24.03.2015 06:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Schweden
Schweden als mahnendes Beispiel
Pro Natura möchte, dass Schweizer Tiere nur noch Schweizer Futter fressen. Dagegen wehrt sich Meinrad Pfister, Präsident der Schweineproduzenten. Mit dieser Massnahme würden bloss die Fleischimporte massiv steigen.

Meinrad Pfister, Präsident der Suisseporcs, stört sich an den Aussagen von Pro-Natura-Zentralsekretär Urs Leugger im «Schweizer Bauer». «Uns  Schweine- und Geflügelhalter will man schlechtreden, weil wir auch Importfutter brauchen müssen», sagt Pfister.

Auf der anderen Seite dränge Pro Natura extrem auf Ökologisierung. Wenn wie verlangt im Talgebiet zusätzliche 4'000 Hektaren Biodiversitätsförderflächen geschaffen würden, sinke die Lebensmittelproduktion. Der Futtergetreideanbau sei wegen der politischen Rahmenbedingungen ohnehin seit Jahren schon stark rückläufig, entgegen aller Prognosen des BLW. 

«So gäbe es mehr Import»

Wenn Pro Natura in der Schweiz nur noch Tierproduktion wolle, die sich mit Schweizer Futter versorgen könne, dann bedeute dies ein massives Herunterfahren der Nutztierhaltung in der Schweiz. Pfister hat den Eindruck, dass für Pro Natura dann das herbeigeredete Problem gelöst sei. Aber Pfister hebt den Mahnfinger: «Dann würde in der Schweiz das geschehen, was in Schweden passiert ist.»

Dort sei nach dem Beitritt zur EU die Schweinefleischproduktion massiv eingebrochen, die Bevölkerung und der Pro-Kopf-Konsum seien jedoch gestiegen. Die Folge seien massive Schweinefleischimporte aus dem Nachbarland Dänemark, wo viel geringere Umwelt- und Tierschutzvorschriften gälten (vgl. Kasten). «Dagegen wehren wir uns. Wir müssen über die Landesgrenzen hinaus denken.»

Der sensible Punkt sei: Wie werden die Tiere im Ausland gehalten? Angesichts der genannten Entwicklung könnten sich die schwedischen Tierschutz- und Umweltorganisationen jedenfalls nicht auf die Schulter klopfen, so Pfister. In der Schweiz kennten wir die strengsten Tier- und Umweltschutzstandards, betont Pfister. Auch müsse man schauen, woher das Futter der  im Ausland gemästeten Schweine stamme. Pfister ist klar dafür, dass die Schweiz Futter und nicht Fleisch importiert und so direkten Einfluss auf die Haltungs- und Umweltbedingungen nehmen kann.

«Aufklärung» ohne Staat

Der Suisseporcs-Präsident weist auch darauf hin, dass in der Schweiz 50% der Schweinefleischproduktion die Kriterien sowohl von BTS als auch von Raus erfüllten, dass aber nur ein Drittel auch als Labelfleisch vermarktet werden könne. «Pro Natura sollte besser dazu beitragen, dass mehr Labelfleisch nachgefragt wird.»

Aufhorchen lässt Pfister auch die Aussage von Urs Leugger, dass man bei der Aufklärung ansetzen müsse, dass man die Leute dafür sensibilisieren müsse, welches Fleisch sie essen sollten. «Wenn dies Pro Natura machen will, ist dies ihre Sache, keinesfalls ist dies eine Aufgabe des Staates», wehrt sich Pfister. Auch die Hysterie wegen angeblich gesundheitsschädlicher tierischer Fette werde von der Wissenschaft je länger je mehr widerlegt.

Mehr importiert

Die schwedische Bevölkerung isst pro Kopf jährlich 32,3 kg Schweinefleisch. Das sind 27% mehr als noch im Jahr 1995. Zu 40% isst man heute in Schweden ausländisches Schweinefleisch, vor allem solches aus Dänemark, das zusammen mit Holland das europäische Land mit der effizientesten Schweinehaltung ist. Sehr grosse Betriebe werden dort sehr professionell geführt. 

Im Jahr 2013 importierte Schweden 156'000 Tonnen Schweinefleisch. Die schwedischen Schweinemäster kamen für 234'000 Tonnen Schlachtgewicht auf. Dieser Wert ist seit dem Beitritt Schwedens zur Europäischen Union im Jahr 1995 stark gesunken. 1996 hatte er noch 329'000 Tonnen Schlachtgewicht betragen.

Das Fazit der Suisseporcs lautet: Schweden sei innerhalb der EU Musterknabe in Umwelt- und Tierschutzrecht. Die hohen Auflagen und die fehlende Rentabilität führten zu sinkender Produktion und zunehmenden Importen von Billigfleisch aus Dänemark. So sei Schweden nun massiv von dänischen Importen abhängig geworden. Insgesamt ist der schwedische Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch laut Zahlen von Suisseporcs massiv gesunken, von 90% im Jahr 1996 auf 60% im Jahr 2013. Für die Suisseporcs  zeigt das Beispiel Schweden, was passiert, wenn man sich unvorbereitet in das «Abenteuer» der Grenzöffnung stürzt. sal

 

 

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