27.03.2018 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Verbände
«Die Ziege ist keine kleine Kuh»
Vom Förster über den Viehhändler zum Berater am Plantahof und zum Präsidenten des Ziegenzuchtverbandes. Stefan Geissmanns Werdegang ist speziell. Immer konnte er aber seine Fähigkeiten nutzen.

Der Weg von Stefan Geissmann zum frisch gewählten Präsidenten des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes (SZZV) verlief nicht gradlinig. «Ich bin kein Bauernsohn», erzählt der 1975 in Graubünden geborene Geissmann, «trotzdem habe ich meine Jugendzeit auf den Landwirtschaftsbetrieben der Schulfreunde verbracht.»

Gitzi vermarkten

Da er nicht die Aussicht hatte, einen Hof zu übernehmen, lernte Geissmann Forstwart und wurde anschliessend Förster. Von der Arbeit im Wald wechselte er später als Viehwirtschafter zur GraubündenVieh AG. «Zehn Jahre blieb ich dabei und kam in dieser Zeit auch mit der Vermarktung und der Abrechnung von Gitzis in Kontakt», erinnert sich Geissmann.

Aufgrund einer Studie des Kantons beschloss der Plantahof zu dieser Zeit, auf dem ihm angeschlossenen Betrieb Waldhaus in Chur Schafe und Ziegen zu halten. Die Stelle als kantonaler Berater für Kleinwiederkäuer wurde ausgeschrieben. Im Stellenprofil wurde auch der Aufbau der Schaf- und Ziegenherde erwähnt. Diesbezüglich hatte Geissmann gute Beziehungen – mit ein Grund, dass er die Stelle bekam. «Ich hatte mir ein gutes Umfeld aufgebaut, der Job hat gestimmt. Ich musste mir überlegen, ob ich alles so belassen oder einen Schritt weitergehen will», erzählt er.

Beziehungen zur Basis

Durch seine Ämter als Geschäftsführer des Bündner Ziegenzuchtverbandes und als Vorstandsmitglied im SZZV wie auch durch die Beratertätigkeit konnte Stefan Geissmann gute Beziehungen zur Basis aufbauen – und er machte sich in der Ziegenszene einen Namen. Wohl deshalb kam man auf ihn zu, als sein Vorgänger als SZZV-Präsident, Andreas Michel, nicht mehr  für eine weitere Amtszeit kandidieren wollte.

«Obschon auch er ein Bündner ist, gab es keine  Kandidaten aus anderen Kantonen», wundert sich Geissmann, «der Vize wollte das Amt nicht übernehmen. Da blieb nur noch ich – wobei mich die Wahl natürlich freut.» Obwohl er kein Bauernsohn ist und keinen Hof hat, ist Geissmann beruflich wie privat eng mit den Ziegen verbunden. Im Waldhaus  sind 58 Fressplätze für Ziegen eingerichtet, und es werden je 60 Milch- und 60 Mutterschafe gehalten.

Melken wäre reizvoll

Privat züchtet Geissmann Pfauen- und Bündner Strahlenziegen: «16 Stück habe ich bei einem Bauern eingestallt. Wobei ich die Tiere morgens und abends, sieben Tage in der Woche, selber betreue, füttere und mich um alles kümmere.» Zur Rassenwahl meint er: «Für verschiedene Publikumsmessen habe ich immer Ziegen gesucht. Da waren in der Regel Bündner Rassen bevorzugt, daher habe ich diese beiden im Stall.» Derzeit lässt Geissmann die Gitzi saugen, doch auch das Melken würde ihn reizen. 

Trotz Wahl zum Präsidenten des SZZVwill Geissmann bei seinen Ziegen nicht zurückstecken: «Sie sind mein Ausgleich. Ohne sie fehlt etwas Wichtiges. Erholung ist, mit der Familie und Ziegen während dem Sommer im Maiensäss zu sein.» Bedenken, dass das nicht mehr möglich sein könnte, hat er nicht: «Der Verband steht finanziell und personell gut da. Da kann ich auf einer guten Vorarbeit aufbauen.»

Ziegen weiden anders


Was ihn stört, ist die Behandlung der Ziege bei den Vorschriften: «Die Ziege ist keine kleine Kuh. Zuerst werden Richtlinien für die Kühe erarbeitet. Und dann bricht man die Vorschriften ohne Nachforschungen herunter, damit sollen sie für die Ziegen passen, was aber bei Weideverhalten oder  Milchqualität erwiesenermassen nicht stimmt.» Auch sei die Ziege längst nicht mehr  die Kuh des armen Mannes. «Wir müssen den modernen, aufgeschlossenen Ziegenhaltern eine Stimme geben und die Professionalisierung vorantreiben.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE