16.06.2014 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
25 Prozent der Alpen sind nicht schützbar
Als erster Kanton hat das Wallis einen Bewirtschaftungsplan für alle Schafalpen erstellt. Er bietet dort, wo Herdenschutz umgesetzt werden kann, Beratung an. Unklar bleibt, was mit Alpen geschieht, die nicht schützbar sind.

Innert der letzten zwei Jahre hat der Kanton Wallis zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) und Agridea alle 155 Schafalpen des Kantons analysiert. Mit den daraus gezogenen Schlussfolgerungen für die Bewirtschaftung der Alpen übernehme der Kanton Wallis nun eine Pionierrolle, wie Gérald Dayer, Chef der Dienststelle für Landwirtschaft stolz verkündete. Sei doch das Wallis der erste Kanton, der für die Gesamtheit seiner Schafalpen den Herdenschutz plane.

Aufgeben statt weiden

Ein Viertel aller Alpen wurden jedoch als «nicht schützbar» beurteilt. Der Schutz wäre vor allem aufgrund des schwierigen Geländes nur mit unverhältnismässigem Aufwand zu gewährleisten. Wenn Schafe in solchen nicht schützbaren Alpen durch Wölfe gerissen werden, berücksichtigt man dies zwar, wenn es darum geht, eine Abschussbewilligung zu erteilen. Allerdings sagte Daniel Mettler von der Agridea auch, dass man «Schafe auch auf einfachere Alpen und Flächen bringen kann», wogegen die schwierig schützbaren Alpen nicht mehr bewirtschaftet würden. «Alle momentan gesömmerten Schafe könnten auf schützbare Alpen aufgetrieben werden.» Gegenwärtig werden im Wallis rund 50 000 Schafe gesömmert, wobei die Tendenz abnehmend, die Verbuschung von Alpen dagegen vor allem in tieferen Lagen zunehmend ist.

Auf 15 Prozent der Alpen sind die Voraussetzungen für die Arbeit mit Herdenschutzhunden bereits erfüllt. Für die übrigen 60 Prozent erachten Gérald Dayer und Daniel Mettler Anpassungen für nötig und machbar, selbst in Gebieten die intensiv touristisch genutzt werden wie etwa um Zermatt oder im Val d’Illiez. Konflikte zwischen Wanderern und Herdenschutzhunden sind dort somit vorprogrammiert.

Empfehlungen

Das Val d’Illiez gehört zusammen mit dem Goms zu den prioritären Regionen, um Massnahmen für die Bewirtschaftung und den Herdenschutz umzusetzen. Während für das Val d’Illiez jedoch noch keine konkreten Vorstellungen existieren, sollen Bewirtschafter im Goms schriftlich und bilateral über die veröffentlichten Empfehlungen orientiert werden. Grossen Handlungsbedarf sieht man bei den Unterkünften und Löhnen. «Im Oberwallis sind Unterkünfte oft nicht vorhanden, im Unterwallis sind sie mangelhaft oder am falschen Ort», war an der Medienkonferenz in Châteauneuf VS zu hören. Vielerorts seien auch die Löhne für Hirten nicht ausreichend, um die Arbeit angemessen zu entschädigen.

Wie praxistauglich die Empfehlungen und wie zumutbar für die einzelnen Bewirtschafter insbesondere die finanziellen Folgen sein werden, wird sich nun zeigen müssen. Selbst wenn Kanton und Bafu Geld in ungenannter Höhe für «gezielte Massnahmen und die Beratung» bereit stellen, dürften die Kosten für Herdenschutzhunde, Hirten und Zaunmaterial beim Schäfer hängen bleiben. «Dafür erhalten sie ja die Sömmerungsbeiträge, die mit der AP 14–17 für nachhaltige Weidesysteme erhöht wurden.»

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