Donnerstag, 1. Dezember 2022
31.08.2022 13:13
Bund

Mehr Schutz vor Schweinepest

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Von: blu

Der Bundesrat hat am 31. August 2022 die Anpassung der Tierseuchenverordnung (TSV) verabschiedet. Diese tritt am 1. November 2022 in Kraft. Sie bezweckt, den Schweizer Tierbestand besser vor der Afrikanischen Schweinepest und weiteren Tierseuchen zu schützen.

In den vergangenen Monaten haben sich die Meldungen von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der Nähe der Schweizer Grenze zugenommen. Es wurde Fälle in Süddeutschland und in Norditalien nachgewiesen.

Zugang zu Wald einschränken

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Für Schweine und Wildschweine verläuft die Seuche meistens innert weniger Tage tödlich. Menschen können sich nicht anstecken. Für Schweizer Schweinezüchter und Schweinemäster hätte ein Ausbruch der Krankheit gravierende Auswirkungen. Der Bestand müsste gekeult werden. Die finanziellen Verluste wären sehr gross.

Der Bundesrat hat deshalb beschlossen, die Tierseuchenverordnung (TSV) anzupassen. Die Anpassung erlaubt Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte bei einem Seuchenausbruch bei Wildschweinen vorübergehend die Jagd wie auch den Zugang zum Wald einzuschränken. «Dadurch bewegen sich Wildschweine weniger, was auch das Risiko einer Ansteckung von Hausschweinen reduziert», schreibt die Landesregierung am Mittwoch in einer Mitteilung.

Die Behörden können zum Beispiel das Betreten eines Gebietes verbieten oder anordnen, die Wege nicht zu verlassen und Hunde an der Leine zu führen. Ausnahmen sind möglich, etwa für forstwirtschaftliche Arbeiten.

Mikrochip für Alpakas und Lamas

Zudem gibt es Anpassungen an neues EU-Recht. Sie sollen den Schutz vor Tierseuchen verbessern. Mehrere Tierseuchen werden in andere Kategorien eingeteilt, was unterschiedliche gesetzliche Massnahmen zur Folge hat: Die Neuaufnahme der Herpesvirus-Infektion bei Koi-Fischen in die TSV, die Streichung der transmissiblen Gastroenteritis bei Schweinen oder die neue Einstufung von Rotz beim Pferd und Esel als hochansteckende Seuche. Zudem gelten die Bestimmungen für einzelne Tierseuchen wie die Tuberkulose neu auch für Büffel und Bisons.

Anpassungen ergeben sich weiter bei den Kameliden, wozu zum Beispiel Alpakas und Lamas gehören: Ab dem 1. November 2022 müssen alle nach diesem Zeitpunkt geborenen Kameliden innert 30 Tagen mit einem Mikrochip gekennzeichnet werden, damit sie eindeutig identifiziert werden können. 

Um den Seuchenschutz zu verbessern, werden schliesslich bei der Registrierung von Aquakulturbetrieben – wie in der EU – künftig mehr Daten erhoben, etwa zur Art der Abwasserentsorgung. Zudem werden die Vorgaben zur Kontrolle des Tierbestandes und zur Aufzeichnung von Behandlungen in diesen Betrieben ausgeweitet.

Schweinepest

Die Weltorganisation für Tiergesundheit geht davon aus, dass ein Viertel der Schweine weltweit an der hochansteckenden ASP sterben könnte. Die für den Menschen ungefährliche Viruserkrankung führt bei infizierten Schweinen und Wildschweinen fast immer zum Tod.

Die Krankheit ist seit Langem in gewissen afrikanischen Ländern sowie in Sardinien verbreitet. Sie trat 2007 in Georgien auf und hat sich anschliessend in Russland und Osteuropa verbreitet. Kürzlich wurden auch in Deutschland ASP-Fälle nachgewiesen. Im August 2021 hat die Anzahl Kontaminationsherde bei Hausschweinen laut BLV in Europa ein sehr hohes Niveau erreicht. Das Risiko einer Einschleppung der ASP in die Schweiz sei daher hoch.

Das Virus ist äusserst resistent und kann sehr lange in der Umwelt verbleiben, besonders im Blut, in Fleischerzeugnissen und in Kadaver. Wenn Wild- oder Hausschweine solche Abfälle fressen, kann ein neuer Infektionsherd entstehen. 

Angesichts der aktuellen Lage in Europa werden die Schweinehalter aufgerufen, sich unverzüglich an ihre Tierärztin oder ihren Tierarzt zu wenden, falls eines ihrer Tiere unklare Symptome zeigt. Der Verzehr von Schweinefleisch stellt für den Menschen keine Gefahr dar. 

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