Mittwoch, 17. August 2022
06.12.2021 06:33
Schweinehaltung

«Hätten Stallbauprobleme bei Annahme der MTI»

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Von: rup

Viele Schweinehalter sorgten sich wegen der tiefen Preise, der Massentierhaltungsinitiative (MTI) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP), sagt Stefan Müller, Geschäftsführer von Suisseporcs im Interview.

«Schweizer Bauer»: Sie sind nun ein gutes halbes Jahr Geschäftsführer von Suisseporcs. Was ist Ihnen in dieser Zeit besonders aufgefallen?

Stefan Müller: Grundsätzlich nehme ich einen sehr guten Groove in der Branche wahr. Alle helfen mit, auch wenn  verschiedene Betriebe und unterschiedliche Produktionsrichtungen vereint werden müssen. In der Vergangenheit gab es sicherlich gewisse Interessenkonflikte in der Branche. Es ist jetzt aber gelungen, den Brand zu löschen. Jetzt ist man daran, das Haus «Schweine Schweiz» wieder aufzubauen.

Wie haben Sie den Schweinemarkt wahrgenommen?

Zweifelsohne befinden wir uns seit meinem Antritt im Juni in einer sehr schwierigen Situation. Man kann niemandem einen Vorwurf machen, der in den letzten Jahren Geld verdient hat, als die Preise gut waren. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es ein Strukturproblem ist und dass wir einen Schweinezyklus haben, der immer verzögert läuft. Die Schlachtschweine, die jetzt geschlachtet werden, wurden vor 42 Wochen gezeugt. Da wir in der Schweiz einen freien Markt ohne Mengensteuerung haben, ist es nicht möglich, manuell in diesen Zyklus einzugreifen.

Andererseits nimmt der Schweinefleischkonsum stetig ab. Ist das Preisproblem auch bei der Nachfrage zu suchen?

Der Jahreskonsum nahm tatsächlich seit 2011 um zirka 4 Kilo pro Kopf ab. Er stagnierte in den letzten beiden Jahren. Wir haben in der Schweiz ein Preisproblem, wenn  der Inlandanteil höher als 94 Prozent liegt. Unsere optimale Inlandproduktion liegt bei 93 Prozent. Zu viel und zu wenig liegen nahe beieinander.

Wie wollen Sie Schweinefleisch wieder populärer machen?

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Proviande zeigt, dass drei von vier Personen der Schweizer Tierhaltung vertrauen. Das ist sehr erfreulich. Natürlich gibt es mehr Flexitarier, die nicht mehr jeden Tag Fleisch essen. Aber damit kann unsere Branche leben. Wir stellen aber auch fest, dass immer noch viele Irrtümer bei den KonsumentInnen vorhanden sind. Stellen Sie sich vor: Viele Leute sind immer noch der Meinung, dass antibiotische oder hormonelle Leistungsförderer eingesetzt werden! Das tut weh, denn  in der Schweiz sind diese seit 1999 verboten. Für eine bessere Aufklärung haben wir vor einem Jahr die Marke «saugut!/très fort le porc!» ins Leben gerufen.

Vor Ihrer Tätigkeit bei Suisseporcs arbeiteten Sie bei Melior und kennen daher die Branche gut. Welches sind die grössten Sorgen der Schweinehalter?

Am meisten Sorge bereiten den Schweinehaltenden die politischen Initiativen. Schon die beiden Agrarinitiativen, über die im Juni 2021 abgestimmt wurde, waren ein riesiger Kraftakt der ganzen Branche. Jetzt steht die Massentierhaltungsinitiative (MTI) vor der Tür. Deren Umsetzung würde nicht erst in 25 Jahren – wie die vorgegebene Übergangsfrist – wirken, sondern ab Tag eins nach der Annahme. Unsere jungen Landwirte überlegen jetzt schon, wie sie ihren Betrieb weiterentwickeln wollen. Das Gravierendste wäre, wenn wir die Produktion in den nächsten zehn Jahren schneller drosseln würden, als der Konsum sinkt. Das würde heissen, man würde den Inlandanteil runterfahren und gleichzeitig Fleisch importieren, das nicht unseren Tierwohlstandards entspricht.

Welchen Einfluss hätte eine Annahme der MTI auf den Schweinemarkt?

Wir sind ganz klar der Meinung, dass wir eine Marktsegmentierung aufrechterhalten müssen. Bei einer Annahme würde innert 25 Jahren alles auf Stufe Bio umgestellt. Die Produktion würde entsprechend 50 Prozent zurückgehen, weil man die Alternativställe aus raumplanerischen Gründen gar nicht bauen kann. Und der Preis wäre dann sicher nicht auf Bio-, sondern eher auf QM-Niveau.

Sind folglich auch Bioschweinehalter gegen die MTI, obwohl der Bio-Suisse-Vorstand sich dafür ausspricht?

Ich weiss, dass viele Biobetriebe sehr skeptisch sind. Einerseits haben sie zwar keine Befürchtungen betreffend Tierwohlanforderungen. Andererseits wird aber auch ihr Preisniveau sinken. Daher schätze  ich, dass die Mehrheit der Bioschweinehalter die Initiative ablehnt.

Wie beteiligt sich Suisseporcs am Abstimmungskampf?

Da werden wir sehr aktiv sein. Mit dem Schweizer Bauernverband (SBV) sind wir im Komitee der Begleitgruppe. Wir haben bereits geholfen, die Kommunikationsstrategie für die Abstimmungskampagne auszuwählen. Und wir liefern Argumente und helfen mit Botschafterbetrieben, die in der Vorkampagne zeigen werden, was sie Gutes tun. Im eigentlichen Abstimmungskampf wird es dann hart auf hart gehen, weil die Macher der Initiative jedes Mittel ausnutzen werden. Da werden wir uns wehren müssen. Es ist wichtig, dass die ganze Branche zusammensteht, obwohl die MTI besonders Geflügel- und Schweinehalter betrifft.

Sorgen bereitet auch die Afrikanische Schweinepest (ASP). Wie schätzen Sie die Lage derzeit ein?

Die ASP ist sehr schwer greifbar. Wir haben Informationen von Osteuropa und Deutschland, wo die Seuche immer weitere Kreise zieht. Glücklicherweise waren in Deutschland bisher nur wenige Schweinebetriebe betroffen. Das Risiko geht nicht nur von den Wildschweinen aus, sondern auch von weggeworfenen Lebensmitteln. In der Schweiz haben wir keine Gewähr, dass nicht plötzlich ein Lastwagenchauffeur ein Sandwich zum Fenster rauswirft. Die Aufklärung diesbezüglich ist zentral.

Fürchten Sie einen Absatzeinbruch, sollte die ASP auf die Schweiz überschwappen?

Anfang November wurde die nationale Krisenübung NOSOS21 durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die Kommunikation intern und gegen aussen nicht optimal funktioniert. Es ist wichtig, den Konsumenten zu sagen, dass die Krankheit schlimm für die Tiere, aber ungefährlich für den Menschen ist. Wenn viele KonsumentInnen auf Schweinefleisch verzichten würden, hätten wir riesige Tierschutzprobleme, weil wir die Ställe nicht mehr leer bringen würden. Das muss dem Detailhandel und den KonsumentInnen bewusst sein.

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3 Responses

  1. Die minimalen Haltungsbedinnungen von Schweinen in der Schweiz is miserabel. Informiert euch bitte oder schaut mal in so einem stall rein. Ihr werdet staunen. Das ht mit tierliebe nicht viel zu tun.

  2. Dudu,
    Wann warst du das letzte mal in einem Schweinestall 20 Jahren?
    Dann gebe ich dir recht.
    Wenn kürzlich dann muss ich dir widersprechen.
    Ich betreibe Schweine Zucht mit mastferkelproduktion nach ip Suisse 1/5 geht in den Direktverkauf.
    Da meine Kundschaft die Qualität und die Haltung schätzt, da sie den Betrieb persönlich kennen.

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