14.11.2016 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann
Ziegenhaltung
«Mehr Ziegen auch im Herdebuch»
Die Zahl der Ziegen in der Schweiz hat stark zugenommen. Die Geschäftsführerin des Ziegenzuchtverbands, Ursula Herren, nimmt Stellung.

Der Ziegenbestand in der Schweiz hat seit dem Jahr 2000 markant zugelegt. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?
Ursula Herren: Die Nachfrage nach Ziegenprodukten und damit Ziegenmilch ist stark gestiegen. Zahlreiche Schweizer Bauern haben ihren Betrieb deshalb auf Ziegenhaltung erweitert oder umgestellt. In der Schweiz wird heute rund ein Drittel mehr Ziegenmilch produziert als noch vor 15 Jahren. Die Produktion von reinem Ziegenkäse hat sich in der erwähnten Zeitperiode fast verdoppelt. Im Jahr 2015 wurden  915 Tonnen reiner Ziegenkäse produziert.

Wer hält die zusätzlichen Ziegen?
Die Ziegenbestände nahmen vor allem in Gebieten zu, wo potenzielle Abnehmer von Ziegenmilch vorhanden sind. In der Romandie inkl. Jura sind in den vergangenen Jahren einige Ziegenbetriebe hinzugekommen. In diesen Regionen sind auch die meisten grösseren Betriebe mit bis zu 400 Ziegen zu finden.  Die Nähe zu Frankreich, wo viel mehr Ziegenprodukte konsumiert werden als in der Schweiz, spielte beim Erkennen dieses Nischenmarktes eine wichtige Rolle. Pioniere in der Ziegenkäseherstellung gab es allerdings früher schon in anderen Regionen, insbesondere auch in der Zentralschweiz.

In welchen Gegenden werden am meisten Ziegen gehalten? Gibt es Schwerpunktregionen?
Anzahlmässig am meisten Ziegen werden in den Kantonen Bern, Tessin, Graubünden, St.Gallen und Wallis gehalten, wobei die Anzahl Tiere je Betrieb sehr unterschiedlich ist. Ebenso verschieden sind die Anforderungen an die Tiere resp. die Haltungsgründe. So stehen je nachdem wirtschaftliche Kriterien wie Milchmenge und -gehalte, Fleischproduktion und Landschaftspflege oder gar die Schönheit der Tiere vermehrt im Vordergrund.

Gibt es heute auch mehr Herdebuchtiere als  im Jahr 2000?
Ja, die Anzahl Herdebuchtiere ist ebenfalls erfreulich angestiegen, und immer mehr Züchter schätzen die Dienstleistungen des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes (SZZV), welcher einerseits das Herdebuch führt und anderseits sich auf verschiedensten Ebenen für die Anliegen und die Interessen der Ziegenzüchter einsetzt.

Welche Rassen konnten zahlenmässig zulegen? Warum? 
Bei den Milchrassen nahm vor allem der Bestand an Gämsfarbigen Gebirgsziegen stark zu. Seit zehn Jahren ist sie die am meisten gehaltene Rasse der Schweiz. Der Herdebuchbestand betrug am 1. Juni 2016 8074 Tiere. Damit setzt sie sich immer mehr von der früheren Spitzenreiterin – der Saanenziege – ab. Die Gämsfarbige Gebirgsziege ist eine ausgesprochen komplette, solide Rasse. Sie erzielt gute Leistungen sowohl punkto Menge als auch hinsichtlich Inhaltsstoffe der Milch. Seit den ersten Importen, kurz vor der Jahrtausendwende, stieg zudem der Bestand an Burenziegen in der Schweiz rasant an. Diese aus Afrika stammende Rasse wird ausschliesslich für die Fleischproduktion und die Landschaftspflege genutzt. Der Anstieg bei dieser Rasse ist mit dem Trend der Mutterkuh beim Rindvieh vergleichbar.

Welche Trends zeigen sich in der Ziegenhaltung?
Die Ziegenzucht und -haltung wird zusehends professioneller. Dadurch konnte auch die Qualität der Milch und ihrer Produkte auf ein hohes Niveau gebracht werden.

Und was sagen Sie dazu, dass Emmi holländischen Ziegenkäse in Kaltbach reifen lässt?
Das Vorgehen von Emmi stimmt uns sehr nachdenklich. Die Schweizer Ziegenmilchproduzenten fühlen sich hintergangen. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE