2.04.2019 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Kein Mindestlohn mit Schafen
Die wirtschaftliche Situation der Schaf- und Ziegenhaltungen in Deutschland ist angespannt, denn geringe Marktpreise und hohe Produktionskosten setzen die Tierhalter unter Druck.

„Obwohl Schäferinnen und Schäfer im Haupterwerb sich knapp 70 Wochenstunden um ihre Tiere kümmern, bleibt ihnen am Ende nicht einmal der Mindestlohn“, stellte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, vor rund 140 Teilnehmern des Niedersächsischen Schaf- und Ziegentages in Verden fest.

Dabei habe sich die Situation in den zurückliegenden Monaten noch einmal drastisch verschlechtert. Als Gründe nannte Schwetje den Preisverfall für Lammfleisch, einen stagnierenden Markt für Schafwolle und - bedingt durch die Dürre 2018 - höhere Preise für Futtermittel und Stroh.

Prämie für Schafe und Ziegen

Vor diesem Hintergrund begrüsste der Kammerpräsident politische Initiativen auf Bundes- und Landesebene, die auf eine wirtschaftliche Stärkung der Betriebe abzielten. Als Beispiel nannte er die jüngst in Thüringen eingeführte Schaf- und Ziegenprämie von 25 Euro (28 Franken), die je Tier drei Jahre lang gezahlt werde.

Problematisch sieht Schwetje auch die Situation in der Ziegenhaltung. So sei es beispielsweise trotz einer steigenden Nachfrage nach Produkten aus Ziegenmilch in der jüngeren Vergangenheit nicht gelungen, eine adäquate Verarbeitung aufzubauen.

Verarbeitungsstufe nicht handlungsbereit

„Angesichts vieler potenzieller Lieferanten von Ziegenmilch hatten wir die Hoffnung, eine geeignete Molkerei für eine regionale Verarbeitung zu finden“, berichtete der Kammerpräsident. Doch leider habe dieser vielversprechende Ansatz wegen fehlender Bereitschaft der Verarbeitungsstufe nicht umgesetzt werden können.

Edda Riedel vom Beratungsring für Schafhalter in Schleswig-Holstein machte deutlich, dass Landwirte heute deutlich mehr als 1'000 Mutterschafe halten müssten, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Tiere seien dann weitgehend von einer Person zu managen, und 3'500 Arbeitsstunden pro Jahr wären für solche Betriebe die Norm. Am Ende stehe dann ein Nettoeinkommen von etwa 2'000 Euro bis 3'000 Euro (2'240-3'360 Franken) im Monat, was auf Arbeitsstunden heruntergebrochen nicht einmal dem gesetzlichen Mindestlohn entspreche. 

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