8.07.2018 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Bern
19 Gitzi bei acht Geburten
Walter von Weissenfluh ist 73 Jahre alt. Er hat immer noch grosse Freude an Ziegen. Schon mehr als 60 Jahre verbringt er mit ihnen den Alpsommer auf Moosbühlen. Auf seine Samira ist er besonders stolz.

«Ich war mal ein angefressener Braunviehzüchter», erzählt der heute 73-jährige Walter von Weissenfluh. Doch vor etwa 20 Jahren haben ihn gesundheitliche Probleme gezwungen, all seine Kühe zu verkaufen. Um dieselbe Zeit haben auch alle vier Töchter geheiratet. «Sie alle heirateten einen Bauern», erzählt von Weissenfluh stolz, im Hasliberg geblieben ist aber keine. 

Lieblingsziege Samira

Mit der ältesten Tochter konnte er trotzdem eine Betriebsgemeinschaft gründen, sodass er sich bis heute nie von seinen Ziegen trennen musste. Gegenwärtig hält er 23 Milchziegen und vier Böcke der Rassen Gämsfarbige Gebirgsziege, Bündner Strahlenziege und Saanenziege. «Letztere fallen dank ihrem leuchtend weissen Fell in den Bergen besonders gut auf», erzählt Ehefrau Rösli.

Für sie ist es nun der 40. Alpsommer, den sie auf Moosbühlen oberhalb Hasliberg Reuti verbringt, sie beide fahren jedoch praktisch schon von Geburt jeden Sommer «z Bärg». Über eine seiner Ziegen freut er sich besonders, nämlich über die Gämsfarbige Samira. Es ist keine Maximum-Ziege, sondern hat bei der letzten Beurteilung sogar einen Punkt im Fundament verloren. Diesen Mangel macht sie aber mit aussergewöhnlich vielen Nachkommen wieder wett. Von Weissenfluh erzählt: «Sie hat schon 19 Gitzi zur Welt gebracht, und das bei nur acht Geburten.»

Mehrheitlich bekam sie Böckli

Nur beim ersten Abgitzeln im Januar 2010 brachte sie ein einziges Gitzi zur Welt, danach kamen zweimal Zwillinge, dann folgten von 2013 bis 2016 viermal Drillinge, und im letzten Herbst gab es noch einmal Zwillinge. Sie hat jedoch überwiegend Böckchen zur Welt gebracht, doch weil auch das Exterieur und die Leistung stimmen – ihre Lebensleistung beträgt derzeit fast 6000 Kilo Milch – liessen sich diese gut verkaufen. Weibliche Nachkommen gab es erst dreimal.

Darunter Daisy, die 2013 geboren wurde – es war das Jahr, als Samira zum ersten Mal Drillinge hatte. Von Weissenfluh erinnert sich: «Bei diesem Wurf hatte sie sogar zwei weibliche Gitzi, eines von diesen konnte ich aber schon früh verkaufen.» Über Daisy erhofft sich von Weissenfluh nun, dass er vielleicht schon im nächsten Jahr sechs Generationen beisammen haben könnte. Eine Zuchtfamilie zu stellen, kann er dagegen, vor allem aufgrund der zahlreichen Böckchen, vorerst noch nicht ins Auge fassen.

Der Bär ist da

Zwar denken er und seine Frau Rösli noch lange nicht ans aufhören. Zumal ihr Ziegenkäse gefragt ist. «Genaugenommen haben wir sogar zu wenig», meint Rösli, die Käserin. Denn zu ihren Kunden zählen nicht nur Privatkunden, sondern auch ein Dorfladen, ja sogar die Schaukäserei auf der Engstlenalp und das Freilichtmuseum Ballenberg. «Sofort aufhören würde ich aber, falls mir ein Bär meine Ziegen reisst», betont von Weissenfluh. Eine keineswegs abwegige Befürchtung, wurde doch im letzten Herbst ein Bär sogar mitten in einer Kuhherde gesichtet.

Manch andere Aufgaben hat er schon abgetreten. Zuletzt etwa sein Amt als Zuchtbuchführer der Ziegenzuchtgenossenschaft Hasliberg – gleich nachdem er vom Schweizerischen Ziegenzuchtverband (SZZV) für seine 40-jährige Tätigkeit geehrt wurde. Jahre davor amtierte er auch 15 Jahre lang als Experte für den Kanton Bern.

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