27.12.2018 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch -
Einlinge sind blau, Zwillinge rot
Mittels Ultraschall kann der Franzose Jean-François Beaumont erkennen, welche Mutterschafe Einlinge, Zwillinge oder gar Drillinge in sich tragen. Er schätzt sogar ihr Alter auf vier bis fünf Tage genau.

Beim Besuch einer Texelschaf-Ausstellung in Frankreich beobachtete Christian Kummer, Landwirt mit Mutterkühen und Schafen aus Bitsch VS, wie trächtige Mutterschafe per Ultraschall auf ihre Fruchtbarkeit geprüft wurden.

Das interessierte ihn, und so organisierte er kurzerhand und in Zusammenarbeit mit dem Oberwalliser Landwirtschaftszentrum in Visp eine  zweitägige Reise des Franzosen Jean-François Beaumont aus Châlons-en-Champagne ins Wallis. 

Über 500 Tiere am Tag

«Ich überprüfe pro Jahr etwa 50000 Schafe, 50000 Ziegen und 18000 Kühe auf ihre Fruchtbarkeit», erklärt Beaumont. Pro Tag manchmal mehr als 500 Tiere. Im Wallis waren es am letzten Freitag und Samstag nur etwa 200 Tiere – es war allerdings auch das erste Mal, dass Beaumont in die Schweiz gereist ist – quasi ein Probelauf.

Mit dem Ultraschall-Gerät konnte Beaumont in wenigen Augenblicken nicht nur erkennen, ob ein Mutterschaf trächtig ist oder nicht, sondern auch wie viele Föten sich im Bauch befinden und wie alt diese schon sind. Die Fehlerquote liege bei etwa einem bis zwei Prozent, betont Beaumont, das Alter der Föten schätzt er auf vier bis fünf Tage genau.

«Fehler schleichen sich ein, wenn die Embryos schon zu gross sind, bei Schafen über 100 Tage alt, Da kann  sich ein zweiter Fötus hinter einem anderen verstecken, so dass man ihn im Ultraschall nicht sieht», erklärt Beaumont. Sind die Embryos dagegen noch keine 30 Tage alt wären sie zu klein. 

Mit Farbe markiert

Damit der Bauer nach dem Ultraschalltest aber noch weiss, welche Mutterschafe Einlinge, Zwillinge oder gar Drillinge in sich tragen, markiert Beaumont diese mit verschiedenen Farben. Blau markierte Schafe tragen Einlinge, rot markierte Zwillinge in sich.

Mutterschafe mit Drillingen bekommen gar mit beiden Farben eine Markierung. Grün markiert hat Beaumont Mutterschafe, welche gar nicht tragend sind. Von den 45 Mutterschafen, die Christian Kummer untersuchen liess, waren vier  leer. Eines von diesen will Kummer definitiv zum Metzger bringen, bei den anderen hat er sich nicht gleich entschieden, ob er sie noch einmal zum Bock zulassen möchte. 

Augenmerk auf Drillinge

Kummer war auch vor allem daran interessiert, welche Tiere Einlinge oder Zwillinge in sich tragen. «Enorm wichtig ist mir das vor allem bei den Texelschafen, die wegen ihrem kurzen Hals, dem grossen Kopf und der Bemuskelung erfahrungsgemäss eher schwer ablammen», erklärt er. Da er nun weiss, was die Schafe in sich tragen, kann er sie einige Zeit vor der Ablammung trennen, um den unterschiedlichen Umständen gemäss zu füttern. 

So sollen Schafe mit Einlingen nur Heu bekommen, solche mit Zwillingen dagegen auch Emd und bis zu 200 Gramm Kraftfutter. Mehr Heu könne er nicht geben, weil die grösser werdenden Föten auf den Pansen drücken. Er wird auch wissen, auf welche Mutterschafe, nämlich jene die Drillinge erwarten, er ein besonderes Augenmerk richten muss. 

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