19.01.2013 07:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Schweine
«Antibiotika werden uns beschäftigen»
Tierärztin Judith Peter ist seit Anfang Jahr Leiterin des Schweinegesundeitsdienstes (SGD), eines Geschäftsbereichs der Suisag. In nächster Zeit werde sich der SGD stark mit der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beschäftigen.

«Schweizer Bauer»: Was tut eigentlich der SGD?
Judith Peter: Unser Auftrag ist, den hohen Gesundheitsstatus in der Schweiz zu erhalten. Die Grundlage ist eine bundesrätliche Verordnung, wonach der SGD eine flächendeckende, fachliche Betreuung der Schweinehaltungsbetriebe gewährleisten muss. Wir können das entweder selber oder mithilfe von Bestandestierärzten tun. Wir sind zwischen den Praktikern und den amtlichen Tierärzten angesiedelt. So kümmern wir uns um die «grauen» Krankheiten, bei denen das Tierseuchengesetz nicht greift. Das Schwergewicht liegt zunehmend auf Beratung und weniger auf Kontrollen.

Sie sind sowohl vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) als auch von der Suisag abhängig. Ist das kein Problem?
Die Finanzierung kommt zu zwei Dritteln aus den Beiträgen der Betriebe, zu einem Drittel vom BVet und den Kantonalen Veterinärdiensten. Alle SGD-Richtlinien müssen durch den Zentralvorstand der Suisseporcs abgesegnet werden. Die Produzenten bestimmen via die Suisseporcs und die Fachkommission SGD, zusammen mit Vertretern des BVet, der Kantonstierärzte, der Vetsuisse-Fakultäten und der Vermarkter unser Programm. Wir sind also vor allem Ausführende, können unser Fachwissen und Erfahrung einbringen.

Dann sind Sie auch eine Vollzugsbehörde des BVet?
Nein. Wir sind keine Kontrolleure. Wir haben zwar den Auftrag mitzuhelfen, die Gesetzgebung auf den Betrieben umzusetzen. Gröbere Verstösse gegen das Tierschutzgesetz werden aber gemeldet und bewirken eine Zurückstufung des Gesundheitsstatus. Kleinere Verstösse werden im Protokoll vermerkt und Massnahmen festgehalten. Die Beratung hat mehr Bedeutung und dafür muss ein Vertrauensverhältnis zum Betriebsleiter vorhanden sein. Aktuell ist der Medikamenteneinsatz ein grosses Thema. Der Antibiotikaeinsatz wird uns stark beschäftigen.

Was kann man überhaupt tun, damit es weniger Antibiotika braucht?
Wir versuchen, den Betrieben zu helfen, Fehler im Management zu finden. So machen wir regelmässig Stallklimamessungen. Da lässt sich oft mit kleinem Aufwand viel erreichen. Wir haben auch angefangen, gezielt Alternativprodukte zu sammeln, welche man beispielsweise beim Absetzen brauchen kann. Wissenschaftliche Studien machen wir nur in Zusammenarbeit mit den Vetsuisse-Fakultäten. Wir sammeln aber Erfahrungen in der Praxis mit unterschiedlichen Methoden und Hausmittelchen. Bei der Antibiotikareduktion haben wir allerdings mehr vor. Es gibt ja auch politische Vorstösse. Es sieht danach aus, dass es eine integrale Strategie zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes geben wird. Wir wollen unsere Betriebe davon wegbringen, vorbeugend Antibiotika einzusetzen, und sie nicht im Regen stehen lassen, wenn allenfalls ein Antibiotikaverbot kommen sollte.

Dann erwarten Sie, dass der Antibiotikaeinsatz verboten oder stark eingeschränkt wird?
Ja, es sieht so aus. Die Schweiz wird sich beim Vorgehen auch über die Grenzen orientieren müssen. Beim gezielten Verbot eines bestimmten Antibiotikums besteht die Gefahr, dass es durch ein anderes ersetzt wird, das andere Probleme mit sich bringt. Ein Verbot darf nicht zu Tierschutzproblemen, vielen kranken oder toten Tieren führen.

Der hohe Standard bei der Tiergesundheit ist wegen der zunehmend offenen Grenzen gefährdet. Das haben die PRRS-Fälle gezeigt. Was kann der SGD dagegen tun?
PRRS hat uns gezeigt, dass wir als Drehpunkt für alle, die Informationen brauchen, mithelfen und unser Fachwissen und Erfahrungen einbringen können. Die Arbeit des SGD erfolgt meist im Hintergrund, bringt aber allen Produzenten etwas. Wir haben einen Überblick über die ganze Schweiz und können schnell reagieren, wenn neue Probleme auftreten. Wir werden versuchen, den Druck aufrechtzuerhalten, dass EU-Tiertransporte durch die Schweiz nicht erlaubt werden. Wir können darauf hinweisen, was die Seuchen kosten.

Sind vor dem Hintergrund der sich öffnenden Grenzen die Anforderungen beim A- und AR-Status noch zeitgemäss?
Bezüglich Import werden die Anforderungen sicher verschärft. Aber das betrifft nur wenige Betriebe. Bezüglich Antibiotikaeinsatz gäbe es Möglichkeiten zur Unterscheidung zwischen Betrieben, welche gar nichts oder viel einsetzen. Damit könnte man auch die Betriebe, welche wenig einsetzen, besonders auszeichnen. Wirklich Schub würde es vor allem geben, wenn die Abnehmer das finanziell honorieren würden.

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