Donnerstag, 1. Dezember 2022
27.08.2022 09:33
Tierkrankheit

Schweinepest: Saubere Schweine weniger anfällig

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Von: sda

Je sauberer das Schwein gehalten wird, desto glimpflicher verläuft die Afrikanische Schweinepest. Die Krankheit dauert kürzer und heilt vollständig aus. Das ergaben Versuche mit dem abgeschwächten Schweinepest-Virus.

Diese Erkenntnisse sind für die Krankheitsbekämpfung relevant, wie das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in Mittelhäusern BE am Freitag mitteilte. Es führte die Forschungsarbeiten zusammen mit der Universität Bern durch und veröffentlichte die Resultate in der Zeitschrift «POS Pathogens».

Die Erkenntnisse helfen, die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben. Das Schweinepest-Virus ist komplex, so dass ein wirksamer und sicherer Impfstoff noch nicht existiert. Das Virus verursacht ein tödliches Fieber mit Blutungen bei Haus- und Wildschweinen.

Gravierende Tierseuche

An der Seuche erkranken hunderte Millionen von Tieren in Afrika, Europa und Asien, was zu schweren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen führt. Die aktuellen Virenstämme führen innerhalb weniger Tage zum Tod. Deshalb lässt sich das Virus nur abgeschwächt untersuchen, kann aber auch dann noch zum Tod führen.

Bei der Infizierung von Schweinen mit dem abgeschwächten Virenstamm stellten die Forschungsgruppen den Angaben zufolge fest, dass die Krankheit bei Hausschweinen mit sehr gutem Hygiene- und Gesundheitszustand leichter und kürzer verlief und vollständig ausheilte.

Dagegen dauerte die Seuche bei ebenfalls mit dem abgeschwächten Virus infizierten Schweinen in Hofhaltung mit herkömmlicher Standardhygiene länger und die Hälfte der Tiere verendete. Die Analyse zeigte, dass eine höhere Grundaktivierung des Immunsystems erhebliche Auswirkungen auf Schwere und Entzündungsgrad der Krankheit hat.

Hoffnung für Impfstoff

Das Immunsystem in Verbindung mit der Hygiene bilden somit entscheidende Faktoren beim Verlauf. Den Angaben zufolge sind diese Erkenntnisse für die Entwicklung von abgeschwächten Lebendimpfstoffen und generell für das Verständnis der Wirt-Virus-Beziehung äusserst wichtig.

Auch wenn es in der Schweiz keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest gibt, untersucht das IVI die in Europa zirkulierenden Virenstämme. Die Ergebnisse sind für den Fall eines Ausbruchs wichtig und als Informationen für den Veterinärdienst. Das Virus der Afrikanischen Schweinegrippe ist nach Angaben der Forscherinnen und Forscher komplex. Sein Erbgut setzt sich aus über 160 Genen zusammen. Die Funktion der Hälfte dieser Gene ist derzeit unbekannt.

Virus übernimmt Immunsystem

Eine grosse Herausforderung für die Forschung ist, dass das Virus die Makrophagen des Wirts infiziert. Makrophagen sind wichtige Bestandteile des Immunsystems. Sie vernichten Bakterien, Gifte und andere Krankheitserreger. Das Virus übernimmt also die Kontrolle über das Immunsystem.

Die Versuche mit dem Schweinepest-Virus führt das IVI mit Zellkulturen und an Schweinen durch. Sie erfordern ein Hochsicherheitslabor. Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen nicht gefährlich.

Schweinepest

Die Weltorganisation für Tiergesundheit geht davon aus, dass ein Viertel der Schweine weltweit an der hochansteckenden ASP sterben könnte. Die für den Menschen ungefährliche Viruserkrankung führt bei infizierten Schweinen und Wildschweinen fast immer zum Tod.

Die Krankheit ist seit Langem in gewissen afrikanischen Ländern sowie in Sardinien verbreitet. Sie trat 2007 in Georgien auf und hat sich anschliessend in Russland und Osteuropa verbreitet. Kürzlich wurden auch in Deutschland ASP-Fälle nachgewiesen. Im August 2021 hat die Anzahl Kontaminationsherde bei Hausschweinen laut BLV in Europa ein sehr hohes Niveau erreicht. Das Risiko einer Einschleppung der ASP in die Schweiz sei daher hoch.

Das Virus ist äusserst resistent und kann sehr lange in der Umwelt verbleiben, besonders im Blut, in Fleischerzeugnissen und in Kadaver. Wenn Wild- oder Hausschweine solche Abfälle fressen, kann ein neuer Infektionsherd entstehen. 

Angesichts der aktuellen Lage in Europa werden die Schweinehalter aufgerufen, sich unverzüglich an ihre Tierärztin oder ihren Tierarzt zu wenden, falls eines ihrer Tiere unklare Symptome zeigt. Der Verzehr von Schweinefleisch stellt für den Menschen keine Gefahr dar. 

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