21.06.2016 13:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Thurgau
Botulismus: 200 Schafe verendet
Auf dem Bauernhof von Urs Maier im thurgauischen Iselisberg sind über 200 Schafe an Botulismus verendet. Der Grund soll ein Tierkadaver sein, der ins Futter gelangt war. Es ist bereits der zweite Fall im Kanton Thurgau innert kurzer Zeit.

Im April starben auf einem Hof in Gachnang über 60 Kühe, weil sie vergiftetes Futter gefressen hatten, wie das Thurgauer Veterinäramt am Dienstag mitteilte.

"Hochgradiger Verdacht auf Botulismus"

Weil die Todesursache der Schafe zu Beginn unklar war und eine Seuche nicht ausgeschlossen werden konnte, informierte der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt und das Tierspital Zürich. In seinem vorläufigen Bericht kommt das Tierspital zu folgendem Schluss: «Aufgrund der Untersuchungen kann eine infektiöse Erkrankung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die Befunde sprechen mit grösster Wahrscheinlichkeit für eine Vergiftung. Es besteht hochgradiger Verdacht auf Botulismus.» Botulinumtoxin führt schon in geringsten Mengen zum Tod der Tiere.

Bei Schafen sei Botulismus in der Schweiz bisher kaum diagnostiziert worden, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Grund für die Vergiftung ist meist ein Tierkadaver, der in das Futter gelangt und das Gift dort entwickelt. Durch die Mischung des Futters wird das Gift dann verteilt, daher sind viele Tiere betroffen

Schafe gegen Botulismus impfen

Urs Maier in Iselisberg TG führt gemäss Angaben des Kantons Thurgau den grössten Milchschafbetrieb der Schweiz. Dort leben rund 700 Schafe. Laut Kantonstierarzt Paul Witzig handelt es sich um einen Unfall, der trotz grösster Sorgfalt in der Futtergewinnung vorkommen und bei den heutigen Betriebsgrössen und der damit verbundenen Technisierung derartige Ausmasse annehmen konnte.

Die Krankheit kann nicht vom Tier auf den Mensch übertragen werden. Der Tierhalter bringt aber ab sofort keine Milch von seinen Schafen mehr auf den Markt. Weil es sich bei Botulismus nicht um eine Seuche handelt, trägt die öffentliche Hand gemäss heutiger Gesetzgebung nichts zum finanziellen Schaden bei. Für den betroffenen Tierhalter sei klar, dass er seine Tiere künftig gegen Botulismus impfen wird, hält das Veterinäramt fest.

Botulismustoxin

Das Botulismustoxin wird von Clostridien gebildet. Diese Bakterien kommen in der Umwelt überall vor, im Boden, aber auch in Mäusen, Hunden oder Katzen. Sie wachsen aber nur, wenn kein Sauerstoff in der Umgebung vorhanden ist – zum Beispiel in der Silage. Bei Temperaturen über 18 Grad bilden sie ein Stoffwechselprodukt, das Toxin. Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe können an Botulismus sterben – und auch der Mensch. Die Gefahr lauert in geblähten Konservendosen. Das Toxin dockt an der Schnittstelle zwischen zwei Nerven an und blockiert diese. Es findet keine Reizübertragung mehr statt. Das führt zu einer schlaffen Lähmung.

Bei weniger stark vergifteten Tieren kann man versuchen, mit Infusionen die Giftstoffe auszuspülen. Seit etwa fünf Jahren ist zudem eine Impfung gegen Botulismus zugelassen. sum

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