10.04.2018 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Bioschweine
Mäster riskieren Abzüge
Seit Anfang Jahr müssen Bioschweine Raufutter erhalten. Ab 2020 dürfen sie nur noch Biofutter fressen. Damit steigt das Risiko für Abzüge wegen der Fettqualität. Das FiBL zweifelt nun den geltenden Grenzwert an.

Seit diesem Jahr müssen Biobauern ihren Schweinen Raufutter wie Gras, Silage oder Dürrfutter anbieten. Ab 2020 verlangt der Bund zudem 100 Prozent Biofutter. Heute sind noch 5 Prozent konventionelle Futtermittel erlaubt.  

Futtermittel mit positiven Effekt fallen weg


Raufutter ist aus Sicht des Tierwohls und der Tiergesundheit zu begrüssen. Die Fettqualität beeinflusst es aber eher negativ. «Wenn ein grösserer Anteil Raufutter verfüttert wird, kann es zu Abzügen im Schlachthof kommen, weil der Pufa-Gehalt, der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, zu hoch ist», bestätigt Barbara Früh vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). 

«Wenn die Schweine aber weniger als 10 Prozent der Trockensubstanz in Form von Raufutter fressen und ein reguläres Ergänzungsfutter eingesetzt wird, besteht rechnerisch kein Risiko, dass es aufgrund der Fütterung Abzüge gibt.» Tatsache ist, dass die Gefahr von Abzügen wegen dem Pufa-Gehalt mit der 100-prozentigen Biofütterung ab 2020 steigt. Dies, weil Futtermittel wie das Kartoffelprotein, das einen positiven Effekt auf die Fettqualität hat, wegfallen.

Kein Unterschied in der Akzeptanz


Martin Scheeder, Experte für Fleischqualität bei der Hafl und der Suisag, kennt die Problematik: «Wir beobachten bereits jetzt, dass es in der Bioschweinemast vermehrt zu Abzügen wegen der Fettqualität kommt. Unter der Bedingung einer 100-prozentigen Biofütterung dürfte es eher noch problematischer werden. Neben dem Futter spielen aber offenbar auch noch andere Faktoren eine Rolle.»    

In einem Projekt unter der Leitung des FiBL werden derzeit die Möglichkeiten und Auswirkungen einer 100-prozentigen Biofütterung untersucht. «Wir wollen eine Lösung finden, wie die Biobetriebe artgerecht und ökologisch füttern können, ohne dann später Abzüge im Schlachthof zu erhalten», erläutert Früh. Ein Fragezeichen macht sie hinter die derzeit angewendeten Kriterien bei der Fettqualität. 

«Der Pufa-Grenzwert müsste im Biobereich höher angesetzt werden, da Biorationen durch den Einsatz von Kuchen statt Extraktionsschroten ein grösseres Risiko für Abzüge haben», betont sie. «In einer Konsumentenstudie konnte zudem kein Unterschied in der Akzeptanz von Speck mit höheren und tieferen Pufa-Werten festgestellt werden. Der tiefe Pufa-Grenzwert ist auch deshalb zumindest im Biobereich zu hinterfragen.»

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