23.04.2020 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Lüthi
Bern
Freilandschweine versus Bodenschutz
Dass Schweine im Freien gehalten werden, ist vom Konsumenten gewünscht. Doch ist diese Produktionsform bodenschonend?

Fährt man von Cudrefin VD Richtung Gampelen BE, so durchquert man nach der Brücke über den Broyekanal die Felder des Landwirtschaftsbetriebes der Anstalten von Witzwil BE. Mit rund 825 Hektaren Gesamtfläche ist Witzwil der grösste Schweizer Landwirtschaftsbetrieb. 

Vielseitige Produktion 

Auf den grossen, ebenen Feldern werden Getreide, Mais, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben, Eiweisserbsen, Sonnenblumen, Soja, etc. angebaut. 90 RH-Milchkühe stehen für die Milchproduktion zur Verfügung, und mit einer Herde von Simmentaler Mutterkühen wird hochwertiges Weidebeef erzeugt.

Dazu wird seit vielen Jahren grossflächig die Freilandhaltung von Schweinen betrieben. Der Auslauf der Tiere auf grossen, umzäunten Weiden ist beachtlich, und es macht Freude zuzuschauen, wie sich die Tiere sichtlich wohlfühlen beim artgemässen Durchwühlen des Bodens. 

Fragen zum Bodenschutz

Auf den ersten Blick scheint diese Freilandhaltung, speziell aus der Sicht des Tierwohls, eine ideale Haltungsform zu sein. Schaut man jedoch genauer hin und bedenkt dabei auch die heutigen Forderungen betreffend den Schutz der immer mehr unter Druck geratenden und schrumpfenden Landwirtschaftsböden, gerade im Grossen Moos, so muss es erlaubt sein, Fragen bezüglich dieser Haltungsart zu stellen.

Jeder Landwirt ist aus eigenem Interesse und zunehmend auch von Staates wegen gefordert, seiner Produktionsressource Boden Sorge zu tragen und zu verhindern, dass sie durch falsche oder zu intensive Bewirtschaftung, respektive Bearbeitung, geschädigt wird. Humusaufbau, optimale Bodenstrukturen und Böden, die leben, sind das Gebot der Stunde. Wer der Bodenerosion nicht vorbeugt oder wehrt, kann sanktioniert werden.

Abbau der organischen Substanz

Der Bund honoriert bodenschonende Anbautechniken mit Ressourceneffizienzbeiträgen, und im Kanton Bern gibt es ein kantonales Bodenförderprogramm. Wie präsentiert sich das Bild der Freilandhaltung von Schweinen bezüglich der erwähnten Forderungen? Die Schweineweide links der Strasse Richtung Platanenhof bot Mitte März folgendes Bild: Total und tiefgründig durchwühlt, stehendes Wasser auf weiten Flächen und ganzflächig unbefahrbar. Weit draussen war noch ein Schwein neben einer der Hütten zu sehen. 

Seit letztem Sommer waren auf dieser grossen Witzwiler Parzelle Schweine gehalten worden, die über all die Monate den Boden andauernd massiv bearbeiteten. Auch bei trockenen Wetterbedingungen diesen Winter wäre die konstante Durchwühlung des Bodens durch die Schweine intensiv ausgefallen, wie in den vergangenen Jahren zu beobachten war. Die andauernde Luftzufuhr in den Boden bewirkt bekanntlich einen Abbau der organischen Substanz (Humus), was bei ehemaligen Moorböden wie auf der Domäne Witzwil die Problematik des Humusabbaus verschärft.

Problematik ist bekannt

Damit sich der Boden regenerieren könne, würden erst in fünf Jahren wieder Schweine auf dem betreffenden Feld geweidet, wurde vom Leiter des Cost-Centers Landwirtschaft Witzwil, Alfred Burri, auf Anfrage mitgeteilt. In diesem Jahr werde darauf Mais angebaut. Die Besatzstärke sei stark geregelt: Pro Schwein stünden 200m2 Boden zur Verfügung. Verglichen mit der konventionellen Schweinehaltung sei dies eine Luxushaltung für Schweine, so Burri.

Dementsprechend werde dieses einmalige Schweinefleisch auch im Hochpreissegment vermarktet. «Diese Beurteilung Burris entspricht auch unserer Einschätzung», so die Antwort von Wolfgang Sturny, Leiter der Fachstelle Bodenschutz des Kantons Bern. Bei der Planung dieses Betriebszweiges hätten damals die «Richtlinien zur Freilandhaltung von Schweinen» als Diskussionsgrundlage gedient, wohlwissend dass sich ein entwässerter Torfboden anders verhalte als ein Mineralboden. 

Der Autor ist der Ansicht, dass bei dieser Freilandhaltung von Schweinen Zielkonflikte zwischen dem Tierwohl, dem Bodenschutz und der Wertschöpfung nach wie vor bestehen und einer vertieften Diskussion wert wären, sobald es die aktuelle Gesundheitssituation wieder erlaubt.


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