3.05.2017 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
TVD
Uneinigkeit über TVD-Pflicht
Die Tierverkehrsdatenbank sei wichtig für die Moderhinkebekämpfung und die Glaubwürdigkeit der Schweizer Schafhaltung, sagt der SSZV. Die Berufsschäfer hingegen kritisieren Mehraufwand und Zusatzkosten.

Am 16. März 2017 hat Nationalrat Andreas Aebi (SVP/BE) eine Motion eingereicht, in der er den Bundesrat auffordert, für Schafe die analogen Vorgaben bezüglich Tierverkehrsdatenbank (TVD) zu erlassen, wie sie für die Tiere der Rindergattung seit Jahren gelten. Das würde nebst der bereits geltenden Markierung jedes Lammes die Meldung an die TVD bei Geburt, Verschiebung und Abgang bedeuten.

«Unnötig und teuer»

Aebi begründet sein Begehren wie folgt: «Die TVD stellt die Rückverfolgbarkeit von Schweizer Schaffleisch, -milch und -wolle sicher, was den Konsumenten Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Schweizer Schafprodukte vermittelt.» Dies sei von zentraler Bedeutung für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Schweizer Schafproduktion. Als Nebennutzen liefert die TVD wie beim Rindvieh automatisch die für Direktzahlungen notwendigen Zahlen. Dadurch würden die Schafhalter von aufwendigen Berechnungen befreit.

Unter den Schafhaltern herrscht Uneinigkeit bezüglich der Motion. Der Verband Schweizerischer Berufsschäfer sei gegen höhere bürokratische Hürden für die Schafhalter, wie Präsident Simon Lepori in einem Artikel der «Bauernzeitung» sagt. Angesichts des kurzen Lebens der meisten Schlachtlämmer genüge es, wenn man wisse, wer der Geburtsbetrieb sei, so Lepori. Die Berufsschäfer lehnen daher den Zusatzaufwand und die Mehrkosten für die TVD-Meldung ab.

«Nötig und sinnvoll»

Anders tönt es beim Schweizerischen Schafzuchtverband (SSZV) und beim Zentralschweizer Schafhalterverein, die sich gegen die Aussage Leporis wehren, sie bestünden in erster Linie aus Nebenerwerbsschafhaltern: «In unseren Verbänden sind viele Schafhalter, welche von der Schafhaltung leben, organisiert», sagt Werner Wicki, Leiter Produktion und Vermarktung beim SSZV. «Transparenz und Glaubwürdigkeit sind wichtig. Dies erreichen wir nur mit einer sauberen Tiergeschichte», ist er überzeugt.

Die Information über das Alter der Lämmer sei wichtig, um eine konstante und gute Lammfleischqualität zu gewährleisten. Zudem sei die TVD die Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung der Moderhinke. «Ein professioneller Schafhalter muss für eine Bekämpfung dieser für das Tier qualvollen und imageschädigenden Seuche sein», so Wicki. Dazu komme, dass das Bundesamt für Landwirtschaft künftig tierbezogene Beiträge (z.B. Raus) nur noch auszahle, wenn die durchschnittliche Jahresbelegung transparent nachgewiesen werden könne. 

Aktiv mitgestalten

Dass das kurze Leben der Lämmer eine Erfassung nicht rechtfertige, bezeichnet der Zentralschweizer Schafhalterverein in einem Schreiben als «branchenschädigende Aussage».

«Mit den heutigen Instrumenten ist eine Einzeltierrückverfolgbarkeit machbar und wird von den IP-Suisse-Produzenten auch schon länger erfolgreich umgesetzt», erklärt Wicki. «Wir fordern elektronische Ohrmarken für ein effizientes Herdenmanagement und die frühzeitige Einbindung der gesamten Branche in die Umsetzung.»


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