11.03.2013 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Milchschafe
«Schafmilch hat viele Vorteile»
Milchschafe gewinnen an Bedeutung. Heute stehen knapp 5000 Tiere im Herdebuch der Schweizerischen Milchschafzucht-Genossenschaft (SMG). In der Schweiz gibt es Ostfriesische Milchschafe und Lacaune.

Spätestens um 6 Uhr morgens ist Martin Furrer, wie viele andere Bauern auch, in seinem Stall am Melken. Er hat seinen neuen Stall in Pfeffikon LU vor noch nicht mal einem Jahr bezogen, und kann seither einen modernen Melkstand nutzen. Seine Tiere werden anhand eines Chips im Ohr erkannt, so dass jedes die richtige Ration Kraftfutter erhält. Furrer hält aber keine Milchkühe. Diese hat er vor drei Jahren verkauft. Heute melkt er Milchschafe.

Bis 15 Prozent Milchfett

Den Grund, weshalb Furrer von Milchkühen auf Milchschafe umgestellt hat, erklärt er so: «Das Einkommen ist immer kleiner geworden, also habe ich nach etwas gesucht, mit dem ich eine höhere Wertschöpfung erzielen kann.» Da er aber rund um die eigene Liegenschaft mit dem neuen Stall zu wenig Weideflächen besitzt, wären Mutterkühe nicht geeignet gewesen. Hinzu kommt, dass im relativ nahe gelegenen Beromünster ein Käser Schafmilch verarbeitet.

Bis zu 2.75 Franken zahlt er für ein Kilo Schafmilch aus, einschliesslich Zulagen für Gehalt, der bei Milchschafen bei rund 10 bis 12 Prozent liegen kann. Gegen Ende einer Laktation kann die Milch gar bis zu 15 Prozent Fett und Eiweiss aufweisen. Der im Vergleich zu Kuh- oder sogar Ziegenmilch hohe Milchpreis relativiert sich allerdings wieder etwas, wenn man auch den grösseren Aufwand berücksichtigt.

400 bis 500 Kilo Milch

Die ersten Milchschafe hat Furrer im Herbst 2008 gekauft. Im darauffolgenden April begann er erstmals Milch abzuliefern, doch wies ihn der Käser bereits darauf hin, dass er die vierfache Menge gebrauchen könnte. So hält Furrer heute 85 Milchschafe der Rasse Lacaune, von denen jedes pro Jahr rund 400 bis 500 Kilo Milch gibt.

Furrer ist jedoch nicht der einzige, der in der Region Milchschafe hält. Gerade mal fünf Kilometer von seinem Hof entfernt, in Rickenbach LU, bewirtschaftet auch Toni Habermacher eine Fläche von rund 14 Hektaren mit Milchschafen. Habermacher hält zwar auch Mutterkühe und mästet rund 3000 Poulets, die Mastschweine ersetzte er jedoch 2006 durch Ostfriesische Milchschafe.

Auch er, der zuvor auswärts arbeiten musste, suchte nach einer höheren Wertschöpfung, um vollamtlich von seinem Betrieb leben zu können, und auch er beliefert dieselbe Käserei in Beromünster. «Ich wollte selbst nicht käsen, dafür aber mehr Bauer sein», erzählt Habermacher. Er melkt heute etwa 80 Milchschafe, wovon 20 einem Partner gehören, mit dem er eine Tierhaltergemeinschaft betreibt.

SMG betreut zwei Rassen

Die Schweizerische Milchschafzucht-Genossenschaft (SMG) führt in ihrem Herdebuch gegenwärtig etwas über 2600 Ostfriesische Milchschafe und rund 2000 Lacaune. Ob sich jedoch ein Züchter für die eine oder andere Rasse entscheidet, beruht, wie sich Furrer und Habermacher einig sind, auf einem Bauchgefühl. 

Die Ostfriesen sind etwas grösser als die Lacaune, haben in den Augen einiger vielleicht das schönere Wollkleid (und einen unbewollten Schwanz), müssen dafür aber zweimal jährlich geschoren werden, sonst wird es bald sehr eng auf dem Melkstand. Lacaune haben den Vorteil, dass man sie nur einmal im Jahr scheren muss. Sie gelten auch als lebhafter.

Während Martin Furrer, wenn er seine Lacaune-Schafe auf die Weide lässt, eine dreifache Umzäunung ziehen muss, genügen Habermacher zwei Litzen. Lacaune schlagen auch eher mal das Melkaggregat herunter, haben dafür aber eine leicht höhere Milchleistung und mehr Gehalt.

Für Kuhmilchallergiker

Mit ein Grund für die in den letzten Jahren stark angestiegene Zahl von Milchschaf-Betrieben liegt nicht nur beim deutlich höheren Milchpreis. «Schafmilch ist sehr bekömmlich», erklärt Toni Habermacher, «und ist leichter verdaulich.»

Die bessere Verdaulichkeit liegt in der Struktur des Fetts, das im Vergleich zu Kuhmilch in winzigeren «Kügelchen» in der Milch schwimmt. Ausserdem gibt es beim Verzehr von Kuhmilch bedeutend öfter allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten. Dafür sind vor allem Eiweisse verantwortlich, wobei ein einziges genügt, um eine Allergie auszulösen. Da Schafmilch nur neun Eiweisse enthält, Kuhmilch aber deren 57, sind Schafmilch-Produkte vor allem bei Personen gefragt, die an einer Unverträglichkeit auf ein bestimmtes Eiweiss leiden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE