Montag, 28. November 2022
14.09.2022 10:20
Tiergesundheit

Schweinepest: Diese Betriebe haben höchstes Risiko

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Von: blu/sda

Die Afrikanische Schweinepest könnte über Abfälle auf Autobahnrastplätzen in die Schweiz gelangen. Denn infizierte Essensreste könnten von Wildschweinen gefressen und das Virus so an die Hausschweine weitergegeben werden.

«Wir müssen möglichst viel darüber lernen, wie sich das Virus verbreitet und auf welchen Wegen es in die Schweiz gelangen könnte», Forscher an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Zusammen mit seinem Team hat er nun untersucht, welches die wahrscheinlichsten Einfallstore für das Virus sind und in welchen Regionen sich Schweinebetriebe besonders schützen sollten.

Um nun die Orte mit dem grössten Risiko für eine Einschleppung des Virus zu identifizieren, haben Rolf Grütter und Doktorandin Maria Elena Vargas Amado aus seinem Team zunächst die potenzielle Wildschweinverbreitung in der Schweiz modelliert. 

Nördlich der A1

Diese Verteilung verwendeten sie zusammen mit den kantonalen Jagdstatistiken der letzten sieben Jahre und anderen Daten, um die tatsächliche Verbreitung und relative Häufigkeit von Wildschweinen in der Schweiz zu modellieren.

Als wahrscheinliche Eintrittsorte für das Virus in die Schweiz identifizierten Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) Rastplätze nördlich der A1 von Genf nach St. Margarethen TG. Denn diese grenzten an dichte Wildschweinpopulationen, schrieben sie in einer Mitteilung am Mittwoch.

Aber auch Raststätten an der A2 im Tessin lägen in Wildschweingebieten. Insgesamt ergaben die Modellierungen 57 Rastplätze in 14 Kantonen, in denen ein hohes Risiko für eine Übertragung bestehe.  

Auf Gemeindeebene geschätztes Risiko des Übergreifens auf Schweinebetriebe mit Aussengehege (a) und Freilandhaltung (b) nach einer Einschleppung der Schweinepest in die Wildschweinpopulation.
Karte: WSL

Risikokarten

Diese Standorte brachten die Forschenden dann in Verbindung mit Standorten von Schweinebetrieben mit Freilandhaltung. Denn dort kämen die Tiere leichter mit Wildschweinen in Kontakt als in Ställen. Die wilden Tieren näherten sich den Gehegen nämlich zum Stehlen von Futter oder um sich zu paaren.

Aus der Kombination dieser drei Faktoren – Wildschweinverbreitung, Rastplätze und Schweinebetriebe – entstanden dann Risikokarten für die Schweiz: Diese zeigen auf, wo Schweinebetriebe ihre Tiere besonders vor dem Kontakt zu Wildschweinen schützen sollten, zum Beispiel mit besseren Zäunen.

Besonders gefährdet sind demnach Schweinebetriebe nördlich der A1 in den Kantonen Bern, Solothurn, Basel-Landschaft, Aargau und Zürich, die Regionen beiderseits der A4 im Kanton Schaffhausen und beiderseits der A2 im Kanton Tessin. «Mit unseren Resultaten haben Behörden und Betriebe nun eine detaillierte Grundlage, um Hausschweine künftig noch besser zu schützen», sagt Rolf Grütter, Forscher an der WSL.

Bisher noch keine Fälle

In der Schweiz sind bisher zwar noch keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten. Doch die Tierseuche habe das Land fast eingekreist. Infizierte Wildschweine seien in Italien, in Belgien an der Grenze zu Frankreich und in Deutschland nachgewiesen worden. Im letzten Frühling habe sogar es einen Ausbruch in Baden-Württemberg D gegeben.

Die Krankheit verbreite sich zwar auch ohne menschliche Einwirkung unter den Wildschweinpopulationen ständig. Aber mit den Menschen reise es am schnellsten und zwar in deren Essen. Denn das Virus sei äusserst widerstandsfähig und könne zum Beispiel in Schweinefleischprodukten wie Rohschinken oder Salami mehrere Monate überleben.

Plakate machen auf die Gefahr aufmerksam.
Suisag-SGD

Fleischreste

Wenn dann halb gegessene Sandwiches oder Fleischreste auf Rastplätzen am Boden oder in offenen Abfalleimern landeten, seien diese für Wildschweine ein gefundenes Fressen. Diese können den Erreger wiederum an Hausschweine weitergeben, wenn sie sich Gehegen nähern, um Futter zu stibitzen oder um sich zu paaren. Das WSL stellt die Gefahrenkarten nun den Kantonen zur Verfügung, damit diese auf ihren Raststätten entsprechende Massnahmen ergreifen können.

Die Afrikanische Schweinepest befällt Wild- und Haustiere. Diese bekommen dabei hohes Fieber und sterben innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Es gibt kein Heilmittel und keine Impfung. Für Menschen ist das Virus nicht gefährlich.

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