12.07.2018 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Bern
Wolf reisst Tiere: Abschuss gefordert
Seit einigen Monaten richtet ein Wolf im Grenzgebiet Hohgant BE mächtiges Unheil an. Nach mehreren Attacken und Rissen an Ziegen und Schafen haben sich nun einige Älpler zusammengetan und eine Abschussbewilligung des Raubtiers gefordert. Eine Augenzeugin erzählt im Gespräch mit schweizerbauer.ch, wie sie dem Wolf während einem Ziegenriss in die Quere kam.

Bereits im Frühling wurde in der Hohgant-Region mehrmals ein Wolf gesichtet. Dieser bewegt sich sogar tagsüber in der Nähe der Alphütten. Beim Tier handelt es sich um den Wolf M76. Ein Älpler hat diesen bereits am ersten Tag auf der Alp bei seiner Schafherde gesichtet. Dem Hirten gelang es, den Wolf zu vertreiben. Jedoch hinterliess dieser schon zum Sömmerungsstart 2 verletzte Schafe. In der Nacht sei er zurückgekehrt und habe mehrere Schafe gerissen.

Älplerin stört den Wolf- jedoch zu spät

Der Wolf sei nun immer weiter hinten am Hohgant unterwegs. Anfang Woche, als eine Älplerin zu Bett gehen wollte, warf sie wie jeden Abend einen Blick zum Fenster hinaus zu ihren Tieren. Als sie bei den Rindern und Ziegen eine riesige Aufregung feststellte, rannte sie ohne Laterne- aber mit einem Stock «bewaffnet» - den Hügel hoch. Einige Ziegen hat sie bei den Rindern gesehen. Die Bäuerin schrie laut, weil ihr sofort klar war, dass der Wolf für die Aufregung der Tiere verantwortlich sein musste.

Sie lief weiter, bis sie eine Ziege am Boden liegend entdeckte. Die Geiss verblutete und starb. Es scheint, als hätte die Älplerin den Wolf gestört und verjagt. Vor lauter Wut habe sie trotz der grossen Trauer über die tote Ziege keine Träne hervorgebracht, wie sie schweizerbauer.ch in einem Gespräch erzählt. Daraufhin stallte sie die Ziegen zur Sicherheit ein. Eine andere Geiss wurde vom Wolf schwer am Euter verletzt. Diese muss nun im Stall bleiben und wird mit Antibiotika behandelt. Am nächsten Tag bestätigte ein anwesender Wildhüter mit DNA-Proben die Wolfsrisse.

Forderung zum Abschuss eingereicht

In den vergangenen zwei Wochen seien mehrere Ziegen und ein Gitzi auf anderen Alpen gerissen und schwer verletzt worden. Nun haben sich ein paar Älpler zusammengetan. Sie fordern eine Abschussbewilligung von M76. Sie stützen sich dabei auf das Wolfskonzept Schweiz, welches bei konkreter Gefährdung in Einzelfällen Abschüsse vorsieht. Insgesamt sei das Raubtier seit 2017 für 31 Übergriffe verantwortlich.

Besorgniserregend sei insbesondere, dass sich dieser Wolf sehr nahe an den Menschen bewege – und das sogar bei Tageslicht. Einige Älpler haben sich nun entschieden, die Ziegen ins Tal zu bringen. Für die Alpen sei dies aber ein grosser Nachteil, denn die Kleinwiederkäuer fressen Unkraut und Stauden, und räumen somit die Weiden auf. 


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