2.06.2020 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tierwohl
Schweinehalter angezeigt
Die Konsumentensendung «Kassensturz» des TV-Senders SRF und die TX-Medien thematisieren die konventionelle Schweinemast und zeigen unschöne Bilder. Die Berichte beziehen sich auf Dokumentationen der Tierschutzorganisation «Tier im Fokus». Insgesamt neun Betriebe wurden von der Organisation wegen Tierquälerei angezeigt.

Medienberichte von SRF und den TX-Medien bringen der konventionellen Schweinemast negative Schlagzeilen. Über 60 Prozent der Tiere werden nach diesen Vorgaben gehalten.

Aufnahmen von 2019

Im vergangenen Jahr wurden auf mehreren Betrieben heimlich Aufnahmen gemacht. Dieses Videomaterial wurde der Tierschutzorganisation «Tier im Fokus» (Tif) übermittelt. Die Aufnahmen entstanden zwischen April und Dezember 2019. Sie stammen aus insgesamt 13 Betrieben in den Kantonen St. Gallen, Solothurn, Bern, Luzern, Zürich, Schaffhausen und Aargau.

In einigen Fällen wurden Verstösse gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert. Einem Schwein hing wegen eines unbehandelten Nabelbruchs das Gedärm aus dem Bauch. Auf einem anderen Hof haben Schweine ihren Artgenossen die Schwänze blutig gebissen.

Anzeigen wegen mehrfacher Tierquälerei

Die Stiftung für das Tier im Recht sichtete das Material von TIF. Gegen neun Tierhalter reichte die Organisation Anzeige wegen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz ein. Der Vorwurf laut Mitteilung des Tif: mehrfache Tierquälerei sowie mehrfache Missachtung der Vorschriften über die Tierhaltung. Für die Organisation ist nun klar: «In der Massentierhaltung führen die Schweine ein jämmerliches Leben», lässt sich Tobias Sennhauser, Präsident Tier im Fokus (TIF), in der Mitteilung zitieren.

In den Strafanzeigen kritisiert die Organisation, dass die Leidens- und Empfindungsfähigkeit von Nutztieren in der konventionellen Mat oft zu wenig Beachtung finde. «Das Wohlergehen und die Würde von Nutztieren sind ebenso geschützt wie etwa jene von Hunden oder Katzen.»

Tierschutz für mehr unangemeldete Kontrollen

Das Verstösse bei den Aufnahmen vorliegen, bestätigt Cesare Sciarra vom Schweizerischen Tierschutz (STS) gegenüber dem «Kassensturz»: «Es hat verschiedene Ställe, in denen deutlich kranke Tiere drin sind, die man hätte rausnehmen und pflegen müssen. Und wir sehen in einem Stall, dass es sogenanntes Schwanzbeissen gibt. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass sie die Tiere sich zu wenig beschäftigen können, überfordert sind.» 

Gemäss Sciarra würden vermehrte, unangemeldete Kontrollen helfen, solche Fälle zu unterbinden. «Denn anders als Label-Betriebe, die jährlich mit unangemeldeten Kontrollen rechnen müssen, werden konventionellen Betriebe in der Regel nur alle vier Jahre kontrolliert», sagt er zum TV-Sender.

Betroffene Mäster sprechen von Diffamierungskampagne

Die angezeigten Schweinehalter sprechen gegenüber den «TX-Medien» von einer Diffamierungskampagne. Bei amtlichen Tierschutzkontrollen sei es nie zu Beanstandungen gekommen. «In jedem Saustall gibt es Momente, in denen etwas nicht rundläuft», sagt ein Schweinemäster.

Die in ihre Ställe eingedrungenen «Nutztierhaltungs-Gegner» würden von Schweinehaltung wenig verstehen. Derzeit finden 90 Prozent aller Kontrollen in konventionellen Schweineställen finden nach Voranmeldung der Behörden statt. Künftig werden es noch 80 Prozent sein.  

Suisseporcs will keine schwarzen Schafe

Der Präsident des Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband (Suisseporcs), Meinrad Pfister, sagt gegenüber dem «Kassensturz», dass es für ihn schwierig sei, zu diesen Betrieben Stellung zu nehmen. Er kenne die die Einzelheiten zu wenig.

«Aber grundsätzlich schützen wir als Verband keine schwarzen Schafe. Gesetz und Vorschriften müssen von allen eingehalten werden», macht er klar. Und er hält zudem fest: Die allermeisten Tierhalter würden die Gesetze korrekt einhalten. 

Bund sieht Handlungsbedarf

Der Bund sieht bei der Schweinemast in einigen Bereichen Handlungsbedarf. «Bei Auslauf und in Sachen Beschäftigung der Tiere muss sich was bewegen», sagt Kaspar Jörger, Leiter der Abteilung Tierschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), zu den «TX-Medien». 

Das Gesetz sei «ein Kompromiss zwischen den ökonomischen Interessen der Nutztierhalter und dem Schutz der Tiere», so Jörger zu SRF. Am Schluss sei der Halter für das Wohl seiner Tiere verantwortlich. Ein guter Tierhalter biete seinen Tieren automatisch mehr an, als was die Mindestanforderungen vorsehen. 

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