13.08.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Stallwettbewerb (5/6)
Wo der Stall zur Oase wird
Auf dem luzernischen Dietschiberg weiden acht Warmblüter mit herrlichem Blick auf das Seebecken. Betriebsleiterin Nicole Keller zeigt, dass artgerechte Pferdehaltung trotz sportlicher Ambitionen möglich ist.
«Meine Donna Rubina ist der Grund, warum ich hier gelandet bin», erklärt Nicole Keller, während sie sanft ihre schwarze Hannoveraner Stute streichelt. «Vor dreizehn Jahren suchte ich nach einem Platz für mein Fohlen und fand diesen bei Therese Eggermann. Sie hielt damals auf dem Luzerner Dietschiberg zwei Freiberger Pferde.» 

Kuhstall neu Sattelkammer


Vor vier Jahren dann erfüllte sich die gelernte Marketingfachfrau und Texterin ihren Mädchentraum vom eigenen Pferdestall. Gemeinsam mit Partner Marc Syfrig, der als Architekt arbeitet, pachtete sie den alten Bauernbetrieb neben dem Clubhaus des Lucerne Golf Clubs und baute diesen auf eigene Kosten zu einem Pensionsstall für Sportpferde um. «Es war ein komplizierter und kostspieliger Umbau, der sich aber gelohnt hat.»

Aus dem alten Kuhstall entstand eine mit Nussbaumholz ausgekleidete Sattelkammer und ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit Küche. In je vier 16m2- und 13m2-Boxen mit isolierenden Gummimatten und beheizbaren Tränken finden zwei eigene und sechs Pensionspferde ein Zuhause. Tagsüber sind die Tiere in Gruppen auf Paddocks oder grasen auf Weiden. Gerade rangniedrige Tiere würden jedoch die Nachtruhe in den eigenen vier Wänden geniessen, bemerkt Keller. 

Sorgfältige Integration 

Gruppenhaltung sei in der Theorie zwar schön, aber immer auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Oft wird wegen allfälliger Sportausfälle darauf verzichtet. Eine schrittweise Integration in die Herde ist die Basis, um Unfälle zu reduzieren. Im Stall Dietschiberg wird die Eingliederung besonders sorgfältig und ohne Zeitdruck wahrgenommen. Beschlagen werden die Pferde nur vorne und erst, wenn sie sich komplett in die Gruppe eingefügt haben. 

Nicole Keller ist überzeugt, dass durch eine artgerechte Haltung der Pferde in der Herde diese ausgeglichener und leistungsbereiter werden. «Diese Gelassenheit kann sich positiv auf den Sport auswirken. Zudem sehe ich es als eine Verpflichtung, dem Pferd als Sportpartner durch möglichst artgerechte Haltung etwas zurückzugeben», meint die 48-Jährige wertschätzend.

Ausbildung vom Profi

Bei der sportlichen Förderung von ambitionierten Reitern setzt Keller auf eine individuelle Entwicklung von Pferd und Reiter. Zentral sei dabei die Freude an der Arbeit. Eine schonende Ausbildung und ein abwechslungsreiches Training würden nebst der artgerechten Haltung und einer gezielten individuellen Unterstützung zu sportlichen Erfolgen beitragen. Seit Kurzem werden auf dem 1200 m2 grossen Dressurviereck auch Reitstunden mit der erfolgreichen Turnierreiterin Charlotte Pfeiffer angeboten. Ein Videoanalysesystem im Reitstübli ermöglicht den Pensionären, ihre Ritte zu reflektieren.

Gutes Pferdegespür

Für das Wohl der edlen Rösser sorgt nebst Keller der ehemalige äthiopische Hufschmied Luam Abraha. Als anerkannter Flüchtling vom Schweizerischen Arbeitshilfswerk platziert, kümmert sich der 31-Jährige seit zwei Jahren um Stall und Tier. Dafür erhält er das Gehalt eines ausgelernten Pferdewirts. «Luam hat ein gutes Gespür für die Pferde», so Keller. Mittlerweile arbeitet er zusätzlich im benachbarten Golfclub und hat die Autoprüfung absolviert.

500 Schwalbennester

Eine Besonderheit auf dem Areal des Stalls Dietschiberg sind auch die 500 Nisthilfen unter dem Scheunendach. Die durch die Pferde angezogenen Fliegen sind Nahrung für Schwalben. Gleichzeitig freuts die Pferde, werden sie von lästigen Insekten befreit. «Gerade ist das erste Paar eingezogen», freut sich Keller. Ob weitere im paradiesisch gelegenen Stall Dietschiberg ein neues Daheim finden, wird sich zeigen. 

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Nicole Keller 
Standort: Luzern

LN: rund 1.5 ha
Anzahl Pferde: 8

Betriebszweige: Pensionspferdehaltung.
Arbeitskräfte:  Nicole Keller (50%), Luam Abraha (50%), Sonntags: Nadja Caballero und Ursi Christen. 
Haltungsform: Gruppenhaltung in Kleingruppen

Pensionspreis: 1250 Fr./M.
Dienstleistung: Boxenpflege (Leinstroh), zweimal täglich Kraftfutter (Hafer-Gerste-Müsli), dreimal täglich Heu, einmal täglich Stroh, Allwetterpaddock, täglicher Weidegang, Benützung des Dressurvierecks, beheiztes Reiterstübli, Viedoanalysesystem, Sattelschrank, Waschmaschine.

Zusatzleistung: Beritt, Ausbildung, Wäscheservice, Parkplatz Pferdeanhänger.
SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE