29.09.2014 17:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Wallis/Italien
Täter gefasst - 6 von 103 gestohlenen Schafen entdeckt
Erfolg bei der Fahndung nach den verschwunden 103 Saaser Mutten. Wie die Stiftung Pro Specie Rara am Montag mitteilt, wurden 6 Tiere der stark bedrohten Rasse im italienischen Domodossola entdeckt. Der Verdacht des Diebstahls hat sich erhärtet. Zwei Männer gaben die Tat zu.

Die Suche nach den gestohlenen Schafen wurde Mitte September bis ins italienische Grenzgebiet ausgeweitet. Das Fehlen der 103 Tiere war beim traditionellen Alpabgang entdeckt worden. Bei der Schafscheid in Saas-Almagell VS hätten die Tiere nach dem Sommer auf der Alp wieder den Besitzern übergeben werden sollen. Von den über 350 Tieren fehlten aber rund hundert.

Diebe hatten Schulden

Die Saaser Mutten sind eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse. Diese sind sehr alptüchtig und für ihre langen Ohren und Beine bekannt. Der Züchter schätzen die Schadenssumme auf etwa 40'000 Franken, was ungefähr 400 Franken pro Tier bedeutet. Die betroffenen Züchter hatten bei der Polizei in der Schweiz und Italien Anzeige erstattet.

Die Ermittlungen der italienischen Wildhüter waren erfolgreich. Wie es im Communiqué von Pro Specie Rara heisst, konnten die Täter dingfest gemacht werden. Es handelt sich um zwei italienische Schafhalter (Vater und Sohn). Sie haben die 103 Schafe aus dem Mattmarktgebiet gestohlen. Als Grund gaben sie an, damit Schulden begleichen zu wollen.

Ohrmarke entfernt

Bei den 6 gefundenen Tieren haben die Diebe die Ohrmarke entfernt und die Glocken abgenommen, um die Herkunft zu vertuschen. Weil die Züchter ihre Tiere gut kennen, vom Alpsommer Reste von Farbmarkierungen sichtbar waren und zudem zwei der Tiere ein für viele Saaser Mutten typisch geschecktes Fell haben, konnten die Tiere eindeutig ihren Besitzern zugeordnet werden.

Die Spur zu den Schafen führte über einen Restaurantbesitzer, der den beiden Männern die Schafe als Zahlung für offene Schulden angenommen und weiterverkauft hatte. Da es für den Rücktransport eine Bewilligung benötigt, bleiben die Schafe vorerst in Italien.

Hoffnungen für übrige Tiere gering

Für die übrigen 97 Tiere sind die Hoffnungen auf ein Wiederauffinden eher gering. Die Ermittlungen werden gemäss Mitteilung intensiv fortgesetzt. Die Täter geben aber keine weiteren Details bekannt. Philippe Ammann, Leiter des Rettungsprojekts für die Saaser Mutten bei Pro Specie Rara, freut sich zwar über die sechs gefundenen Schafe.

„Aber es macht mich sprachlos und wütend, dass die italienische Justiz den Tätern nicht vehementer auf den Zahn fühlt. Die Täter sind auf freiem Fuss, für die italienische Polizei scheint der Verbleib der 97 Schafe nicht wirklich hohe Priorität zu haben“, so die deutlichen Worte von Ammann. Zufrieden zeigt der Projektleiter indes mit den italienischen Wildhütern.

Pro Specie Rara setzt sich für den Erhalt der Saaser Mutten ein, von denen es gemäss Schätzungen noch 400 bis 500 Tiere gibt. Die von den italienischen Bergamaskerschafen abstammende Rasse gilt als gefährdet. In den letzten 15 Jahren sank der Bestand um schätzungsweise 75 Prozent. Die Stiftung eröffnete deshalb ein Zuchtbuch für die Schafrasse, das als Grundlage für eine Erhaltungszucht dienen soll.

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