15.03.2014 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Organisationen
«Den Konsumenten kann man nicht einsperren»
Der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs wird am 14. Mai einen neuen Präsidenten wählen. Der einzige Vorgeschlagene ist Meinrad Pfister aus Altishofen LU.

«Schweizer Bauer»: Sie sind als einziger als Suisseporcs-Präsident nominiert. Kann man zur Wahl gratulieren?
Meinrad Pfister: (lacht) Nein, die Wahl ist am 14. Mai. Bis dann warten wir besser noch...

...aber es sieht alles danach aus, dass Sie neuer Präsident von Suisseporcs werden?
Es kann sich noch jeder Schweinehalter melden.

Was würde Sie im neuen Amt erwarten? 
Als Erstes ist es eine grosse Herausforderung aufgrund der jüngsten Unruhen. Dann kann sicher die allgemeine Verbandsarbeit erwähnt werden. Die Mitgliedschaft bei Suisseporcs basiert auf totaler Freiwilligkeit. Von dem her ist es eine Herausforderung, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich rufe alle Schweinehalter auf, die Suisseporcs zu unterstützen und sich kritisch, aber immer konstruktiv einzubringen. Ich bin offen gegenüber Kritik, solange sie konstruktiv und nicht nur zum Eigennutz ist. Geschlossen können wir sehr viel bewegen, wie ich in der Vergangenheit immer wieder erlebt habe.

Sie haben es angesprochen, es gab ja Knatsch zwischen Geschäftsführer und Präsident. Wie kann Ruhe in den Verband gebracht werden?
Ich bin schon seit 2000 im Verband tätig. Ich habe fünf Jahre die Sektion Zentralschweiz als Präsident geleitet. 2006 wurde ich Verwaltungsrat der Suisag, einer Tochter der Suisseporcs, wo ich 2009 das Präsidium übernahm. Ich kenne die ganze Organisation von innen ganz gut. Das wird mir sicher helfen, Verständnis aufzubringen, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Die grosse Kunst ist es, als Präsident zu vermitteln und zu versuchen, die Leute ins Boot zu holen und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Unterscheiden Sie sich in der konstruktiven Zusammenarbeit von Ihrem Vorgänger?
Das Geschehene soll man ruhen lassen. Ich kenne den bisherigen Präsidenten gut, und wir verstehen einander nach wie vor sehr gut. Ich möchte lieber in die Zukunft schauen.

Bis anhin hat man versucht den Schweinezyklus zu glätten. Werden künftig auch Anstrengungen unternommen, um stabilere Preise zu haben?
Nein. Derzeit befinden wir uns gerade in einer gesunden Marktsituation, da sind solche Anliegen nicht mehrheitsfähig.

Und in Zukunft?
Spätestens beim nächsten Überangebot werden diese Stimmen wieder lauter. Eine Mengenplanung wie bei der Geflügelproduktion funktioniert bei den Schweinen nicht, weil der Selbstversorgungsgrad höher ist und die Umwelteinflüsse zu viel grösseren Angebotsschwankungen führen. Beim CNf-Label existiert schon eine Mengenplanung, welche nicht schlecht funktioniert. Wichtig dabei ist, dass vor jeder Angebotsplanung eine saubere Absatzplanung gemacht wird! Dazu müssen die Marktpartner transparent zusammenarbeiten. Der Schweinehalter ist aber diesbezüglich sehr skeptisch. Sich dazu Gedanken zu machen, soll aber nicht verboten sein, im Moment ist das aber weit weg.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Zusammenhang der neuen Agrarpolitik?
Mühe macht uns die mangelnden Förderung des Getreideanbaus. Das stört uns. Da haben wir auch massiv interveniert, bis jetzt allerdings ohne Erfolg. Dies machen wir übrigens in Koordination mit dem Bauernverband. Wir möchten unser Futter in der Schweiz produziert sehen.

Gibt es weitere Anliegen?
Ich möchte die Bauern aufrufen, geschlossen aufzutreten. Ich werde mithelfen, dass sich alle Marktpartner, vom Futterlieferanten bis hin zum Detailhändler, besser verstehen, mit dem Ziel, das qualitativ hohe Niveau zu halten. Denn schlussendlich haben alle Teilnehmer in der Wertschöpfungskette den einen Konsumenten als Kunden. Auch wenn es uns gelingen sollte, die Grenzen noch einige Zeit abzuschotten, den Konsumenten kann man schlussendlich nicht einsperren. Dieser geht trotzdem über die Grenze zum Einkaufen. Deshalb muss die Qualität unser oberstes Ziel sein, welches uns gegenüber dem Ausland abhebt.

Sich abheben ist das eine, dass es der Konsument erfährt, das andere?
Ja. Das gehört zu unserer täglichen Arbeit. Aber dazu müssen immer wieder Argumente geschaffen werden. Ich betrachte das als grosse Chance. Lebensmittel sind stark mit Emotionen verbunden, und damit lässt sich bestes Marketing betreiben.

Zur Person 

Meinrad Pfister bewirtschaftet seit 1995 einen Schweinezucht- und Mastbetrieb in Altishofen LU. Er hält unter dem Label TerraSuisse 100 Muttersauen und 500 Mastschweine. Zudem baut er 10 ha Kartoffeln an. Er beschäftigt einen Betriebsleiter und einen Angestellten. Pfister ist 46 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. rab

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE