28.02.2014 08:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniela Ebinger
Milchschafe
350 Kilo Schafmilch à 3 Franken
Vor rund acht Jahren stellte Ruedi Graf von Milchkuh- auf Milchschafhaltung um. Seine Herde ist auf 120 Tiere gewachsen. Mit der Molkerei Biedermann hat er eine sichere Abnehmerin. Denn Schafmilch liegt im Trend.

Friedlich fressen einige Schafe aus der Raufe Heu. Andere liegen daneben zum Wiederkäuen im Stroh. Draussen vor dem Stall in Heiden AR stehen die wolligen Tiere und geniessen wohl die schöne Aussicht auf den Bodensee.

Vor rund acht Jahren stellte Biolandwirt Ruedi Graf von Milchkühen auf Milchschafe um. «Schafmilch liegt im Trend, und Kuhmilch hat es genug», sagt Graf. Doch die Tiere müsse man gern haben und für ihr Wesen Verständnis aufbringen. «Das Geblöke kann schon mal nervend sein.» Er weiss aber, wie er seine rund 120 Muttertiere und ihren Nachwuchs mit Futter beruhigen kann.

Schafmilch war gesucht

Bereits sein Vater führte den Hof als Biobetrieb und lieferte seine Kuhmilch an die Molkerei Biedermann nach Bischofszell TG. Vor rund zehn Jahren suchte die Molkerei nach Schafmilchproduzenten. Bei der Umstellung auf Schafmilch garantierte sie damals die Abnahme für drei Jahre mit einem Festpreis. Schafe waren für den Landwirt Ruedi Graf keine unbekannten Tiere. Auf seinem Hof hielt er bereits rund 20 Fleischschafe. Der erst vor Kurzem umgebaute Kuhstall war durch nur einige kleine Veränderungen ideal für die Mutterschafhaltung. «Wir haben grosses Vertrauen in die Molkerei, und sie motivierte uns zu diesem Entschluss», sagt der 45-Jährige. 

Gute Qualität war ihm von Anfang an wichtig. Seine Tiere sind alle im Herdebuch eingetragen. Dieses führt die Schweizerische Milchschafzucht-Genossenschaft SMG, bei der Graf im Vorstand tätig ist. Im Herdebuch wird die Milchmenge von jedem Tier festgehalten. Regelmässige Laboruntersuchungen geben Aufschluss über Fett- und Eiweissgehalt sowie Harnstoff und Zellzahl. «Diese Werte ermöglichen es, die Tiere zu selektieren und gute Schafe für die Weiterzucht zu fördern», sagt Graf. In der Schweiz sind 110 aktive Züchter mit rund 5000 Schafen der SMG angeschlossen.

Milchproduktion fürs ganze Jahr

«Der Fett- und Eiweissgehalt bei der Schafmilch ist im Gegensatz zur Kuhmilch bedeutend höher», sagt Graf. Ein Schaf gibt pro Jahr rund 350kg Milch. Dies ist im Verhältnis zur Kuh nur ein Bruchteil. Dafür bekommt der Landwirt einen Kilopreis von drei Franken. Bei Biokuhmilch liegt er je nach Region bei rund 80 Rappen pro Kilo Milch. «Mit den Jahren konnte in der Schafzucht mit grossen Bemühungen eine stetige Milchproduktion fürs ganze Jahr erreicht werden», sagt Ruedi Graf.

Schafe lammen normalerweise im Januar/Februar. Somit würde die Milchlieferung nach zehn Monaten unterbrochen. Die Molkerei Biedermann ist als Abnehmerin aber das ganze Jahr auf frische Schafmilch angewiesen. Sie beliefert mit Pastmilch und Joghurts aus Bioschafmilch nicht nur Grossverteiler wie Migros und Coop, sondern auch zahlreiche kleinere Unternehmen bis über die Landesgrenze hinaus.

Milch, Wolle, Fleisch

Ein- bis zweimal pro Jahr werden die Schafe geschoren. Die Wolle kommt zur Verarbeitung nach Amriswil zur Wollannahmestelle der Fiwo. Von den Lämmern werden die weiblichen der starken Mutterschafe für die Aufzucht verwendet. Ein Grossteil der Mastschafe verkauft Ruedi Graf an den öffentlichen Schlachtmarkt, oder die Tiere gehen in einen Mastbetrieb. Ab Hof kann der Landwirt rund 60 Lämmer im Jahr direkt an den Konsumenten verkaufen. Gerne würde er diese Zahl steigern. Doch der Markt für Lammfleisch ist eher klein.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE