Dienstag, 27. Juli 2021
05.03.2019 08:06
TVD für Schafe (3/3)

«Alle Rassen in gleichen Topf geworfen»

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Von: Interview: Kathrin Herren

Daniel Steiner ist Präsident des Oberwalliser Schwarznasenschafzuchtverbandes. Im Interview erklärt er warum er gegen die neue TVD-Regulierung bei Schafen ist und wo die Probleme liegen.

«Schweizer Bauer»: Ab 2020 treten die neuen Vorschriften bezüglich der TVD bei Schafen in Kraft. Was bedeutet dies für die Züchter der Schwarznasenschafe (SN)?
Daniel Steiner: Zusätzlicher zeitlicher und finanzieller Aufwand. Alle Schafrassen werden bezüglich Sanierungen in den gleichen Topf geworfen und nicht rassenspezifisch behandelt. 

Wie meinen Sie das?
Wieso soll eine schweizweite Moderhinkebekämpfung durchgeführt werden, wenn diese Krankheit beim SN nicht auftritt? Zudem ist die Anschaffung eines Lesegeräts für die kleinen Walliser Betriebe nicht wirtschaftlich. Die Erfassung sämtlicher Bewegungen bei kleinen Beständen oder kleinen Weiden und oft auf verschiedenen Gemeindegebieten ist eine zusätzliche Belastung, vor allem für ältere Züchter. Mit dem neuen System ist der Züchter gezwungen, jederzeit auf das TVD-Onlineportal zugreifen zu können, was einen Computer mit Internetzugang voraussetzt.

Wie beurteilen Sie die neue Regelung aus ästhetischer Sicht?
Die Doppelmarkierung mit den leuchtend gelben Ohrmarken ist ästhetisch nicht schön. Wenn die Marken auch nur wenige Gramm schwer sind, hängen die Ohren der neugeborenen Lämmer tagelang. 

Wo sehen Sie Probleme bei der Umsetzung?
Darin, die Meldefristen einhalten zu können, und in der Onlinebestellung sowie der rechtzeitigen Auslieferung von neuen Ohrmarken. Die neue Regelung tritt ab Januar 2020 in Kraft. Doch erst im November 2019 können Marken bestellt werden. Von Lieferfristen redet niemand. Ich bin überzeugt, dass Anfang 2020 viele Betriebe noch nicht im Besitz der neuen Marken sind. Als weiteres Problem sehe ich die durch die zweite Ohrmarke erhöhte Verletzungsgefahr am Zaun. Unpraktisch sind ebenfalls die verschiedenen Zangen und Einsätze. Auch die Gebühren bei Fehlermeldungen stören. Und dann bleibt noch die Frage: Wie sind die Abgangsmeldungen bei Wolfsangriffen oder sonstigen Geschehnissen auf der Alp geregelt?

Ist der zeitliche Mehraufwand  für die SN-Züchter vertretbar?
Man darf nicht vergessen, dass fast alle SN-Betriebe im Nebenerwerb geführt werden. Der Züchter geht täglich acht bis zehn Stunden seiner Arbeit nach und bewirtschaftet nebenbei einen Betrieb von zwanzig bis über hundert Schafen im Berggebiet. 

Pro korrekt angemeldetes Lamm erhalten Züchter 4.50 Franken. Was sagen Sie dazu?
Beim Rindvieh wurde bei Einführung der TVD ein Anreizsystem geschaffen, wonach für korrekt markierte Kälber nach deren Schlachtung ein «Entsorgungsbeitrag» von 25 Franken an den Geburtsbetrieb bezahlt, bei einer fehlerhaften Meldung dagegen eine Strafgebühr von 5 Franken fällig wird. Trotz gleichem Aufwand sollen für Lämmer nur 4.50 Franken bezahlt werden, die Strafgebühr liegt trotzdem bei 5 Franken.

Werden die SN-Züchter wegen der neuen Vorschriften verschwinden?
Ich glaube nicht, dass Schwarznasenschäfer nur wegen dieser neuen Vorschriften verschwinden werden. Vorstellbar ist, dass einige aufgrund der zunehmenden Bürokratie, Reglemente und Vorgaben mit der Schafzucht aufhören. Die Schäfer werden mit der aktuellen Wolfspolitik und Herdenschutzvorgaben bereits an ihre Grenzen gebracht.

Sind Sie in der TVD-Begleitgruppe aktiv an der Mitgestaltung der Umsetzung beteiligt?
Nein, wir sind nicht in der Begleitgruppe. Der Verband hat lediglich eine Stellungnahme abgegeben, in der er auf die Problematiken hingewiesen hat. Unsere Wünsche wurden nicht berücksichtigt.

Inwiefern?
Wir lehnten eine Doppelmarkierung ab. Deshalb, weil unsere Schafe alle bereits im Herdebuch registriert sind. Die Rückverfolgbarkeit der Tiere sowie die Transparenz der Verschiebungen sind mit dem jetzigen System gewährleistet. Beim Gang zum Schlachthof wird ein Begleitdokument erstellt und die geschlachteten Tiere beim Herdebuch abgemeldet. Die neue Regelung bedeutet lediglich zusätzliche Bürokratie und weniger Zeit für Betrieb und Zucht. 

Daniel Steiner

Seit 2014 ist Daniel Steiner Präsident des SN-Schafzuchtverbandes. Nebst seiner Anstellung als Schichtmitarbeiter in einem QC-Labor der Lonza AG in Visp bewirtschaftet er mit seinem Bruder einen 9-Hektaren-Betrieb, Zone 1–4. Der Hof zählt elf GVE, wovon SN-Schafe und  Schwarzhalsziegen sind. 

Die Schäferei ist Steiners Leidenschaft. Mit zwölf Jahren kaufte er sein erstes SN-Schaf und trat der Genossenschaft bei, in der er seit 20 Jahren Zuchtbuchführer ist. Er setzt sich dafür ein, dass Traditionen weitergegeben, Probleme der Züchter (u.a. Grossraubtiere) aufgezeigt werden und dass der Erhalt der Nebenerwerbsbetriebe im Berggebiet gefördert wird. khe

Hier geht es zum 1. Teil der Serie

Hier geht es zum 2. Teil der Serie

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