15.04.2018 11:12
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Lokalbetäubung bei Ferkelkastration gefordert
Nach dem Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration Anfang 2019 in Deutschland müsse die Lokalanästhesie durch den Landwirt als „vierter Weg“ eine zusätzliche Alternative sein. Dies hat das Schweinezuchtunternehmen German Genetic kürzlich in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gefordert.

Bei den bisherigen Verfahren Ebermast, Immunokastration mit Improvac und die Betäubung mit Isofluran bestünden noch viele offene Fragen, betonte das Unternehmen. Deshalb könnten diese Vorgehensweisen nicht uneingeschränkt empfohlen werden.

Sofern zu diesen drei Optionen kein vierter Weg hinzukomme, der eine Kastration von Ferkeln mit „weitestgehender Schmerzausschaltung“ durch den Landwirt selbst möglich mache, werde das zu einem bisher unvorstellbaren Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung führen, warnte German Genetic.

Hinzu komme, dass die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe stark eingeschränkt werde, wenn Tiere beispielsweise aus Dänemark nach Deutschland kämen, wo diese Lokalanästhesie vom Gesetzgeber bereits ermöglicht worden sei.

Dänemark als Vorbild


Der vierte Weg wird in Deutschland dem Zuchtunternehmen zufolge bisher wesentlich durch die Interpretation des Begriffs „wirksame Schmerzausschaltung“ als „völlige Schmerzfreiheit“ blockiert.

Die für Betäubungsverfahren „übliche Schmerzausschaltung“, die im Übrigen so auch für Menschen gelte, wäre in diesem Zusammenhang jedoch die richtige und passende Interpretation beziehungsweise Auslegung, heisst es in dem Schreiben. Für die deutschen Ferkelerzeuger sei deshalb eine Umsetzung wie in Dänemark, wo der vierte Weg ab dem kommenden Jahr als Branchenstandard eingeführt werde, ein absolut gangbarer Weg.

Katastrophe für Ferkelbranche verhindern

German Genetic appelliert in dem Brief an die Ministerin, diese praktikable aber auch tierschutzkonforme Interpretation und Auslegung in Bezug auf die Begrifflichkeit der Schmerzausschaltung anzustreben und möglichst zeitnah umzusetzen.

Nur wenn diese Option gegeben sei, könnten weitere Schritte für den vierten Weg rechtzeitig angegangen und umgesetzt werden, um eine „katastrophale Entwicklung für die deutsche Ferkelproduktion“ ab dem 1. Januar 2019 zu verhindern.

Vor rund einem Jahr hatte bereits ein breites Bündnis von Organisationen und Unternehmen der Fleischbranche in der „Herriedener Erklärung“ die Lokalanästhesie durch Landwirte als zusätzliche Alternative gefordert. 

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