18.08.2018 18:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Aargau
Sie sind auf das Pferd gekommen
Denise und Peter Luder züchten Pferde mit derart viel Erfolg, dass sie mittlerweile die ganze Schweiz kennt.

«Der Mann hält ein Pferd wie eine Kuh», sagt Denise Luder, herzhaft und schmunzelt. Und der Angesprochene, ihr Mann Peter, lacht geradewegs heraus. Denn der Landwirt, der er war, hält sich hartnäckig im heutigen Rösseler. Obwohl Peter Luder, 57, natürlich nach wie vor Landwirt ist. Er bewirtschaftet 21 Hektaren Ackerland, produziert Brotweizen, Futtergerste, Hafer, Raps, daneben arbeitet er als Betriebsmechaniker in der nahen Kehrichtverbrennungsanlage.

Zwei Lehrlinge

Doch Peter Luder war klassischer Milchbauer. Dass dieser Milchbauer zum Pferdehalter wurde, hat einfache Gründe: die sinkenden Milchpreise, die Auflagen, die einen neuen Viehstall erfordert hätten, die Pferdeliebe Denises. Also entschloss sich das Paar 2007, die Milch fortan Milch sein zu lassen und stattdessen auf die Pferdezucht zu setzen. 2008 bauten sie den Pensionsstall mit 16 Boxen und bauten ihre kleine Pferdezucht aus. Heute beschäftigen sie zwei Auszubildende im «Stall vom Loohof». Nur den Reitstall verwehrte ihnen die Behörde, ein Fakt, der sie noch heute schmerzt.

Doch die Luders hadern nicht, dazu sind sie nicht die Typen. Viel lieber schauen sie nach vorne. Auch wenn die nahe Vergangenheit gerade sehr viel Gutes über ihren Köpfen ausgeschüttet hat und der Stolz in ihren Augen funkelt. Etwa über den Titel «Miss Schweiz 2018», den sie für ihre dreijährige Stute Tuana einheimsten. Sie hatten nicht mit dem Erfolg gerechnet, entsprechend überraschte sie auch der mediale Rummel, der darauf über sie hereinbrach.

Irgendwie geniessen sie diesen aber auch. Sagen würden sie das nie, und es geht ihnen auch nicht ums Ego, ihre Personen oder den Erfolg, sondern schlicht um die Bestätigung: Interessieren sich die Fach- und Lokalmedien für einen, hat man so manches richtig gemacht. Und umso weniger falsch. «Ja, wir sind stolz», sagt darum Denise Luder, «wir haben gerade ein richtiges Hoch.» Auch, weil Stute Callista, die den fünften Rang belegte, auch aus ihrer Zucht stammt.

Kauften Fohlen zurück

Dieses Hoch dauert nicht erst seit gestern. Bereits ihre heute sechsjährige Dressurstute Orla wurde mehrfach ausgezeichnet und setzte den «Stall vom Loohof» auf die Schweizer Pferdezüchterkarte. Doch beinahe hätten sie die Luders verkauft. Orla war nämlich bereits zur Auktion gemeldet, als sie den Titel als bestes Fohlen nach Oftringen holte – haushoch und ohne jede Vorankündigung. Um der Konventionalstrafe zu entgehen, brachten sie  Luders trotzdem nach Sursee – und ersteigerten ihr eigenes Tier. «Finanziell war das natürlich ein Reinfall», erinnert sich Peter Luder mit demselben Lachen wie ehedem, «aber züchterisch das einzig Richtige.»

Dass auf dem Loohof überhaupt Pferde grasen, ist Denise Luder, 51, zu verdanken. Die ausgebildete Reitlehrerin, die Kinder auch heute noch Reitsen unterrichtet, trat bis vor zehn Jahren selbst zu Military-, Spring- und Dressurprüfungen an. Heute überlässt sie das Feld lieber den Jungen. Wie sie das sagt, spricht aus ihr dieselbe Konsequenz, die schon der Milch den Hahn abdrehte.

Der Loohof betreibt keine grosse Pferdezucht. «Klein, aber fein», umschreiben  sie Luders – «mit viel Herzblut und Leidenschaft», ohne die es nicht ginge. Wichtig sei ihnen die Qualität ihrer Zucht: «Wir haben allesamt liebe, gut ausgebildete Pferde. Darauf legen wir grössten Wert.» Dennoch sagt Denise Luder einen entscheidenden Satz: «Bei Spitzenpferden ist es ähnlich wie bei Menschen: Genie und Wahnsinn liegen bisweilen nah beisammen.»

Nachfolger in Sicht

Dann folgt der Blick nach vorne. Und der zeigt auf, dass  Luders bereits heute einen potenziellen Nachfolger in der Hinterhand haben: Ihr älterer Sohn Florian ist ausgebildeter Landmaschinenmechaniker und Landwirt. Und abgeneigt scheint er nicht. Nur die Pferde sind nicht  seins. «Der ersetzt den Pferdestall lieber mit einer Maschinenhalle», sagt Denise Luder lachend. Es wäre schade.

Denn Ende September findet in Sursee die nächste Fohlenversteigerung statt, auch Luders haben zwei Tiere angemeldet. «Sie haben das Potenzial zu Prämienstuten», sagt Peter Luder. Diesmal wollen sie sie aber definitiv verkaufen. 


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