18.10.2018 09:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Thurgau
Schafbauer wehrt sich
Nach Vorwürfen des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) gegen einen Thurgauer Schafhalter haben die Behörden keine Missstände entdeckt. Ein Nachbar hat die Aufnahmen gemacht und bezichtigt den Bauern als Tierquäler. Dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe. Seine Existenz ist gefährdet.

Am Dienstag informierte der VgT unter anderem auf seiner Facebook-Seite über die Vorwürfe und untermauerte sie mit einem Video aus anonymer Quelle: Der Landwirt soll Schafe durch den Stall geworfen und sie mit Tritten und einem Knüppel misshandelt haben.

Video manipuliert?


Schon kurze Zeit später liess das «Tagblatt» das 13 Minuten lange Video von einem Experten untersuchen. Dieser kommt zum Schluss: «Es gibt mehrere Hinweise, dass das Video manipuliert wurde.» So weise das Video mehrere Schnitte auf, die Tiere würden sich zudem viel zu schnell bewegen. Die Bewegungen wirkten ausserdem zu nervös. Ein weiteres Indiz für die Manipulation sei das Fehlen der Tonspur. Diese sei offensichtlich entfernt worden. 

Der Experte verlangsamte die Wiedergaberate des Videos. Der Effekt: Die Tätigkeit der Person im Film würden insgesamt ruhiger wirken. Der Experte kann aber nicht beurteilen, ob es sich um Gewalt handle. 

«Bin Schafbauer mit Leib und Seele»

«Ich habe die Schafe zusammengetrieben, um sie auszusortieren. Ich hatte in der linken Hand ein Gatter, mit dem ich versucht habe, die Schafe zu drücken», erklärt Arthur Ziegler gegenüber dem TV-Sender «TVO». In der rechten Hand hielt er einen Strick. Mit diesem habe er auf das Gatter geschlagen, aber nicht auf die Schafe. Mit dem Lärm wollte er erreichen, dass die Tiere zurückgehen.

Der 41-Jährige und seine Familie leiden stark unter den Vorwürfen des VgT. Sie hätte Morddrohungen erhalten, sagte Ziegler zum TV-Sender. Die Anschuldigungen haben auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Coop-Tochter Bell hat die Abnahme von Tieren bis auf weiteres eingestellt. Dass er ein Tierquäler sein soll, weist er entschieden ab. «Ich bin Schafbauer mit Leib und Seele. Meine Tiere sind mir wichtig. Ich stecke so viel Herzblut in meine Arbeit», macht er deutlich. Die Existenz der Bauernfamilie ist gefährdet.

Auf dem Hof leben etwas mehr als 580 Schafe. Das Veterinäramt nahm im Frühjahr 2018 den Neubau des Schafstalls tierschutzrechtlich ab. Diese Abnahme hat zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben.

Nachbar hat Probleme mit neuem Stall

Das Video wurde von einem Nachbarn des Bauern erstellt. «Ich habe die Aufnahmen dem Tierschützer Erwin Kessler geschickt», sagt dieser zur «Thurgauer Zeitung». Er könne wegen den Schafen kaum noch lüften oder draussen sitzen. Er habe einfach ein grosses Problem mit seinem Nachbarn und dessen Schafen, sagt der Einfamilienhausbesitzer zur Zeitung. 

Der Mann hat sein Haus 2006 bezogen. Damals seien es nur einige Schafe gewesen. Er habe sich gegen den Bau des neuen Stalls vergeblich gewehrt. Das Haus ist 120 Meter vom Stall entfernt, dazwischen liegt eine Weide. Der Streit zwischen dem Bauer und dem Hausbesitzer dauert bereits Jahre. Gespräche gibt es keine mehr. Die Aufnahmen hat er Ende August gemacht. Dem kantonalen Veterinäramt habe er diese nicht geschickt. Weil er bei den Behörden bisher kein Gehör fand, versuchte er es über den VgT, sagt er zur «Thurgauer Zeitung».  

Alle Grenzwerte eingehalten

Die Familie Ziegler hält die Auflagen allesamt ein. Eine Behörde sei unlängst gekommen, um Messungen vorzunehmen. Doch die Grenzwerte würden eingehalten, sagt die Frau des Schafzüchters zur «Thurgauer Zeitung». Wegen des Geruchs wurde die Anzahl Tiere auf 588 festgelegt. Aus Tierschutzgründen könnten es mehr sein. 

Das Halten von Nutztieren sei manchmal etwas grob, sagt sie. «Hätten wir die Tiere tatsächlich geschlagen, das wäre dem Tierarzt – spätestens beim Fleisch des Tieres – aufgefallen», macht sie deutlich.

Bei der Kontrolle seien keine Missstände festgestellt worden, teilten nun die Behörden mit. Der Tierhalter habe offen informiert und sich kooperativ gezeigt. Sowohl der Betrieb als auch der Zustand der Schafe seien überprüft worden. Weder eine Gefährdung des Wohlergehens der Tiere noch Anzeichen von Tierquälerei wurden festgestellt.

Die Forderungen des VgT nach einem sofortigem Totaltierhalteverbot und einer Beschlagnahmung der Tiere seien nicht gerechtfertigt. «Ob sich der Tierhalter strafrechtlich etwas hat zu Schulden kommen lassen, werden die weiteren Abklärungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zeigen.»

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