1.09.2017 14:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Appenzell Ausserrhoden
Hof mit 260 Tieren geräumt
Ein Bauernhof in Wolfhalden im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist am Freitag zwangsmässig geräumt worden. Gegen den Bauern war schon 2012 ein Tierhalteverbot ausgesprochen worden, gegen das sich dieser aber jahrelang gewehrt hatte.

Der Tierhalter, seine Ehefrau sowie die derzeitigen Eigentümer der Tiere wurden vom Veterinäramt über den bevorstehenden Abtransport der Tiere am Freitagmorgen in Kenntnis gesetzt. Weggebracht wurden 52 Schafe, 8 Ziegen und 200 Hühner, wie die Kantonsbehörden mitteilten. Zuvor war ihr Gesundheitszustand überprüft worden - alle seien transportfähig gewesen. Kühe und Rinder, die bis vor kurzem auf dem Hof waren, wurden wenige Tage vor der amtlichen Räumung zu anderen Tierhaltern gebracht, schreibt der Kanton weiter.

Eigentumsverhältnisse kurzfristig geändert

Der Tierhalter habe sich kooperativ verhalten. Den Abtransport habe er teilweise selbst organisiert. Alle Tiere waren transportfähig und wurden an geeignete Orte gebracht, wo sie nun gepflegt und näher untersucht werden. Der Tierhalter entscheidet, was mit den Tiere geschehen soll. Eine Rückkehr auf den Hof ist gemäss dem Kanton aber ausgeschlossen. 

Gegen den Tierhalter wurde schon 2012 ein Tierhalteverbot ausgesprochen; eine Beschwerde dagegen wies das Bundesgericht 2015 ab. Sämtliche Versuche des Veterinäramts, das Tierhalteverbot durchzusetzen, wurden in der Folge vereitelt, weil der Tierhalter und sein Rechtsvertreter alle juristischen Möglichkeiten ausschöpften. So wurden jeweils die Eigentumsverhältnisse kurzfristig geändert. So musste das Veterinäramt die Situation jeweils neu beurteilen. Schliesslich wurde den Rechtsmitteln gegen die Räumungsverfügungen die aufschiebende Wirkung entzogen. Am Donnerstag wies das Departement für Gesundheit und Soziales die letzte Beschwerde ab - die Behörden konnten einschreiten.

Lange Vorgeschichte

Die meisten Tiere seien gesund, ein Schaf sei krank, die Klauenpflege allgemein schlecht. Ein paar Tiere lahmten leicht, sagte Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell, vor den Medien. Von den mehreren Dutzend Rindern, die ursprünglich auf dem Hof gewesen waren, war am Freitag keines mehr da. Auch auf den Weiden, von denen ein Teil im Kanton St. Gallen liegen, wurden keine Tiere gesichtet. Der Bauer hatte diese schon vor der amtlichen Räumung weggebracht. Dass die Räumung bevorstand, war ihm mitgeteilt worden, nicht aber der Termin.

Die Aktion vom Freitag hat eine lange Vorgeschichte. Schon vor Jahren seien auf dem Hof immer wieder Verstösse gegen die Tierschutzgesetzgebung festgestellt worden, sagte Quaile. Man habe das Gespräch gesucht, Kontrollen gemacht, «den Mahnfinger erhoben» - vergeblich. Eine dauerhafte Verbesserung der Zustände sei nicht erfolgt.

Nie aktues Leiden

Quaile betonte, die Missstände in ihrer Gesamtheit hätten eine weitere Tierhaltung unmöglich gemacht. Allerdings habe man «nie akutes Leiden» festgestellt, das ein sofortiges Eingreifen nötig gemacht hätte. Weil der Bauer aber offensichtlich nicht fähig war, seine Tiere anhaltend tierschutzkonform zu halten, wurde 2012 ein Tierhalteverbot ausgesprochen.

Kein Zusammenhang mit Hefenhofen

Die Hofräumung wurde vom Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden durchgeführt mit Unterstützung durch die Kantonspolizei, den Landwirtschaftlichen Inspektionsdienst sowie die Regionalen Feuerwehr (Regiwehr). Es bestehe kein Zusammenhang mit dem Fall in Hefenhofen. Die Räumungsaktion vom Freitag sei seit Juni vorbereitet und geplant worden, sagte Quaile. 

Der Tierhalter und die angeblichen Eigentümer der Tiere müssen sich im Zusammenhang mit dem Nichteinhalten eines geltenden Tierhalteverbotes vor der Staatsanwaltschaft verantworten.

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