19.07.2016 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Hitze
«Bei 30 Grad im Stall muss ich handeln»
Steigt die Temperatur im Stall über einen gewissen Wert, sinkt die Produktivität. Gerade im letzten Jahr wurde dies deutlich. Dennoch werden in der Schweiz kaum Ställe gekühlt. Der Aufwand dafür wäre relativ gering.

«Nach dem letzten Jahr musste ich reagieren!» Für Jungbauer Florian Iten aus Hünenberg ZG war das lang anhaltende heisse und trockene Wetter des Sommers 2015 ausschlaggebend, dass er sich grundlegend mit den Auswirkungen zu hoher Temperaturen im Zuchtsauen-Stall auseinandergesetzt hat.

«Es ist klar, dass sich 30 Grad im Stall stark negativ auf die Produktion oder Zunahmen von Sauen auswirken», stellt Iten fest. Es sollte also eine Lösung her, die ohne grosse Investition oder Umbauten die Lufttemperatur im bestehenden Moorenstall um etwa 5 Grad senken konnte. «Für mich ebenfalls wichtig war, dass das neue System nicht wartungsintensiv ist», fügt der Jungbauer an.

Beugt Mortellaro vor

Fündig wurde er schliesslich bei der Unternehmung BRS-Hoftech in Willerzell SZ. Diese führt seit Kurzem einen Grossraumlüfter im Sortiment, welcher nicht wie bisherige Systeme durch Windchill (Zugluft), sondern mittels Evaporationstechnik die Temperaturen senkt. «Dadurch blase ich keine feuchte Luft in den Stall, was gerade im Sommer in Bezug auf Keime ein Vorteil ist», betont Iten.

Michael Rüttimann von der BRS-Hoftech ergänzt diesbezüglich, dass die Evaporationstechnik gerade auch bei Rinderställen einen gewichtigen Vorteil biete. «Angesicht der grassierenden Erdbeerkrankheit (Mortellaro), sollten Liegeboxen oder Gänge so trocken wie möglich gehalten werden, was bei konventionellen Kühlsystemen häufig vernachlässigt wird.» Aber selbstverständlich auch in Bezug auf die Eutergesundheit biete das System durch die Kombination aus Lüftung und Kühlung wesentliche Vorteile.

Energiekosten einsparen

Für den Zuchtbetrieb von Florian Iten scheint sich die Investition bereits gelohnt zu haben. «Auch wenn das bisherige Jahr noch nicht so heiss war, konnte die Temperatur an warmen Tagen im Stall um rund 4°C gesenkt werden», erklärt Iten. Ausserdem erlaube ihm die  Zufuhr gekühlter Luft, den Lüfter auf halber Stufe laufen zu lassen, wodurch er zusätzlich Energiekosten einsparen könne.

Auch das Einrichten und die Inbetriebnahme des Lüfters seien simpel gewesen. «Die Installation konnte ich selber machen – Steckdose, Wasseranschluss, fertig.» Auch gebe es weder Düsen, die verkalkten, noch müsse Wasser nachgefüllt werden. «Das System hat einen geschlossenen Wasserkreislauf. Das wenige Wasser, das verdunstet, läuft per Wasseranschluss mittels Schwimmer selbstständig nach», erklärt Iten.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die ins Gebäude führende Luft muss einerseits gekühlt werden, sodass die Temperaturen im Stall gesenkt werden und so für die Tiere ein angenehmes Klima geschaffen wird. Die Tiere selbst regulieren ihre Temperatur durch Schwitzen. Über das Verdunsten an der Körperoberfläche geben sie Wasser an die Umgebung ab. Damit dies möglich ist, muss die Umgebungsluft regelmässig ausgetauscht und die Feuchtigkeit damit weggetragen werden. Hühner können nicht schwitzen, geben aber Feuchtigkeit über die Schleimhäute der Atemwege ab. Dies bringt bestimmte Anforderungen an moderne Lüftungssysteme mit sich.

Eine gute Lösung bieten da Systeme mit sogenannter Evaporationstechnik. Hier wird einer wabenähnlichen Struktur aus Zellulose Wasser zugeführt, wobei es zu einem grossflächigen Wasser-Luft-Kontakt kommt. Mittels Ventilator werden durch die Waben grosse Mengen Luft angesogen. Da dabei immer etwas Wasser verdampft, entzieht es der Luft viel Wärme. So kann die Luft ohne zusätzliche Energie abgekühlt werden. Für die Umwälzung des Wassers ist eine kleine Pumpe nötig, welche die Waben mit Wasser aus einem Reservoir befeuchten. So wird die Luft um 5 bis 8°C abgekühlt. Hauptvorteile dieser Technik sind der tiefe Energieverbrauch  und das grosse Luftvolumen, das innert kurzer Zeit gekühlt wird. 

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