7.01.2013 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
EU
In der EU sollen stündlich 40'000 illegal erzeugte Schweine vermarktet werden
In Sachen Gruppenhaltung von Sauen hat Grossbritannien mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Vorschriften zum Jahreswechsel den Druck auf Brüssel nochmals erhöht. Das Land gehört zu den nur fünf Mitgliedstaaten, die nach den Zahlen, die zuletzt in der belgischen Hauptstadt kursierten, die Auflagen sicher in allen Betrieben erfüllen.

Die EU-Kommission hat fürden 28. Januar ein Krisengespräch zu diesem Thema angesetzt. Nach einer Schätzung des Verbandes der britischen Schweinehalter (National Pig Association - NPA) werden auf dem Kontinent zu Beginn des neuen Jahres stündlich rund 40'000 Schweine an Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen geliefert, die von Betrieben stammen, welche die Tierschutzauflagen der EU brechen.

Britische Schweinehalter haben wenig Hoffnung

Die Schweine kämen von Höfen, wo die Sauen weiterhin in Abferkelkäfigen gehalten würden, die seit Jahresanfang illegal seien, so der Verband. Er appellierte an die britischen Verbraucher, nur heimische Ware zu kaufen, gut erkennbar am Logo des roten Traktors. „Wir haben Brüssel seitmehr als einem Jahr gedrängt, Massnahmen zu ergreifen, um die Konsumenten vor illegal erzeugtem Schweinefleisch zu schützen“, so der NPA-Vorsitzende Richard Longthorp.

Die stete Antwort sei gewesen, dass man bis zum 1. Januar 2013 nichts machen könne. Nun sei der Tag gekommen und die EU müsse dringend handeln, um ihre Integrität zu bewahren, betonte Longthorp. Er geht allerdings davon aus, dass die Kommission Ende Januar behaupten wird, das Bild sei nicht so düster wie es die Statistik zuletzt vermuten lasse, weil die Mitgliedstaaten mit Beginn des neuen Jahres gegen Betriebe, die die Auflagen nicht umgesetzt hätten, vorgehen könnten.

Deutschland: Über 80 Prozent sollen umgestellt haben

Aus dem deutschen Landwirtschaftsministerium verlautete derweil, dass noch keine aktuelleren Zahlen zur Umsetzung der EU-Vorschriften vorlägen. Jetzt müssten die Bundesländer zunächst mit den Kontrollen starten. Erst wenn es ein klares Bild der Situation gebe, werde auch über die möglichen Schritte und Folgen zu sprechen sein, so eine Ressortsprecherin.

In Deutschland schreibt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, mit der die EU-Richtlinie umgesetzt wurde, ab 2013 für alle Ställe vor, dass Jungsauen und Sauen im Zeitraum von über vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in der Gruppe zu halten sind. Während zum 1. September 2012 erst etwa die Hälfte der Betriebe mit Zuchtsauenhaltung der Gruppenhaltungsvorschrift entsprochen haben soll, wird in Reihen der Landwirtschaft aktuell regional von 80% bis 90% gesprochen.

Dänemark noch im Hintertreffen

Noch ordentlich Gas bei der Umstellung gaben offenbar die Sauenhalter in Frankreich, wenn man der Schätzung des dortigen Verbandes der Schweineproduzenten (FNP) glaubt. Wie Verbandspräsident Jean-Michel Serres am vergangenen Mittwoch (2.1.) mitteilte, hatten rund 10% der Betriebe mit Sauen zu Jahresbeginn noch nicht auf Gruppenhaltung umgestellt. Vor vier Monaten hatte dieser Anteil laut Kommissionsangaben noch bei 67 % gelegen. 

Genaue Zahlen zur Umstellung gab zwischen den Jahren die niederländische Lebensmittelbehörde (NVWA) bekannt. Laut den Ergebnissen zweimonatiger Kontrollbesuche stellten 84% der Sauenhalter in den Niederlanden fristgerecht auf die Gruppenhaltung um. 9% befanden sich zum Zeitpunkt der Kontrolle noch in der Umbauphase, und 2% hinkten wegen Baugenehmigungsproblemen hinterher. Rund 5 % wollten die Sauenhaltung aufgeben.

Schlechter stellte sich die Entwicklung in Dänemark dar: Gemäss einer vom Veterinäramt durchgeführten anonymen Umfrage hielten 59% der Höfe ihre Sauen Mitte November in Gruppen. Knapp jeder vierte Betrieb gab seinerzeit an, er werde die Umstellung fristgerecht durchführen. Rund 6% erklärten, sie würden die Auflagen spätestens Ende Juni 2013 erfüllen, 7% kündigten die Aufgabe der Sauenhaltung an

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