren entwickelt? Was hat sich verändert?
Der Freiberger wurde vom Typ her feiner und leichter. Kurz vor der Eigenständigkeit des SFV wurden die letzten Einkreuzungen gemacht. Dabei wurde die gewünschte Rittigkeit erreicht ohne dabei die Grundqualitäten wie den guten Charakter zu gefährden. Er präsentiert sich heute sportlicher. Vor 20 Jahren hätte sich wahrscheinlich niemand vorstellen können, dass sich der Freiberger im internationalen Fahrsport behaupten kann, wie es heute der Fall ist. Oder dass er sich elegant an Dressurprüfungen zeigen kann. Die Rasse wurde an den Markt angepasst und überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit. Man hat auch heute noch innerhalb der Rasse viele verschiedene Fibis.

Welche Hengste haben die Freibergerpferdezucht in den 20 Jahren geprägt?
Hier kommen mir spontan drei Zuchthengste in den Sinn: Nepal, Libero und Hendrix. Wenn man die Anzahl Nachkommen anschaut, haben diese drei Hengste die Freibergerrasse genetisch besonders stark mitgeprägt.

 

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