1.07.2013 09:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Mike Bauert
Schweinemarkt
«Matterhorn-Schinken nach China liefern»
Der Schweinemarkt ist wieder gesund, die nächste Überproduktion kommt aber bestimmt. Exporte wären gemäss Ulrico Feitkenscht ein gutes Ventil.

«Schweizer Bauer»: In der Branche wird gemunkelt, dass Sie als Präsident von Suisseporcs über einen Rücktritt nachdenken. Stimmt das?
Ulrico Feitknecht: Im Moment bin ich Präsident der Suisseporcs. Die Politik, die ich verfolge, hat bewiesen, dass wir Erfolg haben. Am Freitag hat der Proviande-Verwaltungsrat mit 7 zu 5 Stimmen entschieden, dass über die Administrationsgebühren nochmals  diskutiert wird. Für weitere Personalfragen müssen Sie die Vizepräsidenten des Zentralvorstandes fragen.

Die Preise für Schweine und Jager sind gegenüber dem Vorjahr deutlich höher. Sind Sie mit den aktuellen Preisen zufrieden?
Mengen und Preise entsprechen der zurzeit gesunden Marktsituation. Die Schlachtungen sind 5,3 Prozent tiefer als im Vorjahr. Das zeigt, wenn der Markt ausgeglichen ist, können Preise erzielt werden, die es ermöglichen, Kosten zu decken und Investitionen zu tätigen.

Vor einem Jahr herrschte noch eine deutliche Überproduktion. Was hat jetzt eigentlich zum Umschwung geführt?
Es wurden Betriebe aufgegeben, und der Zuchtsauenbestand wurde reduziert. In den letzten zehn Jahren sind 40 Prozent der Betriebe verschwunden, der Strukturwandel geht weiter. Ich  frage mich schon, ob es jedes Mal einen so gravierenden Eingriff braucht.

Was für Betriebe sind aus der Produktion ausgestiegen?
Es waren Betriebe, die schwierige Produktionsbedingungen hatten oder vielleicht zu wenig professionell geführt wurden. Es sind sicher mehr kleinere, aber auch etliche grössere Betriebe, die die Produktion einstellten. Wichtig ist, dass man mit der Produktivität im vorderen Viertel ist, dann spielt die Grösse weniger eine Rolle.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Produktion sehr schnell wieder steigt, oder ist der Markt nachhaltig saniert?
Ich hätte letztes Jahr nicht daran geglaubt, dass sich der Markt so rasch erholt. Der Schweinezyklus funktioniert anscheinend noch immer.

Wurden Lehren gezogen aus der letzten Überproduktion, oder lässt sich der Markt einzig über die Preise steuern?
Mittelfristig wird die Produktion sicher wieder ansteigen, die Erfahrung zeigt, dass die Menge nur über den Preis gesteuert werden kann.

Kürzlich erklärten Sie in der «Bilanz», dass Sie sich vorstellen könnten, 10% des Schweizer Schweinefleischs nach China zu exportieren. Wie konkret sind diese Pläne, und wer soll sie umsetzen?
Das Vertrauen der Chinesen in ihre eigene Massentierhaltung ist angeschlagen, daher lohnt sich eine seriöse Abklärung. Unsere Vermarkter haben bezüglich Fleischqualität, GVO-freier Fütterung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Tierschutz und Rückverfolgbarkeit  gute Argumente.

Was für Produkte stellen Sie sich vor?
Preislich können wir nicht konkurrenzieren, aber wir müssen Zusatzwerte und Emotionen vermarkten. Matterhorn-Schinken ist nur eine Idee davon. Wir brauchen ein Produkt mit einem guten Namen oder eine Verknüpfung mit dem Tourismus.

Wie sollen diese Exporte finanziert werden? Planen Sie einen Exportfonds?
Die Branche wird sicher über Proviande abklären, wer am Export interessiert ist, und Synergien mit bestehenden Exporteuren, zum Beispiel im Milchbereich, suchen.

Wie gross ist die Gefahr von Importen?
Vor China selber habe ich keine Angst, mehr Sorgen bereitet mir ein Freihandelsabkommen EU-USA. Das würde auch unseren Markt enorm unter Druck setzen.

Wie steht Suisseporcs zum inländischen Futtergetreide?
Wir haben Interesse an möglichst viel Inlandgetreide zu konkurrenzfähigen Preisen und Qualität. Das stärkt Ernährungssouveränität und Produktionssicherheit. Eine Stabilisierung des Inlandanbaus genügt nicht. Die AP 2014–2017 muss die Beiträge massiv verbessern: Mit den Vorschlägen des BLW ist der Futterbau nicht konkurrenzfähig. Gleichzeitig ist es wichtig, die Abhängigkeit von brasilianischer Soja zu verringern.

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