21.09.2016 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Drei Franken für ein Kilo Milch
Seit 5 Jahren melken Nyfelers in Ursenbach BE neben Kühen auch Milchschafe. Der Milchpreis ist lukrativ, aber die Verarbeiter und der Absatz müssen sorgfältig bearbeitet werden. Dies haben die beiden erfahren.

Ein Familienprojekt sei es, das mit den Milchschafen. Jedes der vier Kinder besitzt eigene Schafe und legt in der Freizeit auch praktisch Hand an. «Daneben bin ich leidenschaftlicher Viehzüchter», gibt Res Nyfeler ohne Umschweife zu. Ja, im Stall stehen immer noch 11 Red-Holstein-Kühe und ein paar Aufzuchttiere. Auf diese ganz verzichten, daran mag er nicht denken.

Alternativen suchen

«Bei einem 10-Hektaren-Betrieb ist halt das Futter limitierend», gibt Nyfeler zu verstehen. Aber er und seine Frau Anita seien immer wieder darauf bedacht, auch mal etwas auszuprobieren, das nicht jeder mache. So hätten sie einen Artikel über Milchschafe gelesen und sich daraufhin über die bisher wenig vertrauten Tiere informiert.

«Ja, und dann sind wir ins Luzernische gefahren und haben die ersten Ostfriesen-Milchschafe gekauft.» Das war vor fünf Jahren. Inzwischen ist die Herde auf über 40 Tiere angewachsen. Mit dem pensionierten Tierarzt Markus Staub aus Madiswil fand er einen Berufskollegen, der die gleichen Ideen mitverfolgt. Sie arbeiten eng zusammen. So ist im Sommer der Grossteil beider Herden auf der Weide, «quasi auf der Alp» und wird im Gea-Melkstand draussen gemolken.

Eigenen Melkstand entwickelt

Zuhause in Ursenbach haben Nyfelers einen einfachen Melkstand aus Holz entwickelt und melken in Standeimer. Die Milch wird bis 500 Kilo eingefroren. Sie wird in der Dorfchäsi Hofer, Aarwangen, zu Joghurt, Quark, Camembert und in der Käserei Fankhauser im Rinderbach zu Mutschli verarbeitet.

Dies bis auf Abruf. «Dann lohnt sich die Charge für den Käser», so der Landwirt. Der Milchpreis ist indes interessant. Anders als bei der Kuhmilch, wo die Preise nur noch nach unten gehen, erhält Nyfeler für die Schafmilch 2.80 bis 3 Franken pro kg, das ganze Jahr.

Milchschafe

In der Schweizerischen Milchschafgenossenschaft sind rund 6000 Tiere der Rassen Lacaune und Ostfriesisches Milchschaf registriert. Bei rund einem Drittel wird die Milchleistung und das Exterieur erfasst. Ein Milchschaf gibt pro Laktation zwischen 500 und 700 kg Milch. Diese ist sehr gehaltreich: 7,4% Fett und 5,5% Eiweiss sowie 350 mg/l Orotsäure (Vitamin B13). Schafmilch ist in der Konsistenz rahmiger und hat ein feines Mandelaroma ohne Eigengeschmack wie bei den Ziegen. ral    www.smg-milchschafe.ch

Käser und Absatz finden

Alles gut und recht. Aber von alleine läuft das Geschäft nicht. «Du musst zuerst den Käser finden, der deine Milch verarbeiten will. Und du musst dir überlegen, wo du die Produkte verkaufen willst», rät Nyfeler. Das habe er erfahren, «denn der Absatz wächst nicht automatisch. Viele Kunden muss man fast dazu zwingen, die Schafmilchprodukte zu probieren.» Denn das Vorurteil sei da, dass Schafmilch wie bei den Ziegen nicht geschmacksneutral sei. Dem ist aber nicht so.

Der bescheidene Hofladen trägt nur wenig zum Absatz bei. Einträglicher sind drei Marktfahrer und die Klostermetzgerei Haas in St. Urban, die die Schafmilchprodukte im Sortiment führen. Der Hof macht bei der Regionalvermarktung Rottaler Auslese mit. Eine Plattform für Kunden, die darauf ansprechen mit deutlichem Potenzial, wie Anita Nyfeler betont. Das komme besonders am Rottaler Erntefest zum Ausdruck, das heuer am 15. Oktober in Altbüron stattfindet.

Schafe geben viel Arbeit

Das Fleisch spielt eine eher untergeordnete Rolle. Es ist aber sehr schmackhaft, da es wenig intramuskuläres Fett hat. Pro Jahr werden etwa 14 Lämmer zur Remontierung benötigt. Der Rest der Herde wird mit einem Texel-Bock gedeckt. Nach fünf Tagen werden die Lämmer abgesetzt und mit Kuhmilch am Nuggi weitergetränkt. «Schafe sind diesbezüglich nicht so heikel, wichtig ist aber, dass sie Biestmilch erhalten», weiss Nyfeler.

Besonders beachten müsse man die Klauenqualität, da Milchschafe etwas empfindlicher reagieren als Fleischschafe. Schafe geben jedoch nicht weniger Arbeit. Besonders das Ablammen sei eine intensive Zeit, wo die ganze Familie eingespannt sei. Schön wäre es, die Saisonalität brechen zu können, um das ganze Jahr genügend Milch zu haben. «Dazu müsste man den Stall abdunkeln, um kürzere Tage vorzutäuschen, um die Brunst auszulösen.» Bereut hat die Familie den Entscheid, Schafe zu halten, definitiv nicht.

Schaftag vom 8.Okt. von 13.00 bis 19.00 bei der ehemaligen Landi beim Bahnhof in Madiswil: einfache Festwirtschaft, Degustation von Schafprodukten und Besichtigung Sommermelkbetrieb im Wyssbach.

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