28.09.2020 17:12
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Nutztiere
Schweiz: 4 neue Nutztierrassen
Vier der Erhaltungsprojekte von ProSpecieRara haben einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Bund nimmt sie in die offizielle Liste der Schweizer Rassen auf. Es handelt sich um eine Schafrasse sowie drei Ziegenrassen.

«Dies ist nicht nur eine Anerkennung für die Arbeit von ProSpecieRara und der engagierten Tierhalter, sondern ist auch eine Chance für die Rassen», teilt ProSpecieRara in einem Communiqué mit.

Neu aufgenommen wurden die Saaser Mutte, die Kupferhalsziege, die Grüenochte Geiss und die Capra Sempione. Es handelt sich um Walliser Rassen, die seit Ende September offiziell auf der Liste der Schweizer Rassen des Bundes aufgeführt sind. Das Prädikat «Schweizer Rasse» hat zwei wichtige Funktionen:

  • das Erscheinen auf der offiziellen Rassenliste des Bundes macht zusätzlich potentielle Halter auf die Rassen aufmerksam. 
  • Zudem besteht für Schweizer Rassen die Möglichkeit, für besondere Projekte, die über die Förderung der täglichen Zuchtarbeit hinausgehen, Fördermittel des Bundesamtes für Landwirtschaft zu beantragen.

Der lange Weg zur Schweizer Rasse

Die Rettung einer bedrohten Rasse läuft fast immer ähnlich ab, schreibt die Organisation: Eine alte Rasse, die vielleicht gar nie einen offiziellen Status oder Rassenamen hatte, weil sie in dieser Gegend einfach die Rasse war, gerät in Vergessenheit. ProSpecieRara wird auf das Verschwinden der Rasse aufmerksam gemacht. Die Organisation begibt sich anschliessend auf die Suche nach den letzten überlebenden Tieren und deren Halter.

Gleichzeitig wird recherchiert, ob es sich tatsächlich um eine Rasse mit Geschichte handelt. Alte Fotos, auf denen die Rasse erkennbar ist, sind oft wertvolle Dokumente. Sobald dieser Status geklärt ist, eröffnet ProSpecieRara ein Herdebuch und erfasst die vorhandenen Tiere inklusive deren Verwandtschaft, soweit bekannt. Falls die Rasse noch keinen Namen hat, wird ihr zusammen mit der Züchterschaft einer verliehen.

Neue Rassen

Anschliessend gilt es, die Rasse bekannt zu machen und sowohl im Ursprungsgebiet als auch darüber hinaus, neue Halter zu finden. Im Optimalfall wächst anschliessend das Züchternetzwerk. Die Tiere werden mit Hilfe des Zuchtbuches geplant verpaart, so dass die Inzucht möglichst klein gehalten wird. Zudem wird ein gemeinsames Zuchtziel definiert. Bis zu diesem Zeitpunkt werden diese «Rahmenhandlungen» alle von ProSpecieRara organisiert.
Mit der Gründung eines Zuchtvereins übergibt die Stiftung viel Verantwortung in die Hände des neuen Vereins. 

Anerkennung als Schweizer Rasse

Im Rahmen der Überarbeitung der Rassenliste des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), ergab sich in diesem Jahr die Möglichkeit, weitere Rassen als offizielle Schweizer Rassen anerkennen zu lassen. Da die historischen Hintergründe bereits gut recherchiert und dokumentiert waren, war die Anerkennung der vier Walliser Rassen eine Formsache.

Anders sieht es fürs Schweizer Dreifarben- Kleinscheckenkaninchen aus, das seit einigen Jahren ebenfalls eine ProSpecieRara-Rasse ist. Das BLW hat definiert, dass nur Rassen als Schweizer Rassen anerkannt werden können, deren Zuchtgeschichte schon vor 1950 begonnen hat. Das Dreifarben- Kleinscheckenkaninchen ist aber erst in den 1970er-Jahren entstanden. 

Die Rassen (Angaben von ProSpecieRara)

Saaser Mutten

Auffällige Rassemerkmale sind die langen Hängeohren und die deutlich ausgebildete Ramsnase. Die Tiere sind hornlos, liefern eine eher feine Wolle und werden hauptsächlich zur Fleischproduktion gehalten. Die Auen lammen asaisonal und bringen nicht selten Zwillinge zur Welt. Saaser Mutten zählen zu den grössten Schweizer Schafen und gelten als ruhig und sehr zutraulich. Man sagt ihnen nach, dass sie enge Beziehungen zu ihren Betreuungspersonen aufbauen. Zu Beginn des Rettungsprojekts wurden die Saaser Mutten bis auf wenige Ausnahmen vor allem im Walliser Saastal gehalten. Nutzung der Wolle und des Fleischs. 

Kupferhalsziege

Allen Walliser Ziegen gemeinsam ist der schlanke, lange Körperbau mit langem Haarkleid und starken Hörnern. Und so präsentiert sich auch die Kupferhalsziege. Da das Rettungsprojekt sich am alten Typus orientiert, steht eine etwas kürzere und damit auch pflegefreundlichere Haarpracht auf dem Wunschzettel des Rassestandards. Das kommt der extensiven Haltung auf der Alp oder in Beweidungsprojekten zugute, wo sich die Tiere weniger im Buschwerk verfangen. Ebenfalls den historischen Bildern entsprechend und im Sinne der Erhaltung alter Eigenschaften, haben die Züchter ein Idealtier vor Augen, dessen Farbwechsel - im Gegensatz zu den Schwarzhalsziegen - vor der Körpermitte liegt. Nutzung des Fleisches, zudem werden die Tiere in der Landschaftspflege eingesetzt.

Capra Sempione (Simplonziege)

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Capra Sempione war die Simplonregion, sowohl auf Schweizer wie auch auf italienischer Seite in die nödlichsten Regionen des Piemont hinein. Im Rahmen des Rettungsprojekts für die Kupferhalsziege stiess ProSpecieRara noch auf wenige Simplerziegen im Wallis und anderen Regionen der Schweiz sowie in Süddeutschland. ProSpecieRara führt seit 2013 alle bekannten Tiere in der Schweiz und in Deutschland gleichwertig im Zuchtbuch der Walliser Ziegen. Der Bestand hat inzwischen die Talsohle durchschritten, ist aber noch immer sehr klein. Nutzung des Fleisches, zudem werden die Tiere in der Landschaftspflege eingesetzt.

Grüenochtegeiss

Im Laufe des Rettungsprojekts für die Kupferhalsziege, stiess ProSpecieRara sowohl auf die ganz weisse Capra Sempione als auch auf die Grüenochtegeiss. Da historisch belegt ist, dass auch sie im Wallis früher häufiger vorkam und Teil der genetischen Vielfalt innerhalb der Walliserziegen ist, wurde das für die Kupferhälse geschaffene Zuchtbuch um die beiden anderen Farbvarianten erweitert. Heute empfehlen wir zwar, bei der Zucht jeweils nur auf eine Farbe zu setzen, dennoch ist die Paarung verschiedener Farben zugelassen und daraus resultierende Jungtiere können im Zuchtbuch erfasst werden. Der Bestand wächst langsam an, dennoch gehört die Grüenochtegeiss noch immer zu den seltensten Ziegenrassen der Schweiz. Nutzung des Fleisches, zudem werden die Tiere in der Landschaftspflege eingesetzt.

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