31.10.2018 10:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Verbände
Der Baum brennt: Krisensitzung
Der Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbandes (SSZV) trifft sich am Freitag zu einer ausserordentlichen Vorstandssitzung. Dabei geht es auch um die Zukunft des Präsidenten Alwin Meichtry.

Der Schweizerische Schafzuchtverband (SSZV) kommt nicht zur Ruhe. Nun trifft sich der Vorstand des SSZV am Freitag zu einer ausserordentlichen Sitzung, zu einer eigentlichen Krisensitzung. Dazu beigetragen hat eine Kündigung auf der Geschäftsstelle des SSZV, mit welcher viel Wissen verloren gehen wird. 

Vizepräsident hat Sitzung einberufen 

Vizepräsident Thomas Eugster aus Kemptthal tritt kursierenden Gerüchten entgegen, er sei zurückgetreten. Auf Anfrage des «Schweizer Bauer» teilte er am Mittwochabend mit: «Ich bin bis zur nächsten Delegiertenversammlung im Februar 2019 Vizepräsident. An der kommenden Delegiertenversammlung geht meine laufende Amtsdauer im Vorstand zu Ende und ich stehe zur Wiederwahl. Seit ich gewählt wurde, habe ich an jeder Vorstandssitzung teilgenommen.» Und dann folgt noch ein wichtiger Satz: «Und die Sitzung am kommenden Freitag (03.11.2018) habe ich persönlich einberufen.» 

Die Initiative für die ausserordentliche Vorstandssitzung ist also nicht von Präsident Alwin Meichtry ausgegangen, sondern vom Vizepräsidenten. Dem Vernehmen nach wird an der Vorstandssitzung auch Präsident Alwin Meichtry ein Thema sein, seine Zukunft in diesem Amt wird infrage gestellt. Meichtry sagte dem «Schweizer Bauer» am Mittwochmorgen am Telefon, er gebe keine Auskunft über interne Vorgänge im Verband.

Zwar wurde der Walliser Alwin Meichtry im Februar 2018 von der Delegiertenversammlung in Brig VS mit 256 zu 187 Stimmen wiedergewählt, nachdem mehrere Vorstandsmitglieder seine Abwahl gefordert hatten. Doch in der Folge verliessen auch die Vorstandsmitglieder Beat Würsch und René Marquart den SSZV-Vorstand, das gewählte Mitglied Caterina Lamoni Grogg wurde aus dem Vorstand ausgeschlossen und enthält seither keine Informationen mehr über die Beschlüsse des Vorstandes.

Rüfenacht will sich nicht äussern

Ambitionen nachgesagt für die Nachfolge von Meichtry werden Rolf Rüfenacht, dem Präsidenten des Berner Schafzuchtverbandes. Bei den Berner Schafzüchtern ist er aber nicht unumstritten. Rüfenacht wollte sich am Mittwochmittag gegenüber dem «Schweizer Bauer» nicht äussern. German Schmutz, der Vorgänger von Meichtry im Präsidentenamt, hatte an der Delegiertenversammlung im Februar in Brig, seinen Vorgänger, Beppino Beffa, als interimistischen Präsidenten vorgeschlagen. 

Vorstand will 12 Franken, Präsident gibt 4.50 Franken ein

Im September machte der «Schweizer Bauer» publik, dass Alwin Meichtry gegen das ehemalige Vorstandsmitglied Werner Wicki sowie gegen Caterina Lamoni Grogg Anzeige wegen Ehrverletzung und Verleumdung eingereicht hat. Es ging dabei um Aussagen an der turbulenten Delegiertenversammlung im Februar 2018. Die beiden wurden von der Polizei einvernommen.

Dann wurde Kritik laut, dass Präsident Alwin Meichtry im September 2017 gegenüber dem Bundesamt für Landwirtschaft in Eigenregie einen Entsorgungsbeitrag von nur 4.50 Franken gefordert haben soll.  Dies nachdem der Vorstand etwa zwei Wochen vorher beschlossen hatte, dass ein Entsorgungbeitrag von 12 Franken gefordert werden soll. Meichtry sagte dem «Schweizer Bauer», er habe der Geschäftsstelle, die von Esther Zimmermann geführt wird, die Anweisung gegeben, die Meinung der Vorstandsmitglieder telefonisch einzuholen.

Ziegenzuchtverband vor den Kopf gestossen 

Doch die damaligen Vorstandsmitglieder Beat Würsch, Caterina Lamoni Grogg und Ambros Zurfluh erklärten gegenüber dem «Schweizer Bauer» allesamt, dass sie kein entsprechendes Telefonat erhalten hätten, und der «Schweizer Bauer» durfte sie entsprechend zitieren. Meichtry verteidigte gegenüber dem «Schweizer Bauer» sein Vorgehen, er betonte, er halte sich an die Statuten.

Die Eingabe von nur 4.50 Franken stiess auch den Schweizer Ziegenzuchtverband vor den Kopf, der 6 Franken eingab und dachte, so würde es auch der Schafzuchtverband machen. Auch deshalb hat Ziegenzuchtverbandsgeschäftsführerin Ursula Herren an der DV in Brig VS in einem bemerkenswerten Votum zwischen den Zeilen zur Abwahl von Meichtry aufgefordert.

"Nicht immer die hohle Hand machen"

Nun hat das BLW tatsächlich nur 4.50 Franken Entsorgungsbeitrag beschlossen. Der Ziegenzuchtverband und mehrere Schafzuchtorganisationen versuchen gegenüber dem BLW zu retten, was noch zu retten ist. Sie beantragten im September erneut 6 Franken. Doch der Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbandes hat am 10. Juli 2018 entschieden, die Forderung nach 6 Franken nicht mitzutragen.

Meichtry gibt sich mit 4.50 Franken zufrieden. Man dürfe gegenüber dem Staat auch nicht immer die hohle Hand machen, sagte er. Für ein Kalb gibt es allerdings einen Entsorgungsbeitrag von 25 Franken. Jede einzelne Schafhalterin und jeder einzelne Schafhalter wird ab 2020, wenn die TVD-Pflicht kommt, ganz konkret im Portemonnaie spüren, wie hoch der Entsorgungsbeitrag ist. 

Wer sitzt noch im Vorstand? 

Laut der Homepage des SSZV sind im Vorstand aktuell nur noch 9 Personen tätig (früher waren es immer mehr): 

-Alwin Meichtry, Leuk Stadt VS, Präsident
-Thomas Eugster, Kemptthal ZH, Vizepräsident
-Hans-Ueli Baumgartner, Dintikon AG 
-Bernardo Brunold, Churwalden GR 
-Hermann Imhof, Grafenried BE 
-Bendicht Lenz, Signau BE 
-Lionel Pasche, Martherenges VD
-Dominique Pasquier, Courtepin FR 
-Rolf Rüfenacht, Graben BE  

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE