27.07.2016 11:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Uri
Schräg, streng und schweisstreibend
Auch Staumauern müssen regelmässig unterhalten werden. Beim Erddamm des Göscheneralpsees übernimmt ein Bauer die Pflege des begrünten und sehr steilen Walls. Eine Herausforderung für Mensch und Maschine.

Die Steinböcke vom Antronatal bei Domodossola (I), nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, haben es zu internationaler Berühmtheit gebracht, weil sie auf der Staumauer des Cingino-Stausees herumklettern, um von den Steinen Salz zu lecken.

Dorf versank im See

Kaum weniger spektakulär bewirtschaftet Christian Näf, Landwirt von der Göscheneralp UR, den Staudamm des Göscheneralpsees, «Der begrünte Damm dient als kleiner Ersatz für die Grünflächen, die durch den Bau der Anlage verloren gingen», meint Peter Tresch, Leiter des Kraftwerks Göschenen. Immerhin ist in den Fluten des Stausees das eigentliche Dorf Göscheneralp samt Kirche untergegangen.

Tresch ergänzt: «Solch ein Damm braucht Pflege, und da macht es Sinn, dass diese von einem Bauern ausgeführt wird. Dadurch wird sie vor Erosion geschützt, was vor allem wichtig ist, damit im Winter abgleitender Schnee keine Grasnarben aufreisst.»

Im Winter abgeschnitten

Nach dem Bau des Staudamms im Jahr 1960 wurde das Dorf Göscheneralp mit der bereits bestehenden Siedlung Gwüest zusammengelegt. Hier hat Christian Näf vor sieben Jahren einen Milchziegen-Betrieb übernommen. Gwüest wird heute nur noch von 15 Personen ganzjährig bewohnt, allerdings ist die Strasse von Göschenen in den Wintermonaten geschlossen, die Göscheneralp damit abgeschnitten.

Trotzdem entschied sich Näf, den Betrieb mit Walliser Schwarzhals-, Gämsfarbigen Gebirgs- und einigen Pfauenziegen zu übernehmen. Alle Ziegen werden gemolken – sogar die Schwarzhalsziegen, trotz ihrer langen Haare – deren Milch er zu hochwertigem Käse verarbeitet.

Vom Geissbub zum Bauer

Um die teils steilen Flächen auf der Göscheneralp zu bewirtschaften, ist seit je viel Handarbeit gefragt, bei der der Bewirtschafter auf die tatkräftige Mitarbeit von fleissigen Helfern angewiesen ist. Selbst Näf sei einst gekommen, um als Geissenbub mitzuhelfen. «Die Schönheit und die Herausforderung dieses einmaligen Tales haben es mir angetan, und heute ich bin glücklich, wenn ich diese Landschaft mit den widerstandsfähigen Ziegen erhalten darf.»

Heute ist er es, der Hilfe erhält. Gegenwärtig helfen ihm Käserin Lydia Feiler, Adrian Hüppi, der genauso wie Näf gelernter Landwirt und Zimmermann ist und die Dokumentarfilmerin Antonia Meile.

6 Hektaren

Bei einer Breite von 540 Metern und einer Höhe von 155 Metern ergibt sich am trapezförmigen Staudamm eine Fläche von rund sechs Hektaren, die Näf mäht. Ausser einer einachsigen Mähmaschine standen bisher keinerlei maschinelle Hilfsmittel zur Verfügung, um die grosse Fläche zu bearbeiten. Diesen Sommer testet Näf zwar zwei einachsige Heuschieber mit sehr breiten Stollenrädern. «Die Maschinen bewähren sich aber nicht wie gewünscht», so Näf, «weil sich an der Oberfläche viele Steine befinden, die die maschinelle Bearbeitung erschweren und die Maschinen beschädigen.»

Weniger Mühe bereitet die steile Fläche den Ziegen. Direkt vor dem Staudamm befindet sich der Alpungsstall, den Näf liebevoll «die Geisshütte» nennt. 115 Milchziegen verbringen hier den Sommer, während dem sie hauptsächlich auf der linken Seeseite fressen. Vor oder nach der Heuzeit dürfen sie auch auf den Staudamm, um das Gras abzufressen.

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