1.01.2018 14:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Bern
Mithelfen ist pure Freude
Für den 14-jährigen Silvano Bärtschi ist es selbstverständlich, auf dem elterlichen Betrieb in Ranflüh BE mitanzupacken. Ob beim täglichen Melken, beim Heuen oder Emden, der Jugendliche ist immer dabei.

Silvano Bärtschi hat an diesem Nachmittag schulfrei. Während seine Kollegen sich mit Gleichaltrigen treffen, hilft er lieber daheim auf dem elterlichen Hof mit. Dieser befindest sich oberhalb des Dorf Ranflüh.

Zuerst Hausaufgaben


140 Brienzer- und Toggenburger Ziegen sind bei der Familie Bärtschi eingestallt – da gibt es immer etwas zu tun. Zumal praktisch das ganze Jahr hindurch morgens und abends gemolken wird. «Meine Eltern schauen jedoch darauf, dass ich zuerst meine Hausaufgaben machen. Und unter der Woche, wenn ich Schule habe, helfe ich nur am Abend im Stall», sagt Silvano Bärtschi, der zwei ältere Geschwister hat, die nicht mehr daheim wohnen.

Manchmal habe sie ein schlechtes Gewissen, dass Silvano so viel arbeite, sagt seine Mutter Therese Bärtschi. Doch verbieten könne sie es ihm nicht. «Schon als kleiner Junge hat er stets helfen wollen und ist immer mit zu den Tieren gekommen.»

Stolzer Besitzer


Noch mehr als sonst im Stall anzutreffen ist Silvano Bärtschi, wenn um den 20. Dezember die ersten Ziegen gitzeln. «Ich habe drum kleinere Hände als mein Vati», sagt der 14-Jährige und  streckt seine Hand mit gespreizten Fingern in die Luft. «Wenn es Komplikationen gibt bei der Geburt komme ich besser rein und kann allenfalls die Beine des Gitzi greifen.» Er habe schon einige Male geholfen, sagt er, und strahlt über das ganze Gesicht.

Silvano Bärtschi sitzt am Küchentisch im Bauernhaus und trinkt aus einer grossen Tasse Kaffee. Er wirkt fast ein bisschen schüchtern. Doch wenn er von den Geissen erzählt, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Er kann alle 140 Tiere beim Namen nennen. Erkennen tue er sie an Merkmalen «Rösli hat zum Beispiel sehr lange Ohren oder Eeila kurze Beine», erklärt Silvano Bärtschi, der selbst 15 Toggenburger Ziegen besitzt.

Fleisch ab Hof

Therese Bärtschi erzählt an dieser Stelle, dass Silvano jeweils im Herbst bei der Einstallung jeder einzelnen Ziege die Glocke abnehme und gegen ein Band auswechsle. Im Frühling dann, ist es wiederum Silvano der jeder Geiss das Glöcklein wieder anlegt. «Und er weiss genau, welche Glocke zu welcher Ziege gehört», so seine Mutter.

Während des Gesprächs fährt ein Auto auf den Vorplatz. «Das ist Vati», sagt Silvano Bärtschi und geht zum Fenster. Urs Bärtschi war bei einem Metzger in Röthenbach, um Ziegenwürste abzuholen. Denn Bärtschis vermarkten einen Grossteil des Fleisches selber. Die Milch bringen sie in eine Käserei in Zäziwil. Kaum hat Urs Bärtschi die Türschwelle übertreten, erzählt ihm sein Sohn, dass er endlich ein gebrauchtes Töffli in Aussicht hätte. «Ich habe schon eines, aber das läuft nicht mehr so gut.»

Es ist Stallzeit

Und ein motorisierter Untersatz ist für Silvano Bärtschi wichtig, denn so ist er nach der Schule schneller daheim, zumal der Bauernhof relativ abgelegen auf einem Hügel liegt. Und spätestens im Sommer, wenn er im rund 15 Kilometer entfernten Arni eine Ausbildung als Milchtechnologe beginnen wird, ist auch diese Strecke mit einem Töffli schneller zu bewältigen als mit einem Fahrrad.

Während des Gesprächs vergeht die Zeit schnell, verstohlen schaut Silvano Bärtschi auf die Uhr. Langsam wird er unruhig. Es ist Stallzeit. «Wir müssen», sagt er und springt förmlich vom Stuhl auf. Er läuft in den Heizraum, der sich neben dem Stall befindet. Hurtig tauscht er die Alltagskleidung gegen die Arbeitshose und schlüpft in die Stiefel. Während sein Vater den Futtermischer bedient, räumt er mit einer Gabel die Futtertröge leer. Jetzt bleibt nicht mehr viel Zeit zum Reden. Denn die Ziegen müssen gefüttert und nachher gemolken werden. Das hat für Silvano Bärtschi erste Priorität.

50 Wachteln

Lohn für seine Arbeit bekomme er nicht, sagen seine Eltern. Doch wenn der Jugendliche eine seiner Geissen verkauft, kann er das Geld behalten. Und seit Neustem hat Silvano Bärtschi ein eigenes Geschäft aufgezogen. Er hält 50 Wachteln und kann die Eier an eine Käserei liefern. Und auch diese Einnahmen fliessen in sein Kässeli.

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