12.02.2019 12:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Schafe
Run auf Walliser Schafrasse
In Neuseeland werden Walliser Schwarznasenschafe als die «niedlichsten Schafe der Welt» beschrieben. Anfragen für Sperma, Embryonen oder lebende Tiere aus der ganzen Welt erhält der Oberwalliser SN-Verband jede Woche.

Im Oktober 2017 wurden in Neuseeland erstmals Lämmer von Walliser Schwarznasenschafen geboren. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen dürfen in Neuseeland keine lebenden Tiere importiert werden. 

Embryonen aus England


Der Bio-Security-Managerin Christine Reed ist es aber gelungen, das Vertrauen englischer Züchter zu gewinnen, welche es ihr gestatteten, von ihren besten Schwarznasenschafen Embryonen zu entnehmen. Letztes Jahr hat sie erneut Embryonen von den Britischen Inseln mitgenommen und nach Neuseeland gebracht, und schon im nächsten Jahr soll erstmals eine Schau organisiert werden. 

Möglichst mit der Unterstützung von Walliser Schauexperten, die dazu jedoch um den halben Globus reisen müssten. «Hoffentlich bekommen wir eines Tages auch Embryonen direkt aus der Schweiz», ergänzt Reed.

Schweizer Experten in UK

Vor allem nach Schottland und Irland schickt der Oberwalliser Schwarznasenschaf-Zuchtverband (SN-Verband) bereits regelmässig Walliser Experten. «Wir stiften für Siegertiere sogar Preise, die wir den Experten jeweils mitgeben», betont der Präsident Daniel Steiner. Spesen für die Reise und den Aufenthalt auf den Britischen Inseln müssen von den örtlichen Ausstellungsorganisatoren übernommen werden. 

Umgekehrt lädt der SN-Verband ausländische Richter ein, um am jährlichen Widdermarkt in Visp, jeweils am zweiten Samstag im März, praktische Erfahrungen beim Beurteilen und Rangieren der Schafe zu sammeln.

Wöchentlich Anfragen

Der SN-Verband erhält wöchentlich Anfragen betreffend die «niedlichsten Schafe der Welt», als das sie in Neuseeland beschrieben werden, mit dem Anliegen, diese zu importieren. «Die Anfragen kommen aus ganz Europa, aus Nordamerika und sogar aus China», bestätigt Steiner – meist ihres attraktiven Aussehens und der Qualität der Wolle wegen. 

Nach Kanada und in die USA durfte bislang allerdings nur Sperma exportiert werden, mit dem Reni Melvin aus New Jersey, Direktorin der «Valais Blacknose Sheep Association of North America», Schafe der Rasse Scottish Blackface besamt hat. «Wir haben uns wegen ihres Aussehens und der Qualität der Wolle in diese Rasse verliebt», meint Melvin.

Aufwendige Tests

«Ich möchte immer erst wissen, wo genau die Schafe hinkommen», ergänzt Steiner. Anfragen aus Süditalien weist er häufig zurück, weil das dortige heisse Klima keine artgerechte Haltung erlaube. «Was viele auch unterschätzen, ist die aufwendige Pflege, welche die Tiere benötigen», betont Steiner. Keinen Einfluss hat er aber auf Züchter auf den Britischen Inseln, welche Samen, Embryonen oder lebende Tiere weiterverkaufen.

Wie viele Schwarznasenschafe bereits im Ausland leben, weiss Steiner nicht. Klar ist aber, dass namentlich Schottland dringend neue Widder benötigen würde. Aufgrund der heute gültigen Exportbedingungen müssen Schafe aber aufwendig auf resistente Scrapie-Genotypen getestet werden, wobei viele Tiere die strengen Anforderungen der EU nicht erfüllen. Der Kauf-Interessent bleibt in etlichen Fällen auf den Spesen sitzen. Womöglich haben aber die Neuseeländer einen neuen Weg aufgezeigt, indem sie statt auf lebende Tiere auf Embryo-Transfer setzen.

Knacknuss TVD

Mit Einführung der TVD für Schafe und Ziegen befürchtet Daniel Steiner beim Walliser Schwarznasenschaf empfindliche Rückgänge der Herdebuchtiere. «Wir kämpfen heute schon gegen die Überalterung der Schäfer, wobei der grosse Mehraufwand, der nun auf alle Züchter zukommen wird, nicht förderlich ist», warnt er. Zumal Verschiebungen und Abgänge nicht mehr schriftlich, sondern nur noch elektronisch und innert drei Tagen gemeldet werden können. «Wir haben Schäfer, die weder ein Handy noch einen PC besitzen», hält Steiner fest. Dazu seien die beiden leuchtend gelben Ohrmarken in den schwarzen Ohren auch ästhetisch nicht schön. czb

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