15.07.2018 07:15
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Stallwettbewerb (1/6)
Vom Schweinestall zum Pferdeparadies
Seit 16 Jahren halten Ruth und Walter Daepp auf ihrem Betrieb Pferde. Sie setzten von Anfang an auf Gruppenhaltung in Kleingruppen. Stroh und Heu produzieren sie selber und wenden dabei einen cleveren Trick an.

«Vor sechzehn Jahren hätten wir den Schweinestall umbauen und an die neuen Tierschutzvorschriften anpassen müssen», schildert Walter Daepp. Umgebaut haben die Daepps aber für Pferde und nicht für Schweine. 

Dabei stand von Anfang an fest, dass es nicht wie damals üblich ein Boxen-, sondern ein Gruppenauslaufstall, werden soll. Zu jener Zeit gab es in der Umgebung noch keine Anbieter für Gruppenhaltung. «Die Pferde werden sich in der Gruppe totschlagen, haben uns Kritiker gesagt», erinnert sich Ruth. 

Integration mit Gefühl

Die Daepps hielten an ihrer Idee fest und sind nach wie vor  überzeugt: «Die artgerechte Gruppenhaltung ist die Haltungsform, die man fördern sollte.»  Die Pferde seien sehr ausgeglichen, vorausgesetzt die Gruppenzusammensetzung passe. Hier spielt der Stallbetreiber eine wesentliche Rolle. Die Integration neuer Pferde muss mit viel Fingerspitzengefühl erfolgen.

Etwas, das auf dem Neumatthof vorhanden ist. «Ich würde sagen, dass 95 Prozent der Pferde sich bei einer fachgerechten Integration für die Gruppenhaltung eignen», so Ruth. In den 16 Jahren hätten sich nur zwei Pferde nicht integrieren lassen. Nach einer Woche werden die künftigen Pferdekollegen auf dem Allwetterplatz, der 20  40 m gross ist, zusammengelassen. So kann im Fall der Fälle eingegriffen werden, und die Pferde können  getrennt werden. Die schrittweise Integration kann bis zu einem Monat dauern.

Alle tragen Eisen

Bei der ersten Zusammenführung werden den Pferden die Hufe mit einem Rübenvliess eingepackt, das sieht dann aus wie ein dicker Hufverband und soll die Verletzungsgefahr senken. Die Pferde tragen nämlich alle Eisen. «Jeder Pensionär kann bei uns selber entscheiden, ob er sein Pferd beschlagen will oder nicht», so Ruth.  Eine der Besonderheiten auf dem Neumatthof.

Eine weitere ist die Futterproduktion. Erstens setzt Walter eine Hausmischung, welche vor allem aus Gräsern und ein wenig Rotklee und Luzerne besteht, ein. Zweitens mäht er erst, wenn die Gräser abgeblüht sind, und drittens werden die Quaderballen zwischengelagert. Konkret heisst das: Jede Quaderballe wird separat auf ein Europalett gestellt, dabei wird darauf geschaut, dass sich die Ballen nicht berühren und dass genügend Luft zirkulieren kann. 

Heu schimmelt nie

Erst nach zwei Wochen im Zwischenlager gehen die Ballen auf den Heustock. Ein grosser Mehraufwand, der sich lohnt. «Wir haben nie graues Heu und eine sehr gute Futterqualität», sagt Walter. Zudem wird die Brandgefahr durch Gärungen gesenkt. Im Winter steht Heu dreimal und im Sommer zweimal täglich auf dem Futterplan. Zudem stellen Daepps Hafer und Gerste als Kurzfutter zur Verfügung.

Die Pensionäre entscheiden selber, was und wie viel ihr Pferd erhält. Gefüttert wird in Heuraufen, die von Hand gefüllt werden. Das Kurzfutter erhalten alle Pferde gleichzeitig in Futtereimern. Ganztags steht den Pferden in den grosszügigen Liegebereichen Stroh zur Verfügung. Der Liegebereich wird täglich gemistet. Die nassen Stellen werden entfernt, und es wird Häckselstroh darüber gestreut, das alte Stroh kommt in die Mitte und am Rand wird jeweils frisches Langstroh verteilt. «Der Arbeitsaufwand ist bei unserem System relativ hoch», so Walter.   

Seit 16 Jahren bewährt

Mehrmals täglich werden die Pferdebollen in den Ausläufen, die teils aus Eqoraster und teils aus Holzschnitzeln bestehen, gesammelt. Einmal wöchentlich steht die maschinelle Pflege der 2-ha-Weide auf dem Programm.

Trotz dem Arbeitsaufwand hat sich das System auf dem Hof bewährt. Die Pferdestallungen mussten seit dem Umbau  vor 16 Jahren nicht abgeändert werden.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Ruth und Walter Daepp
Standort: Oppligen BE
LN: 15ha
Arbeitskräfte: Ruth und Walter Daepp, Ferienablösung
Betriebszweige: Pensionspferdehaltung und Ackerbau

Anzahl Pferde: 12
Haltungsform: Gruppenhaltung mit drei Vierer-Gruppen.
Pensionspreis: 650 Franken pro Monat
Dienstleistung: Dreimal täglich füttern, misten, Kraftfutter (bis 4kg), Mineralsalz, Verabreichung von einem Zusatzfutter und wenn nötig von Medikamenten.
Zusatzleistungen: Benützen des Vierecks (40  Franken pro Monat), Abstellplatz Pferdeanhänger (20 bis 30 Franken pro Monat), Pferde ein- und abdecken (20 Franken pro Monat).


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