31.03.2018 08:23
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Ziegen
Hof mitten in einem Quartier
Um Ostern ist das Fleisch von Thomas Baumanns Gitzi beliebt. Auf seinem Hof mitten in Suhr AG wird aber auch Brot, Käse und Gemüse produziert und verkauft – in einem interessanten Betriebsmodell.

Der Weg zum Hof Galegge führt vom Bahnhof Suhr über eine stark befahrene Hauptstrasse, neben riesigen Baustellen vorbei, entlang kleiner Nebengasse. Plötzlich steht man mitten in einem Quartier vor einem alten traditionellen Bauernhaus. Aus dem Stall blicken Ziegen.

Kinder um Ziegenstall

Thomas Baumann winkt einen in eine mit einem Holzofen geheizten Stube. «Dass der Hof mitten in Suhr und damit in der Agglomeration von Aarau ist, macht ihn zu etwas Besonderem», erzählt er. «Am Morgen, über den Mittag und nach der Schule steht immer eine Traube von Kindern rund um den Ziegenstall und betrachten die Tiere.» 

Ansonsten kommen viele Leute wegen des Hofladens in die Galegge. Dort kaufen sie selbst gemachtes Brot aus der eigenen Weizen- und Dinkelkultur, selbst gemachten Ziegenkäse, Gemüse und zugekaufte Kuhmilchprodukte. Der ETH-Agronom Thomas Baumann kam Anfang 90er-Jahre zusammen mit Annelise Keller auf den Hof. Und führt nun den Biobetrieb.

Stiftung Inhaberin des Hofes

Er melkt die 25 Ziegen, kümmert sich um ihr Futter und bewirtschaftet die 35 Hektaren landwirtschaftliche Nutzungsfläche. Keller ist für die Direktvermarktung und fürs Brotbacken verantwortlich, und Susanne Klemenz macht den Käse. Alle sind sie selbstständig und gleichzeitig Kunden voneinander. Keller kauft das Getreide von Baumann für ihr Brot, Klemenz die Milch der Ziegen. 

Dass dieser ungewöhnliche Hof mitten in der Agglomeration überhaupt noch dort ist, ist dem Geschwisterpaar zu verdanken, dem der Hof gehörte. Weil sie beide keine Nachkommen hatten, aber wollten, dass der Hof erhalten bleibt, gründeten sie eine Stiftung. Diese ist nun Inhaberin des Hofes, und Thomas Baumann hat ihn gepachtet. 

Obwohl er kein Bauernsohn ist, wollte er immer Bauer werden. «Im Landdienst hat es mir den Ärmel reingenommen», sagt er. Danach hat er eine Lehre zum Landwirt gemacht und an der ETH Agronomie studiert.

Ziegen mitten im Quartier

Nun ist er froh, auf diesem Hof leben zu können. Er schätzt die besondere Lage des Hofes und empfindet ihn als Bereicherung für die Stadt. Und es freut ihn, wenn die Leute aus der Umgebung bei ihnen einkaufen. «Gerade die jüngere Generation schätzt lokale Produkte. Und dank uns haben auch Stadtkinder einen Bezug zur Natur. Selbst wenn sie nicht bei uns einkaufen, sehen sie, dass auch mal ein Gitzi verschwindet. So verstehen sie letztlich, woher Fleisch eigentlich kommt», sagt Baumann. 

Das erklärt er auf dem Weg zur Weide direkt vor dem Bauernhaus. Dort weiden die Ziegen mitten im Quartier. Auf dem Hausplatz gibt Baumanns Tochter Maria einem Zicklein die Flasche. Um Ostern wird Baumanns Gitzifleisch gut laufen. «Ansonsten haben die Leute noch etwas Vorbehalte dagegen», sagt Baumann. Dabei gebe es ein ganz einfaches und herrliches Rezept. Man müsse einen Gitzibraten nur mit genügend Öl, Senf, Salz und Knoblauch marinieren, dann im Ofen braten, bis sich das Fleisch vom Knochen löse und schon habe man ein herrliches Gericht, so der Landwirt.

www.galegge.ch; weitere Bauern, die Produkte aus Ziegenmilch und -fleisch anbieten, unter: www.schweizer-gitzi.ch

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