8.06.2020 12:27
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Sömmerung
Herdenschutz kostet Alp 18'000 Franken
Schafe vor Grossraubtieren zu schützen, ist nicht gratis. Die Hälfte der Mehrkosten tragen die Bewirtschafter selber.

Die Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation stellt eine der gegenwärtigen Herausforderungen für die Bewirtschafter von Schafalpen dar. Und das bedeutet zusätzliche Arbeit und kostet Geld.

Arbeit ist Hauptfaktor

Knapp 7,6 Millionen Franken – so hoch sind die Mehrkosten für die gesamte Schweiz. Pro Alp und Jahr bedeutet dies einen Mehrkostenaufwand von fast 18000 Franken – knapp 43 Franken pro gesömmertes Schaf. Die wirtschaftlichen Folgen  wurden in den Jahren 2017 und 2018 auf 13 Alpen in den Kantonen Uri und Wallis von einem Forscherteam der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) untersucht.

Zur Kasse gebeten werden die Schafalpbewirtschafter vor allem selber. Sie tragen rund die Hälfte dieser Mehrkosten. Der Hauptkostenfaktor sind laut Studie Arbeiten vor Ort, die wegen einer arbeitsintensiveren Bewirtschaftungssituation entstehen. Betriebliche Massnahmen, etwa indem Bewirtschafter die Weideführung durch Zäune anpassen und/oder Hirtenpersonal anstellen, und Herdenschutzmassnahmen, die hingegen konkrete Schutzmassnahmen für die Schafe wie z.B. Nachtpferche oder Herdenschutzhunde umfassen, verlangen einen erhöhten Arbeitsaufwand. 

Grosse Alpen im Vorteil

Vor allem auf vorher nicht behirteten Alpen verändere sich zudem der Charakter der Eigenleistungen der Bewirtschafter, heisst es. Die Anstellung von Alppersonal spielt auf den Alpen mit eigenen Schafhirten mit einem durchschnittlichen Kostenanteil von 43 Prozent an den Gesamtkosten eine ökonomisch bedeutende Rolle, wenn die Sömmerung an die Grossraubtiersituation angepasst werden soll.

Die andere Hälfte der Kosten wird durch höhere Erlöse gedeckt, die sich zum Beispiel aus höheren Direktzahlungen, etwa durch einen Wechsel des Weidesystems,  und/oder aus zusätzlichen Förderbeiträgen für Herdenschutzmassnahmen ergeben, gedeckt.   

Die verschiedenen Bewirtschaftungs- und Herdenschutzmöglichkeiten inkl. der wirtschaftlichen Auswirkungen sollen vor einer Anpassung der Schafsömmerung geprüft werden. Denn die Anpassung der Schafsömmerung verschlechtert die wirtschaftliche Situation der Alpen. Das zeigt die Studie fast ausnahmslos. Gemäss den Resultaten haben einzig Alpen mit hohem Normalbesatz tendenziell die besseren Voraussetzungen, trotz der Anpassung einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

System Anpassen

Weil die Hälfte der Mehrkosten die Schafalpbewirtschafter selbst tragen müssen, empfehlen die Autoren der Hafl-Studie, das bestehende Fördersystem anzupassen. Die entstehenden Mehrkosten müssten besser oder vollumfänglich durch Mehrerlöse gedeckt werden. Eine klare Abgrenzung zwischen Kosten für Herdenschutzmassnahmen und solchen für betriebliche Massnahmen sei bisher kaum möglich gewesen.

Der Vorschlag «Erweiterung Direktzahlungen» sieht vor, das Fördersystem der Direktzahlungen durch erhöhte Beitragszahlungen für die ständige Behirtung, unabhängig von der Anwendung von Herdenschutzmassnahmen, und für die Umtriebsweide mit erfolgreich erprobten Herdenschutzmassnahmen zu erweitern. Dies hätte einen geringen administrativen Aufwand zur Folge. Nachteilig wären die weniger gezielt eingesetzten Beitragszahlungen. Der alternative Vorschlag zielt auf eine vollständige Abgeltung der anfallenden Mehrkosten hin. Die Autoren schlagen dies auf Basis eines einzelbetrieblichen Konzepts vor mit dem Nachteil eines hohen administrativen Aufwands. hal

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