Mittwoch, 30. November 2022
20.03.2022 06:00
Luzern

Daheim bei einem Wanderschäfer

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Von: bki

Ernst Vogel zieht mit seinen 930 Schafen im Winter über die Wiesen und Felder Luzerns. Im Sommer gehen die Tiere auf die Alp.

Kürzlich sind Vierlinge zur Welt gekommen. Noch wacklig stehen die kleinen, schwarz-weissen Lämmer auf ihren langen Beinen im Stallabteil, während die Mutter sie ableckt. Im Gehege dahinter befindet sich ein Grossteil der Schafherde von Ernst Vogel, dem Wanderschäfer aus Schwarzenberg LU.

Vor einer Woche ist Vogel mit seinen rund 930 Schafen, den zwei Hunden und den zwei Eseln von der Winterweide nach Hause zurückgekehrt. Davor zogen sie knapp drei Monate lang durchs Luzerner Mittelland. In dieser Zeit wurde Vogel immer wieder von Menschen begleitet, die einen Tag lang Hirtenluft schnuppern wollten. Dabei sei eines zentral, so der Landwirt, der seit 21 Jahren jeden Winter mit seinen Schafen unterwegs ist: «gefütterte Schuhe.»

Fast immer auf der Weide

Die Schafherde besteht aus rund 600 Auen verschiedenster Rassen. Nebst den Auen sind die Herbst-Lämmer und ab jetzt auch die neugeborenen, kleinen Lämmer Teil der Herde. Entgegen den Erwartungen veranstalten die Schafe kein ohrenbetäubendes Blök-Konzert im Stall. Nur zwischendurch hört man einzelne Tiere, die anderen fressen Heu aus den Raufen oder sind eben mit ihren Jungtieren beschäftigt.


Nur während der kurzen Zeit nach der Winterweide, wenn die Tiere im Stall sind, gibts Heu und Silage. Ansonsten fressen die Schafe frisches Gras. Und natürlich Salz und Mineralfutter. Im Frühling grasen die Tiere auf den Grünflächen rund um den Betrieb von Ernst Vogel, den er zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet.

Im Sommer gehts dann auf eine Genossenschaftsalp in Andermatt UR und vor Weihnachten auf die Winterweide. Im Wohnwagen haust Vogel während dieser Zeit nicht. «Ich bin ein moderner Schäfer und gehe am Abend nach Hause», erzählt er und lacht. Pro Tag müssten die Schafe rund acht Stunden fressen, nur so würden sie eine optimale Tageszunahme erreichen, erklärt er: «Wir sind zwar eine Wanderherde, doch wir wandern nicht mit den Schafen, wir weiden.»


Seine Tiere vermarktet Vogel über die Regio-Marke «Zentralschweizer Lamm». «Pro Jahr verkaufen wir zwischen 4500 bis 5000 Lämmer», sagt er. Da die Tiere fast ausschliesslich geweidet werden, dauert es sechs bis zehn Monate bis sie schlachtreif sind und zwischen 16 und 22 Kilo wiegen.

Zwei Tonnen Wolle

Zurück von der Winterweide haben Vogels alle Schafe geschoren. Dafür brauchts viele helfende Hände. Acht Personen seien am Scheren gewesen, andere hätten die Schafe gebracht und wieder andere die Wolle sortiert, erzählt der Landwirt. Das Ergebnis waren rund zwei Tonnen Wolle, die Vogel an die Spycher-Handwerk AG in Huttwil LU verkauft hat. Um die Kosten für die Schur zu decken, reicht der Verkauf der Wolle aber nicht.

Vierlinge: Dieses Lamm hat noch drei Geschwister.
Bettina Kiender


Zurück zu den Vierlingen: Diese staksen schon etwas sicherer auf ihrem Strohbett herum, das Mutterschaf frisst soeben die Nachgeburt. Vierlinge sind laut Vogel zu viel. Er bevorzuge Zwillinge, oder bei jungen Mutterschafen auch nur ein Lamm – und davon werden bei Vogels in den nächsten Tagen und Wochen noch zig auf die Welt kommen.

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