14.06.2020 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
Stuten melken ist Gefühlssache
Tamara Wülser aus Uebeschi BE hat sich einen Traum erfüllt. Seit bald eineinhalb Jahren betreibt sie mit ihrem Partner einen Pferdehof. Ihre Schützlinge sind Ardennenpferde, schwere Kaltblutpferde, die ihr wertvolle Milch liefern.

Pferde hatten es ihr schon immer angetan. Erst hatte sie Ponys, mit denen sie an Fahrsportturnieren einige Erfolge feiern konnte. Wenn man aber jetzt auf dem Stockhornhof in Uebeschi rund 15 Pferde auf der Weide oder im grosszügigen, gedeckten Laufhof sieht, kommen einem so richtige Pfundskerle entgegen. «Ardenner», sagt Tamara Wülser. Drei Stuten hat sie vor einem Jahr aus guten Linien von guten Zuchtbetrieben in Luxemburg und Belgien importiert. Eben dort, wo die Ardennen liegen. 

Exotisches lockt

Warum gerade solche und keine heimischen Freiberger beispielsweise? «Wir wollten etwas Besonderes, etwas, das am Markt besser gefragt sein würde», bestätigt ihr Partner Bernhard Bütikofer, der Agrotechniker ist. «Dort hat man eine Arbeit zu schreiben, wie man seinen Betrieb optimieren oder diversifizieren kann. Da befassten wir uns mit dem Thema Stuten melken.» Das Glück spielte mit. Vor einem Jahr konnten sie den 7,5 ha-Kleinbetrieb im Gänsemoos kaufen. Der Vorbesitzer hielt hier Bisons.

Ardenner sind sehr gutmütig, sofort kommen sie daher und sind empfänglich für Streicheleinheiten. Klar könne man diese reiten, gibt Wülser zu verstehen. Sie biete Ausritte und Reitlager für Kinder an. Die Grösse der Pferde mit gegen einer Tonne Gewicht fasziniere auch die Kleinen. «Oft gibt es ein Wetteifern, wer auf das grösste darf.»

Sie sind sehr lernwillig, brauchen aber längere Erholungspausen. Und wenn sie nicht jeden Tag bewegt werden, bleiben sie trotzdem ruhig, beschreibt sie ihre Eigenschaften. Klar werden die «Dicken» in ihrem Ursprungsland auch für die Fleischproduktion gehalten,. Und bei der Pferdezucht war Milchleistung nie ein Kriterium. Auf dem Stockhornhof werden jedoch keine Fohlen geschlachtet, sie werden als Freizeitpferde in gute Hände verkauft, weiss die bald 30-jährige  Agronomin.

Bis 20 Liter pro Tag

Fohlen haben die Eigenschaft, bei jeder Gelegenheit zu säugen. Die Stuten können deshalb ihr Euter nicht so füllen wie eine Kuh. Dennoch produziert ein Pferd bis 20 Liter Milch pro Tag. Vor dem Melken werden die Fohlen für etwa  zwei Stunden von der Mutter getrennt. Will man melken, ist Fingerspitzengefühl gefragt. «Wenn nur das Geringste nicht passt, gibt es nichts. Und leermelken geht nicht.»

Die Melkmaschine ist ein gängiges Modell, das bei Ziegen verwendet wird. Die Milch, bis zwei Liter pro Gemelk, wird nach dem Melken eingefroren. Denn kochen geht nicht, sonst scheidet sie. Ein Labor in Zug füllt die Milch periodisch in natürliche Zellulosekapseln ab. Diese gibt es als   «Kurpackung» für drei Monate. Während dieser Zeit sollen täglich drei Kapseln eingenommen werden als unterstützende Massnahme bei Haut- oder Darmproblemen (s. Kasten).

Nein, einen eigentlichen Marktpreis gebe es nicht. Zu wenige, konkret nur etwa eine Handvoll Pferdehalter melken ihre Tiere. Die beiden haben gerechnet: Bei einer «Ausbeute» von 10 bis 12 Prozent kommt man auf etwa 35 Franken pro Liter, wenn man die Vollkosten berücksichtigt. So kostet eine Packung, die seit einem halben Jahr angeboten wird, 89 Franken. Dermatologen wüssten von der Wirkung solcher Produkte, wüssten aber oft nicht, wo sie erhältlich seien. Der Vermarktung wollen die beiden deshalb noch mehr Gewicht beimessen.

Mehr Infos: www.stockhornhof.ch

Die Eigenschaften

Stutenmilch ist der menschlichen Muttermilch recht ähnlich. Mit knapp 2 Prozent Fett und 2,5 Prozent Eiweiss liegt Stutenmilch gehaltmässig tiefer als Kuhmilch. Da der Anteil an Albumin und Globulin mehr als die Hälfte des Eiweisses ausmacht, hat dies positive Auswirkungen auf das Immunsystem. Der Gehalt von Lysozym ist gar rund 26 Mal höher als in der Kuhmilch. Schon bald seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Stutenmilch eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechten hat. Der ebenfalls hohe Anteil an Milchzucker wird langsamer verdaut als bei Kuhmilch. Dies beeinflusst die Bifidusflora im Darm und normalisiert die Verdauung. Auch beinhaltet sie rund 150mg/l Ascorbinsäure, also Vitamin C. ral

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