8.08.2016 16:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Forschung
Sichtschutz „entstresst“ Ziegen
Ziegen benötigen beim Fressen Abstand. Mit einer einfachen Sichtbarriere können sich die Tiere entspannen. Dies geht aus einer Studie der Universität Wien hervor.

Ziegen fühlen sich beim gestresst, wenn sie sich beim Fressen zu stark annähern. Dies deshalb, weil es zu Rangkämpfen kommt. Die Nahrungsaufnahme wird erschwert. Bei der Haltung der Ziegen wird gemäss den Forschern der Uni Wien noch nicht ausreichend auf die räumlichen Bedürfnisse der Tiere eingegangen.

Fressgitter schafft bereits Entspannung

„Um ans Futter zu gelangen, kommen sich die Tiere „unfreiwillig“ viel näher, als sie es wollen. Dies kann zu Verletzungen, Stress und letztendlich Einbussen bei der Milchleistung führen“, lässt sich Projektleiterin Susanne Waiblinger vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien auf der Uni-Website zitieren.

Um die Situation für die Tier zu entspannen, schlagen die Forscher mehrere Massnahmen vor. Fressgitter schaffen bereits eine gewisse Barriere zwischen den benachbarten Fressplätzen. Die Ziegen müssen ihren Kopf durch einzelne Öffnungen stecken, um an das Futter zu gelangen. Die Fressgitter verhindern aber nicht, dass die Tiere sich beim Fressen stören lassen, so die Forscher. Denn sie beobachten aufmerksam, wer sich ihnen nähert.

Keine Kämpfe bei Sichtschutz

Deshalb führten die Forscher der Uni Wien zusammen mit Kollegen des Thünen-Instituts Versuche mit einem zusätzlichen Sichtschutz durch, welche sie auf Kopfhöhe an den Fressgittern anbrachten. Zwei Ziegengruppen wurden jeweils zwei Wochen mit und zwei Wochen ohne Sichtblenden gehalten.

Die Resultate sprechen für den Sichtschutz. Ranghohe Ziegen frassen ruhiger, weil sie durch die Blenden keine Sicht auf die Fressplätze neben sich hatten, halten die Forscher fest. Konkurrenten mussten nicht verjagt werden, da sie nicht im Sichtfeld lagen. Die rangniederen Ziegen wurden weniger von ihrem Fressplatz verdrängt. „Die Fütterungszeit zeichnete sich so durch eine entspanntere Situation mit weniger Störungen beim Fressen aus. Aggressionen verringerten sich merklich“, so das Fazit.

Für alle Herdentiere verlief die Fütterungszeit entspannter. „Sichtblenden können daher als unterstützende Massnahme am Fressplatz empfohlen werden“, hält Susanne Waiblinger fest. Längerfristig verbessere dies die Gesundheit und die Milchleistung.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE