8.08.2014 11:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Freiburg
Die leuchtenden Ziegen
Mithilfe von Ziegen sollen die Greyerzer einst einen Sieg über die Berner errungen haben. In Erinnerung an die Legende standen die Ziegen speziell im Mittelpunkt – mit einem leuchtenden Höhepunkt am Abend.

Es muss etwa im 14. Jahrhundert gewesen sein. Greyerzer und Berner bekämpften einander in einer langen Schlacht, die bis in den Abend dauerte. Die Frauen befanden sich derweil zusammen mit dem Vieh innerhalb der Stadtmauern in Sicherheit. Diese kamen jedoch auf eine Idee. Zwischen den Hörnern der Ziegen befestigten sie Fackeln und hetzten sie dem gegnerischen Heer entgegen.

Den Greyerzern müsse ein Heer aus der Hölle zu Hilfe geeilt sein, dachten sich darauf die Berner und ergriffen die Flucht. In Erinnerung an jene Schlacht am Moléson wurde im historischen Greyerz zum diesjährigen Nationalfeiertag eine kleine Statue enthüllt, die eine junge Frau mit zwei Ziegen und Fackeln zwischen den Hörnern darstellt.

Ziegen im Mittelpunkt

«Ob es sich bei dieser Geschichte um eine reine Legende oder um eine Tatsache handelt, weiss heute niemand mehr», erklärt jedoch Anne Grandgirard, Verantwortliche des Tourismusbüros von Greyerz. Trotzdem lässt sich auch aus einer Legende ein etwas besonderer 1. August machen. So organisierte sie zusammen mit Benoît Deillon, Tierarzt und Züchter von Burenziegen und der seltenen Rasse Capra Grigia, eine Präsentation aller in der Schweiz gezüchteten Ziegenrassen.

Auch Deillon weiss über die Bedeutung der Ziegen in Greyerz einiges zu berichten. So erklärt er: «Wo sich heute Boutiquen und Souvenirshops befinden, waren im Mittelalter noch Ziegenställe.» Und so wie man früher von der Milch und dem Fleisch der Ziegen lebte, so konnte man auch in den Restaurants von Greyerz Raclette oder Fondue aus Ziegenkäse oder währschafte Gerichte mit Ziegen- und Gitzifleisch geniessen.

Umzug mit Fackeln

Höhepunkt war schliesslich ein Umzug mit rund 80 Stiefelgeissen durch das Städtchen. Dieser fand jedoch erst um 22 Uhr, nach Einbruch der Dunkelheit statt. Von der Kirchstrasse aus ging es zunächst zum unteren Stadttor hinaus und von dort wieder zurück, noch einmal durch die Stadt, nach oben zum Schloss.

«Statt jedoch echte Fackeln zwischen den Hörnern der Ziegen zu befestigen», so Deillon, «haben wir batteriebetriebene Leuchten aus Plexiglas gemacht, die wie Fackeln aussehen.» Dies, um am Nationalfeiertag nicht noch in Konflikt mit dem Tierschutz zu kommen.

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