Donnerstag, 26. November 2020
04.10.2020 06:01
Pferdeberuf

Viele Stunden im Tierspital

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Von: Ralph Dietsche

Durch Probleme des eigenen Pferdes fand Lenka Nüesch zur Huforthopädie. Sie absolvierte eine dreijährige Ausbildung.

Lenka Nüesch lebt seit 16 Jahren auf einem Bauernhof in Widnau. Aufgewachsen ist sie in Tschechien.

Ohne Hufeisen unterwegs

Schon in ihrer Kindheit haben es ihr die Pferde angetan: «Meine freie Zeit verbrachte ich im Pferdestall.» Heute besitzt sie zwei selbst gezüchtete Warmblüter und ein Pony. Alle drei sind inzwischen ohne Hufeisen unterwegs. Lenka Nüesch ist eine der ersten Huforthopädinnen in der Ostschweiz, welche ihre fundierte Ausbildung an der Fachschule für Biomechanik und ganzheitliche Therapien am Pferd (FBP) im Bernbiet abgeschlossen hat.

«Im Kanton St.Gallen gibt es nebst mir nur eine Person, welche dem Verband der Schweizer Huforthopäden angehört», weiss Nüesch. Huforthopäden gebe es hingegen einige. Dies kommt daher, weil der Titel nicht geschützt ist. Für sie persönlich ist die Huforthopädie nach den FBP-Grundsätzen die richtige: «Ich betrachte jedes Pferd und jeden Huf individuell. Meistens kommen Tiere zu mir, welche klare Defizite haben. Diese zu behandeln und den Pferden ein schmerzfreies Leben zu schenken, ist meine Motivation.»

Defizite erkennen

In der Ausbildung hat Lenka Nüesch gelernt, Pferde zu beobachten, die Deformationen und deren Ursachen zu erkennen und die richtigen Massnahmen zu ergreifen. Um ein fundiertes Wissen rund um den Bewegungsapparat zu erhalten, hat sie viele Stunden im Tierspital verbracht und auch Pferde seziert, um deren Aufbau – insbesondere den des Hufes – zu erlernen. Heute besitzt sie ein umfassendes Wissen rund ums Pferd.

Die Ergebnisse der Behandlungen bestätigen Lenka Nüesch, dass sie auf dem richtigen Weg ist: «Anfangs war ich selbst erstaunt, was für Auswirkungen die richtige Hufbearbeitung auf den Gang und die Haltung des Pferdes hat. Inzwischen ist es für mich erklärbar.» Heute ist sie sicher, dass es beim Huf nicht nur auf das Aussehen ankommt, sondern auf die Funktion. «Durch die richtige Bearbeitung wird dem deformierten Huf erlaubt, wieder in der für ihn optimalen Form herunterzuwachsen. Die Hebelwirkungen an den Hufwänden werden ausgeschaltet, und die Seiten- und Zehenwände werden in einen tragfähigen Winkel zum Boden gebracht», erklärt die ausgebildete Huforthopädin ihre Arbeit.

Zeit ist wichtiger Faktor

Um die Hufe des Pferdes zu kräftigen, reiche alleine die Abnahme der Hufeisen nicht. «Es geht einige Wochen, bis sich das Pferd auf barhuf gewöhnt hat und der Huf voll funktionsfähig ist», erklärt Lenka Nüesch. Bei der Umstellung auf barhuf sind Hufbearbeitungen in kürzeren Intervallen nötig. Bis ein Huf von oben nach unten durchwächst, dauert es etwa neun bis zwölf Monate. Der Huf ist folglich frühestens nach einem Jahr in Form.

«Das Wichtigste ist, dass die Pferdebesitzer ihrem Pferd Zeit lassen. Durch die Abnahme des Hufeisens lernt das Pferd wieder zu tasten, die Durchblutung verbessert sich und die inneren Strukturen werden entlastet.» Sie vergleicht es mit einem Menschen, der längere Zeit Einlagen oder Absätze getragen hat und danach den Fuss wieder auftrainieren und stärken muss.

Vorteile von barhuf 

Durch die regelmässige Bearbeitung des Hufes wird die weniger belastete Seite zum Tragen gebracht, um die mehrbelastete Seite zu entlasten. Das Ziel ist ein gleichmässig belasteter Huf. «Wer genügend Geduld hat, wird die Vorteile von barhuf erkennen. Es ist nie zu spät, um mit einer huforthopädischen Bearbeitung zu beginnen», sagt sie und ergänzt, «ein gesunder Huf beugt Huferkrankungen und Lahmheiten vor. Doch ganz barhuf geht es auf unseren Teer- und Kieswegen nicht. Heute gibt es ein breites Sortiment von Hufschuhen, die immer optimiert werden und dem Pferd Schutz bieten vor dem übermässigen Abrieb

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