26.08.2019 10:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert
Thurgau
«Allmend gehört selten ganz uns»
Vor einem Jahr haben Lisa Beutler und Markus Bösch die Pacht der Frauenfelder Allmend übernommen. Doch das Pachtland ist nicht nur für ihre Tier bestimmt, oft finden auch Veranstaltungen darauf statt.

Der Tag von Markus Bösch (34) und seiner Frau Lisa Beutler (32) hat früh angefangen. Um vier Uhr haben die beiden 40 Lämmer in den Transporter geladen und sind mit ihnen nach Hinwil ins Schlachthaus gefahren.

15 Rinder und 550 Schafe

«Auch wenn ich weiss, dass wir die Lämmer, die jeweils rund sechs Monate bei uns sind, für die Metzgerei produzieren, schmerzt es mich doch immer, sie herzugeben», sagt Lisa Beutler. Sie sitzt in der «Pausenküche» neben dem Ökonomiegebäude, mitten auf dem Waffenplatz. Dieser weist eine Grösse von 205 ha auf. Dass in dieser Nacht erstmals eines ihrer 15 Schottischen Hochlandrinder ein Junges geboren hat, erzählt sie erst, als sie das Kälblein auf der Wiese erspäht, wie es seiner Mutter noch etwas tapsig nachtrippelt.

Die extensive Rasse passe als Ergänzung zu den 550 Schafen sehr gut auf die Allmend, sagt Agronom Markus Bösch, der auf einem Milchwirtschaftsbetrieb in Wattwil gross geworden ist und sich in die Schafhaltung erst noch einarbeiten musste. Er freut sich, dass er die zahme Herde mit sieben Mutterkühen vom Vorpächter habe übernehmen können. Diese Tiere sollen helfen, auf den Flächen, die nicht gemäht werden, Neophyten zu bekämpfen und der Verbuschung entgegenzuwirken. Der Betrieb befindet sich ab diesem Jahr in der Umstellungsphase und wird 2021 die Anerkennung als Biobetrieb erhalten.

Vater hilft mit

Lisa Beutler ist mit Schafen aufgewachsen. Ihr Vater zog 39 Jahre lang jeden Winter ein paar Monate mit ein paar Hundert Schafen durch Regionen im Kanton Zürich. In den vergangenen Jahren war sie in Schwellbrunn bei ihm angestellt und betreute die Schafe im Zwischenquartier, bevor der Vater mit ihnen auf die Alp Sovrana im bündnerischen Val Madris wechselt. Ob sie ebenso fasziniert wäre von Schafen, wenn sie nicht mit einem Schafhirten-Vater aufgewachsen wäre, weiss Lisa Beutler nicht. Aber geblieben ist die Begeisterung auch während dem Agronomie-Studium, wo sie ihren Mann Markus Bösch kennenlernte. 

Beide haben nach dem Studium im Bereich Landwirtschaft gearbeitet, er als Fütterungsberater für Milchvieh- und Schweinehalter, sie vor der heimischen Schäferei in Schwellbrunn beim Land- und Forstwirtschaftsdepartement des Kantons Appenzell Innerrhoden. Die beiden sind gleichberechtigte Pächter und sind daran, ihre Rollenverteilung noch zu optimieren. «Wir verschwenden manchmal zu viel Zeit mit diskutieren», sagt die Bäuerin.

Richtiger Entscheid

Auf der Suche nach einem eigenen Hof hat das Paar, das vor zwei Jahren heiratete, einige Betriebe angeschaut. Weil sie den vorherigen Pächter der Allmend kennen, wurden sie  auf den Betrieb aufmerksam und konnten diesen vor einem Jahr übernehmen. Sie sind sich einig: «Hierher zu kommen, war der beste Entscheid.» 

Auch Lisas Vater hat mit dem Entschluss seiner Tochter und seines Schwiegersohns einen neuen Weg gewählt und liess sich  als Schafhirte anstellen. Dass sie gleich zu Beginn der Pacht seine gesamte Herde übernehmen konnten, habe den Anfang viel einfacher gemacht.

145 Hektaren Nutzfläche

Die Sommermonate verbringt Vater Rolf Beutler mit einem Teil der Schafe auf der Bündner Alp Sovrana. Lisa Beutler und Markus Bösch haben dennoch  während dieser Zeit auch mit weniger Schafen viel Arbeit. Neben dem Heuen, erlebten sie hautnah, wie oft gewisse Flächen ihres Pachtlandes durch Veranstaltungen beansprucht wurden.

Ob Openair, Autorennen, Ausstellung der Freunde alter Landmaschinen, Tour de Suisse oder Veranstaltungen der ansässigen Vereine oder Übungen durch das Militär auf dem Pachtbetrieb mit 145 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dazu gehöre auch das Zusammenwirken aller Beteiligten, die auf der Allmend mitreden. Das zeitliche Management, dass immer am richten Tag das richtige Stück Land zur Verfügung steht, sei eine Herausforderung.

Hitze machte zu schaffen

Der heisse Sommer habe es ihnen leicht gemacht, zügig zu heuen, hingegen sei die Hitze für die Schafe ein Stressfaktor gewesen und sie mussten daher fast täglich zu Schattenplätzen und dann wieder zurück auf die Weide gezügelt werden. 

Auf die Frage der Arbeitsbelastung erzählen sie als erstes von zwei Ferienwochen, die sie dank der Unterstützung ihrer Väter geniessen konnten. Sie  würden beide mehr als 100 Prozent arbeiten und wenn man Tiere habe, gebe es kaum ein freies Wochenende. Zumindest während der 100 Tage, an denen  Lisas Vater auf der Alp sei.

Doch können sie während dessen Abwesenheit auf die Unterstützung vom Vater von Markus zählen. Sie seien auf dem Weg, ihren Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, sagen die beiden, stellen die Kaffeetassen zusammen und machen sich auf den Weg – zum neugeborenen Kälblein und zu ihren Schafen.  

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE